Die neue Unit Govtech Berlin ist eine zentrale Schnittstelle, die innovative Start-ups mit der Berliner Verwaltung verbindet. Gegründet im April 2026 und in der Senatskanzlei angesiedelt, soll sie konkrete Behördenbedarfe identifizieren, passende Softwarelösungen testen und deren rechtssichere Einführung begleiten. Ziel ist es, die öffentlichen Dienstleistungen für Bürgerinnen und Bürger spürbar zu beschleunigen und zu modernisieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Gründung: Der Berliner Senat hat die „Unit GovTech Berlin“ offiziell am 23. April 2026 gegründet.
- Ziel: Die Einheit soll als Brücke zwischen der Berliner Verwaltung und Technologie-Start-ups fungieren, um die Digitalisierung zu beschleunigen.
- Leitung: Die Initiative wird von Matthias Hundt, Staatssekretär für Digitalisierung und Chief Digital Officer (CDO) des Landes Berlin, geleitet.
- Einordnung: Die Unit ergänzt das Global GovTech Centre (gegründet Januar 2024) und schafft eine operative Umsetzungsebene auf Landesebene.
- Herausforderung: Ein zentraler Fokus liegt auf der Überwindung der Hürden durch das komplexe deutsche Vergaberecht für junge Unternehmen.
Was ist die neue Unit GovTech Berlin und was ist ihr Ziel?
Mit der offiziellen Gründung der „Unit GovTech Berlin“ am 23. April 2026 schafft der Berliner Senat einen neuen, zentralen Akteur im GovTech-Ökosystem der Hauptstadt. Angesiedelt in der Senatskanzlei am Roten Rathaus (10178 Berlin-Mitte), soll diese Einheit als operative Brücke dienen. Sie soll innovative Start-ups mit den oft festgefahrenen Strukturen der Berliner Behörden zusammenbringen, um Verwaltungsprozesse für Bürgerinnen und Bürger spürbar zu beschleunigen.
Die Initiative ist eine Kooperation mit GovTech Deutschland. Ihre Kernaufgabe besteht darin, den Markt gezielt nach Softwarelösungen von Start-ups zu durchsuchen und diese nach erfolgreicher Prüfung direkt in den Berliner Behörden zu implementieren. Damit reagiert die Politik auf die seit langem bestehende Forderung, die Digitalisierung in den Ämtern voranzutreiben.
Welche Rolle spielt die neue Unit im GovTech-Ökosystem Berlins?
Berlin etabliert sich zunehmend als internationales Zentrum für Verwaltungstechnologie. Bereits im Januar 2024 wurde die Gründung eines internationalen GovTech Centres unter Beteiligung des Weltwirtschaftsforums (WEF) besiegelt. Im Februar 2026 trafen sich Branchenvertreter zum Handelsblatt GovTech-Gipfel in Berlin. Die neue Unit GovTech Berlin bildet nun die erste konkrete, operative Schnittstelle auf Landesebene.
Während Gipfel und internationale Zentren vorrangig strategische Netzwerke bilden, geht die neue Einheit einen Schritt weiter: Sie ermittelt konkrete Verwaltungsbedarfe, sucht aktiv nach marktreifen Produkten und bringt die Berliner Ämter in direkte Testformate mit passenden Anbietern. Die Ansiedlung in der Senatskanzlei unterstreicht die Bedeutung der Initiative, da sie zentrale Aufgaben des Berliner Senats bei der ressortübergreifenden Steuerung der Bezirksämter berührt.

Wie genau digitalisiert die Unit GovTech Berlin die Verwaltung?
Die Berliner Verwaltung steht oft in der Kritik, technologische Entwicklungen zu langsam zu adaptieren. Laut der offiziellen Pressemitteilung der Senatskanzlei vom 23. April 2026 soll die neue Einheit genau hier ansetzen. Der Prozess ist klar strukturiert:
- Bedarfsermittlung: Die Unit identifiziert und evaluiert strukturiert, welche konkreten Herausforderungen in den Behörden durch Software gelöst werden können. Oft scheitert die Digitalisierung daran, dass Ämter ihre Probleme nicht in technische Anforderungen übersetzen können.
- Marktscreening und Tests: Im zweiten Schritt durchsucht das Team den Markt nach passenden Lösungen. Diese können von den Bedarfsträgern in sogenannten Testformaten direkt erprobt werden, bevor teure Lizenzen beschafft werden.
- Skalierung unter Vergaberecht: Erweist sich eine Software als tauglich, unterstützt die Unit die Ämter bei der rechtssicheren Beschaffung und der flächendeckenden Einführung der Lösung.
Matthias Hundt, Staatssekretär für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung sowie CDO des Landes Berlin, ordnet die Gründung ein: „Zusammen mit dem Global Government Technology Center (GGTC) und dem GovTech Deutschland vervollständigt die Gründung der Unit GovTech Berlin nun endlich den Dreiklang ‚International – Bund – Land‘ im GovTech-Ökosystem im Land Berlin. Die Unit GovTech Berlin wird uns dabei helfen, die Berliner Verwaltung nachhaltig zu modernisieren.“
Warum ist das Vergaberecht ein Problem und wie hilft GovTech Berlin?
Ein zentrales Problem der Verwaltungsdigitalisierung in Deutschland ist das komplexe Vergaberecht. Junge Technologieunternehmen scheitern häufig an den aufwendigen Ausschreibungsverfahren der öffentlichen Hand. In der Folge gehen Aufträge meist an große, etablierte IT-Konzerne, während innovative Lösungen kleinerer Anbieter ungenutzt bleiben. Die neue Unit soll hier als Übersetzer und Vermittler fungieren.
Ammar Alkassar, Vorstand von GovTech Deutschland, betont in der Pressemitteilung vom 23. April 2026 die Bedeutung dieser Kooperation: „GovTech Berlin bringt innovative Technologien rasch in die Umsetzung und schafft damit die Grundlage für eine moderne Verwaltung. Unsere Partnerschaft mit dem Land Berlin zeigt auf, wie die starken Technologie- und Start-up-Unternehmen im Land mit ihren Lösungen dabei helfen können. Das macht es auch zu einem Vorbild für Deutschland.“
| Initiative / Meilenstein | Zeitpunkt | Fokus / Ziel |
|---|---|---|
| Global GovTech Centre (WEF) | Januar 2024 | Internationale Vernetzung und Strategie |
| Handelsblatt GovTech-Gipfel | Februar 2026 | Diskurs zwischen Politik und Digitalwirtschaft |
| Unit GovTech Berlin | April 2026 | Operative Umsetzung in den Berliner Ämtern |

