BSW Berlin: Mit 4,7 % knapp an der Fünfprozenthürde gescheitert

Inhalt (7 Abschnitte)
Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) hat bei seiner ersten Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 mit 4,7 Prozent der Zweitstimmen den Einzug verpasst. Nach dem amtlichen Endergebnis fehlten rund 4.900 Stimmen zur Fünfprozenthürde. Am stärksten war das BSW in Marzahn-Hellersdorf mit 7,4 Prozent, einen Wahlkreis gewann es nicht.
Update vom 13. Oktober 2026: Alle Zahlen stehen jetzt auf dem amtlichen Endergebnis, das der Landeswahlausschuss am 12. Oktober 2026 festgestellt hat. Das BSW bleibt bei 4,7 Prozent, erhielt aber 86.350 statt 86.041 Zweitstimmen; zur Fünfprozenthürde fehlten damit rund 4.900 statt 5.200 Stimmen. In Marzahn-Hellersdorf kommt es auf 7,4, in Lichtenberg auf 7,0, in Pankow auf 5,0 und in Reinickendorf auf 4,1 Prozent. Das Abgeordnetenhaus hat 153 statt 158 Sitze, die Mehrheit liegt bei 77.
Das BSW Berlin ist bei seiner ersten Abgeordnetenhauswahl knapp an der Fünfprozenthürde gescheitert. Laut amtlichem Endergebnis des Landeswahlleiters vom 12. Oktober 2026 kam das Bündnis Sahra Wagenknecht am auf 4,7 Prozent der Zweitstimmen. Rund 86.000 Berlinerinnen und Berliner wählten die Partei. Für den Einzug fehlten knapp 5.000 Stimmen. Knapp daneben ist auch vorbei: Im neuen Abgeordnetenhaus sitzt kein BSW-Abgeordneter.
Hier liest du, womit das BSW in Berlin angetreten ist, wer es geführt hat, wo es stark war und was das Ergebnis für die Partei bedeutet. Die anderen Parteien findest du in der Rubrik Berlin-Wahl 2026.
Womit ist das BSW in Berlin angetreten?
Das Berliner BSW-Wahlprogramm trägt den Titel «Berlin – Mit uns endlich vernünftig und gerecht» und stellt sieben zentrale Forderungen voran. Die Bundeszentrale für politische Bildung nennt als Schwerpunkte Wohnen, Bildung, Migration, Wirtschaft, Infrastruktur, Frieden und Meinungsfreiheit. Im Programmtext (PDF) stehen unter anderem diese Punkte:
- Frieden: Gegen «Aufrüstung», für ein gutes Verhältnis zu allen europäischen Nachbarn, «auch zu Russland»; das BSW lehnt die Wehrpflicht ab.
- Wohnen: ein neuer Anlauf für einen Mietendeckel per Bundesratsinitiative, Umsetzung des Volksentscheids «Deutsche Wohnen & Co. enteignen» und mindestens 6.000 neue Sozialwohnungen pro Jahr.
- Löhne und Renten: kein Stundenlohn unter 15 Euro, keine Steuern auf Renten bis 2.000 Euro – beides über Bundesratsinitiativen des Senats.
- Bildung: Lesen, Schreiben und Rechnen in den Vordergrund, Smartphones und Tablets raus aus den Grundschulklassen, eine verbindliche Vorschulphase.
- Migration und Sicherheit: «Kontrolle und Begrenzung ohne Diskriminierung und Rassismus», eine Einstellungsoffensive bei Polizei und Feuerwehr.
- Verkehr: Weiterbau der A 100 bis zur Storkower Straße, ein kostenloses Schülerticket in Berlin und Brandenburg.
Dazu fordert das BSW einen Corona-Untersuchungsausschuss im Abgeordnetenhaus. Beim Wohnen lag es damit nah bei Linken und Grünen, die ebenfalls für die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne sind; bei Migration und A 100 eher auf der Gegenseite. Wie sich die Parteien in der Zuwanderungsfrage unterscheiden, zeigt unser Vergleich zur Migrationspolitik vor der Berlin-Wahl.
Wer hat das BSW in Berlin angeführt?
Das BSW Berlin trat mit der Doppelspitze Alexander King und Michael Lüders an. King, 1969 in Tübingen geboren und seit 2001 in Berlin, sitzt seit Dezember 2021 im Abgeordnetenhaus; Ende 2023 verließ er die Linke und baute den Berliner BSW-Verband mit auf (Angaben auf seiner Website). Den Landesverband führt er gemeinsam mit Josephine Thyret. Lüders ist Nahost-Experte und stellvertretender Vorsitzender im Bundesvorstand des BSW.
