Mittwoch, 27. Januar 2027, Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus: Berlin gedenkt zum 82. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Im Deutschen Bundestag findet die zentrale Gedenkstunde mit einer Gastrednerin oder einem Gastredner statt, live übertragen aus dem Plenarsaal. An vielen Berliner Orten – vom Holocaust-Mahnmal über die Topographie des Terrors bis zu den über 10.000 Stolpersteinen in der Stadt – laufen Kranzniederlegungen, Lesungen und Gedenkveranstaltungen. Die internationale #WeRemember-Kampagne wird zeitgleich auf Bundesrat und vielen Berliner Behördengebäuden projiziert.
Das Wichtigste in Kürze
- Datum 2027: Mittwoch, 27. Januar 2027 (82. Jahrestag der Auschwitz-Befreiung)
- Offizieller Name: Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
- Zentrale Veranstaltung: Gedenkstunde im Deutschen Bundestag, live übertragen
- Eingeführt 1996 durch Bundespräsident Roman Herzog
- Internationaler Holocaust-Gedenktag der UN seit 2005
- Berliner Orte: Holocaust-Mahnmal, Topographie des Terrors, T4-Mahnmal, Gleis 17, Stolpersteine, Jüdisches Museum
Holocaust-Gedenktag 2027: Was im Bundestag und in Berlin geplant ist

Die Gedenkstunde im Deutschen Bundestag ist der zentrale Akt des Tages. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner eröffnet die Veranstaltung, danach folgt traditionell eine Rede einer Holocaust-Überlebenden, einer Wissenschaftlerin oder eines Vertreters aus dem Bereich der Erinnerungsarbeit. Vergangene Gastrednerinnen waren unter anderem Tova Friedman 2026, Eva Szepesi 2024 und Inge Auerbacher 2022. Die Gastrednerin oder der Gastredner für 2027 wird vom Ältestenrat des Bundestags festgelegt und in der Regel Mitte Dezember 2026 bekannt gegeben.
Die Gedenkstunde beginnt traditionell um 12:30 Uhr im Plenarsaal des Reichstags. Sie wird live auf der Webseite der Bundesregierung und auf bundestag.de übertragen. An der Veranstaltung nehmen die Verfassungsorgane teil – Bundespräsident, Bundeskanzler, Bundesratspräsident, Präsident des Bundesverfassungsgerichts. Zusätzlich projiziert der Bundesrat am Vorabend (26. Januar) und am 27. Januar selbst den beleuchteten Schriftzug #WeRemember auf seine Außenfassade in der Leipziger Straße in Berlin-Mitte. Die Initiative geht auf den Jüdischen Weltkongress und die UNESCO zurück und läuft seit 2017 international.
Berliner Gedenkorte: Wo am 27. Januar 2027 stattfindet
Berlin hat eine außergewöhnlich dichte NS-Gedenklandschaft. Die wichtigsten Orte am Holocaust-Gedenktag 2027:
Holocaust-Mahnmal (Cora-Berliner-Straße 1, Mitte): Das von Peter Eisenman entworfene Stelenfeld zwischen Brandenburger Tor und Potsdamer Platz wurde 2005 eröffnet und ist das zentrale Mahnmal für die ermordeten Juden Europas. Am 27. Januar finden hier Kranzniederlegungen statt, der unterirdische Ort der Information ist kostenfrei zugänglich. Mehr Informationen unter der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas.
Topographie des Terrors (Niederkirchnerstraße 8, Kreuzberg): Auf dem Gelände der ehemaligen Reichssicherheitshauptamt-Zentrale (Gestapo, SS, Reichssicherheitshauptamt) befindet sich heute das Dokumentationszentrum. Eintritt frei. Am 27. Januar Sonderveranstaltungen, Lesungen und Zeitzeugengespräche.
Gleis 17 Grunewald (Bahnhof Grunewald): Von hier deportierten die Nationalsozialisten zwischen 1941 und 1945 mehr als 50.000 Berliner Jüdinnen und Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager. Das Mahnmal aus 186 gusseisernen Trägern dokumentiert mit Datum, Anzahl und Zielort jede einzelne Deportation. Stiller Erinnerungsort, frei zugänglich.
T4-Mahnmal (Tiergartenstraße 4, Tiergarten): Mahnmal für die Opfer der NS-Euthanasie. Die Aktion T4 koordinierte ab 1939 vom Berliner Standort aus den systematischen Massenmord an mindestens 70.000 Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen. Das Mahnmal wurde 2014 eingeweiht.
Stolpersteine: Berlin trägt mit über 10.000 Stolpersteinen mehr als jede andere deutsche Stadt. Die kleinen Messing-Pflastersteine vor den letzten frei gewählten Wohnorten der Opfer wurden vom Künstler Gunter Demnig initiiert. Am Holocaust-Gedenktag organisieren viele Berliner Initiativen Putz-Aktionen – ein Brauch, der in der ganzen Stadt gepflegt wird.