Welche Ambitionen verfolgt Berlin als GovTech-Standort?
Die Hauptstadt arbeitet intensiv daran, ihr Image in der öffentlichen Verwaltung zu verbessern. Auf dem Handelsblatt GovTech-Gipfel, der am 25. und 26. Februar 2026 stattfand, skizzierte Martina Klement, ebenfalls Staatssekretärin für Digitalisierung, die strategische Stoßrichtung. Laut einem Bericht des Fachportals eGovernment sagte sie dort: „Mit der Ansiedlung des neuen GovTech Centres in Berlin wollen wir unsere Stadt zum Vorreiter bei der Entwicklung und Anwendung digitaler Technologien für die Verwaltung machen.“
Tatsächlich können die Berlinerinnen und Berliner laut Senatsangaben bereits auf über 200 Online-Dienstleistungen zugreifen. Doch das Frontend – also die Benutzeroberfläche, die Bürgerinnen und Bürger sehen – ist nur ein Teil der Lösung. Wenn digitale Anträge im Hintergrund ausgedruckt und manuell bearbeitet werden müssen, geht der Effizienzvorteil verloren. Genau diese internen Backend-Prozesse soll das neue Netzwerk aus der Unit GovTech Berlin und Start-ups nun modernisieren.
🗞 Bleiben Sie politisch immer auf dem Laufenden
Verpassen Sie keine wichtigen Senatsbeschlüsse und Verwaltungs-Updates mehr. Wir analysieren, was im Roten Rathaus wirklich entschieden wird.
→ Alle Politik-News lesen

Häufige Fragen zu Govtech Berlin
Was genau macht die neue Unit Govtech Berlin?
Die Unit Govtech Berlin fungiert als Schnittstelle zwischen der Berliner Verwaltung und Technologie-Start-ups. Sie ermittelt, welche Software-Lösungen die Ämter benötigen, sucht am Markt nach passenden Anbietern und begleitet die Einführung der neuen Systeme unter Einhaltung des Vergaberechts.
Wer leitet die Govtech Berlin Initiative?
Die Gründung wurde maßgeblich von Matthias Hundt vorangetrieben. Er ist Staatssekretär für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung sowie Chief Digital Officer (CDO) des Landes Berlin und kooperiert dabei eng mit GovTech Deutschland.
Wie können Start-ups von Govtech Berlin profitieren?
Wenn Sie ein Technologie-Start-up betreiben, bietet Ihnen die Unit die Möglichkeit, Ihre Softwarelösungen in direkten Testformaten mit Berliner Behörden zu erproben. Die Einheit hilft dabei, die komplexen Hürden des öffentlichen Vergaberechts zu überwinden.
Welche Rolle spielt das Weltwirtschaftsforum (WEF)?
Das WEF hat bereits im Januar 2024 zusammen mit der Bundesregierung das Global GovTech Centre in Berlin initiiert. Die neue Unit Govtech Berlin ergänzt dieses internationale Netzwerk nun um eine konkrete, operative Umsetzungseinheit auf Landesebene.
Warum ist das Vergaberecht für Govtech Berlin so wichtig?
Das strenge deutsche Vergaberecht verhindert oft, dass kleine, agile Start-ups öffentliche Aufträge erhalten. Die Unit hilft den Ämtern dabei, Ausschreibungen so zu gestalten, dass auch junge Unternehmen eine faire Chance haben, ihre Innovationen in die Verwaltung einzubringen.
Fazit
Die Gründung der Unit Govtech Berlin ist ein wichtiger und überfälliger Schritt, um die Lücke zwischen politischen Ankündigungen und der behördlichen Realität zu schließen. Sie adressiert mit dem Vergaberecht eine der größten Hürden für eine schnelle und innovative Verwaltungsmodernisierung. Wenn es der Senatskanzlei gelingt, Start-ups durch diesen neuen Kanal rechtssicher und unbürokratisch in die Ämter zu holen, könnten am Ende alle Berlinerinnen und Berliner von schnelleren Anträgen und effizienteren Prozessen profitieren. Der Erfolg wird davon abhängen, ob aus den Testformaten eine flächendeckende und nachhaltige Implementierung moderner Software in den Behördenalltag folgt. BerlinEcho wird die ersten Pilotprojekte und deren tatsächliche Umsetzung kritisch begleiten.