Der Berliner Landesverband wurde laut bpb im Juli 2024 gegründet und hat rund 1.200 Mitglieder. Bei der Wiederholungswahl 2023 trat die Partei noch nicht an – sie wurde erst im Januar 2024 gegründet. Bei der Bundestagswahl 2025 hatte das BSW bundesweit 4,98 Prozent erreicht und war ebenfalls knapp gescheitert (Berliner Zeitung).
Wo war das BSW in Berlin stark?
Das BSW holte seine besten Ergebnisse im Osten Berlins: 7,4 Prozent der Zweitstimmen in Marzahn-Hellersdorf, 7,0 Prozent in Lichtenberg und 6,2 Prozent in Treptow-Köpenick. Nur in diesen drei Bezirken lag es über fünf Prozent, in den übrigen neun darunter. Am schwächsten war es mit 2,9 Prozent in Steglitz-Zehlendorf.
| Bezirk | Abgeordnetenhaus, Zweitstimmen | BVV-Wahl |
|---|---|---|
| Mitte | 4,3 | 4,0 |
| Friedrichshain-Kreuzberg | 3,8 | 3,3 |
| Pankow | 5,0 | 4,9 |
| Charlottenburg-Wilmersdorf | 3,3 | 3,2 |
| Spandau | 4,7 | 4,2 |
| Steglitz-Zehlendorf | 2,9 | 2,9 |
| Tempelhof-Schöneberg | 3,9 | 3,8 |
| Neukölln | 4,7 | 4,1 |
| Treptow-Köpenick | 6,2 | 5,8 |
| Marzahn-Hellersdorf | 7,4 | 7,1 |
| Lichtenberg | 7,0 | 7,0 |
| Reinickendorf | 4,1 | 3,9 |
| Berlin gesamt | 4,7 | – |
Nach der Summe der Bezirksergebnisse kam das BSW auf 86.350 von 1.825.672 gültigen Zweitstimmen. Fünf Prozent wären rund 91.300 Stimmen gewesen. Die Lücke von etwa 4.900 Stimmen entspricht ungefähr dem BSW-Ergebnis in ganz Spandau (5.011 Stimmen).
Was bedeutet das Scheitern für das BSW?
Das Scheitern an der Fünfprozenthürde bedeutet für das BSW: kein Sitz im neuen Abgeordnetenhaus, keine Fraktion und kein Einfluss auf die Regierungsbildung. Nach dem Berliner Wahlrecht hätte auch ein einziges Direktmandat für den Einzug gereicht (Übersicht bei Wikipedia), doch alle 78 Wahlkreise gingen an Linke, CDU, AfD, Grüne oder SPD. Mit Beginn der neuen Wahlperiode ist das BSW damit nicht mehr im Landesparlament vertreten, in dem bisher Alexander King saß.
Für die Machtverhältnisse war das Ergebnis wichtig: Am Wahlabend hing laut Tagesspiegel-Newsblog an der BSW-Frage die Koalitionsrechnung. Ohne BSW und FDP verteilen sich die 153 Sitze auf fünf Parteien, eine Mehrheit beginnt bei 77. Linke, Grüne und SPD kommen zusammen auf 91 Sitze, CDU, Grüne und SPD auf 79.
In den Bezirken bleibt das BSW präsent: In 11 der 12 Bezirksverordnetenversammlungen lag es über der dort geltenden Dreiprozenthürde. Auch die FDP scheiterte mit 2,5 Prozent; die übrigen kleinen Parteien behandelt unser Artikel zu den Kleinparteien bei der Berlin-Wahl.
Wie es weitergeht
Die Regierungsbildung läuft ohne das BSW. Ein Parteitag der Linken beschloss am 25. September 2026, Grüne und SPD zu Sondierungen einzuladen (ZDFheute). Seit dem 8. Oktober sondieren Linke, Grüne und SPD; bis zum 16. Oktober soll laut Tagesspiegel feststehen, ob Koalitionsverhandlungen folgen. Den Stand verfolgst du im Artikel zur Koalition in Berlin 2026.
Häufige Fragen zum BSW nach der Berlin-Wahl
Ist das BSW im Berliner Abgeordnetenhaus?