Warum der 27. Januar: Auschwitz-Befreiung 1945
Am 27. Januar 1945 erreichten Soldaten der Roten Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im besetzten Polen. Sie fanden rund 7.000 Häftlinge, die zu schwach für die kurz zuvor begonnenen Todesmärsche gewesen waren. In Auschwitz wurden zwischen 1940 und 1945 mehr als 1,1 Millionen Menschen ermordet – weit überwiegend europäische Jüdinnen und Juden, dazu polnische Häftlinge, Sinti und Roma, sowjetische Kriegsgefangene und Widerstandskämpfer aus ganz Europa.
Bundespräsident Roman Herzog erklärte den 27. Januar 1996 zum nationalen Gedenktag der Bundesrepublik. Er begründete das in seiner Rede mit dem Wunsch, „den Ungezählten, die uns vorausgegangen sind, ein lebendiges Andenken zu bewahren“. Die UN-Generalversammlung folgte 2005 mit der Resolution 60/7, die den 27. Januar zum Internationalen Holocaust-Gedenktag erklärte. Seither beteiligen sich Parlamente und Regierungen weltweit am Gedenken. Für die deutsche Erinnerungskultur markiert das Datum den verbindlichen Pflichttag der Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit.
Was Berlin trotz aller Mahnmale noch lernen muss
Trotz der dichten Gedenklandschaft bleibt der Holocaust-Gedenktag 2027 keine Routine. Die Zahl lebender Zeitzeuginnen und Zeitzeugen wird kleiner – Eva Szepesi war 2024 mit 92 Jahren eine der jüngsten Überlebenden, die ihre Erfahrungen weitergeben konnten. Inge Auerbacher sagte 2022 vor dem Bundestag, sie spreche „in dem Bewusstsein, dass es eine der letzten Reden sein könnte“. Die Generation, die den Vernichtungslagern entkommen ist, geht in den nächsten Jahren weitgehend verloren. Was bleibt, sind Aufzeichnungen, Erinnerungsorte – und die nachfolgenden Generationen.
Holocaust-Überlebende wie Tova Friedman, die 2026 vor dem Bundestag sprach, gehen neue Wege: Mit ihrem Enkel betreibt sie einen TikTok-Kanal mit über 500.000 Followern und beantwortet dort Fragen junger Menschen zum Holocaust. Diese generationsübergreifende Erinnerungsarbeit ist auch Berliner Realität: Schulen organisieren Stolperstein-Patenschaften, das Jüdische Museum entwickelt digitale Angebote, die Berliner Gedenkstätten verzahnen sich mit Online-Plattformen. Anders als beim 9. November 1938 (Reichspogromnacht) oder dem Mauerfall am 9. November 1989 hat der 27. Januar einen klaren internationalen Charakter.
Stolpersteine in Berlin: 10.000 Patenschaften
Die Stolpersteine sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt – und Berlin trägt mit Abstand die meisten davon. Über 10.000 dieser kleinen Messing-Pflastersteine liegen in den zwölf Berliner Bezirken vor den letzten frei gewählten Wohnorten von NS-Opfern. Jeder Stein steht für einen Menschen: Name, Geburtsjahr, Schicksal. Künstler Gunter Demnig verlegt seit 1996 selbst die Steine. Die Patenschaft für einen Stolperstein kostet 132 Euro, die Initiative ist privat finanziert.
Am Holocaust-Gedenktag 2027 werden in vielen Berliner Kiezen Stolpersteine geputzt, Blumen niedergelegt und Biografien verlesen. Im Bezirk Pankow mit besonders dichter Stolpersteindichte (rund 1.500 Steine), in Charlottenburg-Wilmersdorf und in Friedrichshain-Kreuzberg haben sich lokale Bürgerinitiativen etabliert, die regelmäßige Putz-Aktionen und Lese-Termine organisieren. Eine vollständige Übersicht der Stolperstein-Standorte führt die Initiative Stolpersteine in Berlin.
Wann? Der Holocaust-Gedenktag 2027 fällt auf Mittwoch, 27. Januar – exakt 82 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz. Was? Eine Gedenkstunde im Bundestag, dazu Veranstaltungen an den großen Berliner NS-Erinnerungsorten und an 10.000 Stolpersteinen in der Stadt. Was bedeutet das? Berlin ist eine der wenigen Städte der Welt, die so unmittelbar mit dem Holocaust verbunden ist: Tatort, Planungsort, Deportationsort – und heute zentraler Erinnerungsort. Wer am 27. Januar in dieser Stadt lebt, hat keine Ausrede zu schweigen. Die Topographie des Terrors, das Holocaust-Mahnmal, Gleis 17 – das sind keine Touristen-Attraktionen, sondern offene Wunden, die nicht zuwachsen sollen. Die Generation, die den Holocaust überlebt hat, geht. Was bleibt, ist die Verantwortung der nachfolgenden – und das ist die Aufgabe einer deutschen Erinnerungskultur, die sich nicht in Ritualen erschöpft.
