Dass die Berliner Straßenbahn langsamer wird, ist ein strukturelles Problem mit spürbaren Folgen für Fahrgäste. Die Durchschnittsgeschwindigkeit im Netz ist auf 17,3 km/h gesunken. Hauptursachen sind 32 Langsamfahrstellen wegen maroder Gleise sowie abgeschaltete Ampel-Vorrangschaltungen, die zu massiven Wartezeiten und hohen Betriebskosten für die BVG führen.
Das Wichtigste in Kürze
- Durchschnittstempo gesunken: Die mittlere Geschwindigkeit im gesamten Berliner Tram-Netz ist auf nur noch 17,3 km/h gefallen.
- 16 Linien betroffen: Seit dem Jahr 2020 sind 16 von insgesamt 22 Straßenbahnlinien messbar langsamer geworden.
- Langsamste Linie M10: Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 14,7 km/h bleibt die Linie M10 das Schlusslicht im Netz der BVG.
- Massive Wartezeiten: Allein an der Kreuzung am SEZ Friedrichshain verlieren die Bahnen durch Ampelstaus täglich eine kumulierte Zeit von 39 Stunden.
- Sanierungsstau: Zwischen 2023 und 2025 wurden nur 25 km Gleise erneuert, obwohl zur Instandhaltung 36 km notwendig gewesen wären.
Welche Tram-Linien in Berlin sind besonders betroffen?
Die offiziellen Senatsdaten zeichnen ein klares Bild: Dass die Berliner Straßenbahn langsamer geworden ist, betrifft die Mehrheit der Fahrgäste. Auf 14 Linien sank das Durchschnittstempo allein im Vergleich zum Vorjahr 2024. Im längerfristigen Vergleich seit 2020 sind sogar 16 der 22 Linien betroffen. Lediglich sechs Linien konnten geringfügig beschleunigt werden, während bei zwei Linien die Geschwindigkeit konstant blieb.
Besonders drastisch zeigt sich der Geschwindigkeitsverlust auf den Außenstrecken. Auf der Linie 60 fiel das Tempo von 19,1 auf 17,9 km/h. Die Linie 68 verlor im selben Zeitraum sogar zwei volle Stundenkilometer und sank von 21,3 auf 19,3 km/h. Diese sinkende Reisegeschwindigkeit führt im Alltag unweigerlich zu Folgeproblemen, die sich in den BVG Störungen heute – Live-Status U-Bahn, S-Bahn & Tram Berlin niederschlagen, wenn Anschlüsse verpasst werden und sich Verspätungen im Netz aufschaukeln.
Die Zahlen stammen aus einer offiziellen Anfrage des Abgeordneten Kristian Ronneburg (Linke) an die Berliner Verkehrsverwaltung, die der Berliner Zeitung exklusiv vorliegen. Ronneburgs Fazit fällt ernüchternd aus: „Auch bei der Straßenbahn müssen wir feststellen, dass echte Erfolgsmeldungen bei der Beschleunigung des Berliner Nahverkehrs ausbleiben.“

Welche Infrastrukturprobleme bremsen die Straßenbahn aus?
Dass die Berliner Straßenbahn langsamer durch die Stadt rollt, hat primär infrastrukturelle Gründe. Ein zentrales Problem sind die Ampelschaltungen. An vielen Berliner Kreuzungen sind die Vorrangschaltungen für die Tram ausgeschaltet. Die Verkehrsverwaltung begründet dies mit laufenden Bauarbeiten, Lieferengpässen bei der Technik oder schlichtweg knappen Planungskapazitäten in den Behörden.
Ein extremes Beispiel ist die große Kreuzung am SEZ Friedrichshain (Landsberger Allee Ecke Petersburger Straße, 10249 Berlin). Hier stehen die Straßenbahnen laut BVG-Daten täglich insgesamt 39 Stunden fest – reine Wartezeit an roten Ampeln, die sich über alle vorbeifahrenden Züge summiert. Der dichte Individualverkehr verschärft das Problem zusätzlich, da sich Rückstaus oft bis auf die Gleisbereiche ausdehnen.