Nein. Das BSW erreichte bei der Wahl am 20. September 2026 nach dem amtlichen Endergebnis 4,7 Prozent der Zweitstimmen und gewann keinen Wahlkreis. Ins Abgeordnetenhaus kommt nur, wer mindestens fünf Prozent holt oder einen Wahlkreis direkt gewinnt. Das BSW bekommt deshalb keinen der 153 Sitze. In der zu Ende gehenden Wahlperiode saß mit Landeschef Alexander King ein BSW-Abgeordneter im Parlament, der im Dezember 2021 noch als Linken-Politiker ins Parlament gekommen war.
Wie knapp ist das BSW in Berlin gescheitert?
Nach der Summe der zwölf Bezirksergebnisse erhielt das BSW 86.350 von 1.825.672 gültigen Zweitstimmen. Für fünf Prozent wären rund 91.300 Stimmen nötig gewesen, es fehlten also etwa 4.900. Das entspricht ungefähr der Zahl der BSW-Stimmen im Bezirk Spandau (5.011) oder in Friedrichshain-Kreuzberg (5.027). Alle Zahlen stammen aus dem amtlichen Endergebnis vom 12. Oktober 2026.
Wer waren die Spitzenkandidaten des BSW in Berlin?
Das BSW trat mit einer Doppelspitze an: Alexander King, Landesvorsitzender und seit Dezember 2021 Mitglied des Abgeordnetenhauses, und Michael Lüders, Nahost-Experte und stellvertretender Vorsitzender im Bundesvorstand des BSW. King verließ Ende 2023 die Linke und baute den Berliner BSW-Landesverband mit auf, den er gemeinsam mit Josephine Thyret führt. Der Landesverband wurde im Juli 2024 gegründet.
In welchen Bezirksparlamenten ist das BSW vertreten?
Für die Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen gilt eine Dreiprozenthürde. Das BSW lag nach dem amtlichen Endergebnis in 11 der 12 Bezirke darüber, am deutlichsten in Marzahn-Hellersdorf (7,1 Prozent), Lichtenberg (7,0 Prozent) und Treptow-Köpenick (5,8 Prozent). Nur in Steglitz-Zehlendorf blieb es mit 2,9 Prozent darunter. Laut Landeswahlleiter hat es dort zusammen 26 Sitze, je vier in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg.
Quellen
- Landeswahlleiter für Berlin, amtliches Endergebnis vom 12. Oktober 2026 (abgerufen am 13.10.2026)
- Landeswahlleiter für Berlin, BVV-Wahl Marzahn-Hellersdorf, amtliches Endergebnis (abgerufen am 13.10.2026)
- BSW Berlin: «Berlin – Mit uns endlich vernünftig und gerecht», Wahlprogramm zur AGH-Wahl 2026 (PDF) (abgerufen am 29.09.2026)
- bpb: Bündnis Sahra Wagenknecht – Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2026 (abgerufen am 29.09.2026)
- Alexander King: Berlin-Wahl 2026 – Spitzenkandidaten (abgerufen am 29.09.2026)
- Berliner Zeitung: BSW bei 4,7 Prozent (21.09.2026) (abgerufen am 29.09.2026)
- Tagesspiegel: Newsblog zur Berlin-Wahl (abgerufen am 29.09.2026)
- Wikipedia: Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin 2026 (Wahlrecht) (abgerufen am 29.09.2026)
- wahlrecht.de: Ergebnisse der Abgeordnetenhauswahlen in Berlin (Sitzverteilung) (abgerufen am 29.09.2026)
- ZDFheute: Linke lädt Grüne und SPD zu Sondierungen ein (abgerufen am 29.09.2026)
- Tagesspiegel/dpa: Berliner Linke, Grüne und SPD sprechen ab Donnerstag (28.09.2026) (abgerufen am 29.09.2026)
- zdfheute: Vorgespräch von Linken, Grünen und SPD ohne Ergebnis (01.10.2026) (abgerufen am 02.10.2026)
- Landeswahlleiter für Berlin: Landeswahlausschuss hat endgültiges Ergebnis festgestellt (12.10.2026) (abgerufen am 13.10.2026)
- Tagesspiegel: Liveblog zu den Sondierungen von Linke, Grünen und SPD (Stand 12.10.2026, abgerufen am 13.10.2026)
Maik Möhring
Verantwortlicher & Chefredakteur
Moin, ich bin Maik – Gründer von BerlinEcho und verantwortlicher Redakteur. Ich baue seit Jahren digitale Medien auf, die ich wirklich für notwendig halte: unabhängig, ohne Konzernlogik im Rücken, mit echten Menschen dahinter. Berlin fasziniert mich als Stadt …
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