Quellen und weitere Informationen
| Quelle | Inhalt |
|---|---|
| Deutscher Bundestag | Gedenkstunde, Programm, Gastrednerin/Gastredner 2027 |
| Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas | Holocaust-Mahnmal, Ort der Information, Sonderveranstaltungen |
| Topographie des Terrors | Dokumentationszentrum, Programm am 27. Januar |
| Initiative Stolpersteine Berlin | Stolperstein-Standorte, Patenschaften, Putz-Aktionen |
| Bundesregierung – Holocaust-Gedenktag | Hintergrund, Reden, Live-Übertragung |
Häufige Fragen zum Holocaust-Gedenktag 2027
Wann ist der Holocaust-Gedenktag 2027?
Der Holocaust-Gedenktag 2027 fällt auf Mittwoch, 27. Januar 2027. Das Datum ist seit 1996 fixiert und erinnert an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee am 27. Januar 1945. Offiziell heißt der Tag in Deutschland „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“.
Ist der Holocaust-Gedenktag ein Feiertag?
Nein, der Holocaust-Gedenktag ist kein gesetzlicher Feiertag. Geschäfte, Schulen und Behörden arbeiten normal. Es ist ein offizieller Gedenktag – das heißt: Flaggen-Beflaggung der Bundesgebäude auf Halbmast, zentrale Gedenkstunde im Bundestag, Schulen behandeln das Thema im Unterricht, viele Behörden organisieren interne Gedenkveranstaltungen.
Wo gedenkt Berlin am 27. Januar 2027?
Zentrale Berliner Orte sind der Bundestag (Gedenkstunde), das Holocaust-Mahnmal an der Cora-Berliner-Straße, die Topographie des Terrors in der Niederkirchnerstraße, das Gleis 17 am Bahnhof Grunewald und das T4-Mahnmal in der Tiergartenstraße 4. Zusätzlich finden in den Berliner Bezirken Stolperstein-Putzaktionen und Lese-Veranstaltungen statt. Programme ab Anfang Januar 2027 veröffentlicht.
Was bedeutet die #WeRemember-Kampagne?
#WeRemember ist eine internationale Online-Gedenkkampagne des Jüdischen Weltkongresses und der UNESCO. Sie ruft jährlich rund um den 27. Januar dazu auf, sich mit einem Foto und dem Hashtag in den sozialen Medien gegen Antisemitismus und für die Erinnerung an die Holocaust-Opfer zu positionieren. Der Bundestag und der Bundesrat beteiligen sich seit Jahren mit beleuchteten Schriftzügen an ihren Gebäuden.
Wer hält die Rede beim Holocaust-Gedenktag 2027 im Bundestag?
Die Gastrednerin oder der Gastredner für die Gedenkstunde 2027 wird vom Ältestenrat des Deutschen Bundestags festgelegt. Erfahrungsgemäß erfolgt die Bekanntgabe Mitte Dezember 2026. In den Vorjahren waren es Holocaust-Überlebende wie Tova Friedman (2026), Eva Szepesi (2024), Inge Auerbacher (2022) oder Persönlichkeiten aus dem Bereich der Erinnerungsarbeit wie Marcel Reif (2024).
Wie viele Stolpersteine gibt es in Berlin?
Berlin hat mehr als 10.000 Stolpersteine – mehr als jede andere deutsche Stadt. Die Steine wurden vom Künstler Gunter Demnig seit 1996 verlegt und erinnern an die letzten frei gewählten Wohnorte von NS-Opfern. Eine Stolperstein-Patenschaft kostet 132 Euro. Am Holocaust-Gedenktag 2027 werden in vielen Berliner Kiezen Putz-Aktionen organisiert, dazu Biografie-Lesungen vor den jeweiligen Steinen.
Unsere Einordnung
82 Jahre nach Auschwitz ist Erinnerung kein Selbstläufer. Sie muss in jeder Generation neu organisiert werden – durch Schulen, Familien, Stadtgesellschaft. Berlin ist dafür eine ungewöhnliche Stadt: Hier wurde der Holocaust am Schreibtisch geplant (Wannseekonferenz Januar 1942, drei Kilometer Luftlinie von der heutigen Topographie des Terrors entfernt), hier wurden Familien deportiert (Gleis 17), hier ist heute das größte zentrale Mahnmal Europas (Stelenfeld). Drei Schichten an drei Orten, alle in U-Bahn-Distanz. Wer am 27. Januar 2027 nicht zur Bundestagsübertragung sitzt, sollte zumindest einen dieser Orte besuchen – oder vor einem der 10.000 Stolpersteine kniend einen Namen lesen. Es ist eine kleine Geste mit großer Wirkung: die Person, die sich vor dem Stein bückt, gibt der Erinnerung Körper. Mehr braucht es manchmal nicht.
– Ariane Nagel, Kulturredakteurin, BerlinEcho
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ℹ️ Transparenz-Hinweis: Dieser Artikel wurde unter Einsatz von KI-Tools (Claude, Gemini) recherchiert und vorstrukturiert, anschließend redaktionell überarbeitet, mit Berliner Lokalkenntnis ergänzt und faktengeprüft durch die BerlinEcho-Redaktion.