Hinzu kommt der schlechte Zustand des Schienennetzes. Aktuell gibt es 32 Stellen im Berliner Tram-Netz, an denen die Züge aus Sicherheitsgründen auf bis zu 10 km/h abbremsen müssen. Diese Langsamfahrstellen bestehen laut offiziellen Angaben mindestens seit einem halben Jahr, da die nötigen Reparaturkapazitäten fehlen.
| Tram-Linie | Tempo 2020 | Tempo Aktuell | Differenz |
|---|---|---|---|
| Linie M10 | 15,0 km/h | 14,7 km/h | -0,3 km/h |
| Linie 60 | 19,1 km/h | 17,9 km/h | -1,2 km/h |
| Linie 68 | 21,3 km/h | 19,3 km/h | -2,0 km/h |
Welche wirtschaftlichen Folgen hat die Verlangsamung für die BVG?
Dass die Berliner Straßenbahn langsamer betrieben wird, ist nicht nur ein Ärgernis für Fahrgäste, sondern ein massiver wirtschaftlicher Schaden für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Um trotz der gesunkenen Geschwindigkeiten den regulären Taktfahrplan aufrechtzuerhalten, muss das landeseigene Unternehmen erheblich investieren.
Allein auf der langsamsten Linie, der M10 (14,7 km/h), müssen täglich zwei zusätzliche Züge sowie sechs zusätzliche Fahrer eingesetzt werden, nur um die entstandenen Zeitverluste im Fahrplan auszugleichen. Dieser Mehraufwand kostet Millionenbeträge, die an anderer Stelle im ohnehin angespannten Verkehrshaushalt fehlen. Während Großprojekte wie der Waisentunnel Berlin Neubau: BVG startet 80-Millionen-Projekt hohe Investitionen binden, staut sich bei der Straßenbahn der Sanierungsbedarf auf.
Um das Netz intakt zu halten, müssten in Berlin jährlich zwölf Kilometer Straßenbahngleise erneuert werden. In den drei Jahren zwischen 2023 und 2025 wurden jedoch insgesamt nur knapp 25 Kilometer erneuert – rechnerisch hätten es 36 Kilometer sein müssen. „Die Tram-Beschleunigung kommt nicht voran“, kritisiert auch die Abgeordnete Oda Hassepaß. Als Konsequenz aus den finanziellen und planerischen Engpässen hat der Senat bereits angekündigt, dass mehrere geplante Streckenverlängerungen, die eigentlich bis 2030 fertiggestellt sein sollten, erst in den 2030er Jahren realisiert werden.

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Häufige Fragen zu Berliner Straßenbahn langsamer
Warum wird die Berliner Straßenbahn langsamer?
Dass die Berliner Straßenbahn langsamer wird, liegt primär an abgeschalteten Ampel-Vorrangschaltungen, vollen Straßen und einer maroden Infrastruktur. Aktuell gibt es 32 Stellen im Netz, an denen die Züge wegen schlechter Gleise auf 10 km/h abbremsen müssen.
Welche Berliner Tram-Linie ist die langsamste?
Die langsamste Linie im Netz der BVG ist die M10. Hier sank die Durchschnittsgeschwindigkeit von 15,0 km/h auf nur noch 14,7 km/h. Um den Takt zu halten, muss die BVG auf dieser Linie täglich zwei zusätzliche Züge einsetzen.
Wo stehen Straßenbahnen in Berlin am längsten an Ampeln?
Ein extremer Schwerpunkt ist die Kreuzung am SEZ Friedrichshain (Landsberger Allee/Petersburger Straße). Dort summieren sich die Wartezeiten durch rote Ampelphasen für alle vorbeifahrenden Straßenbahnen auf täglich 39 Stunden.
Wie viele Gleise erneuert die BVG pro Jahr?
Um das Netz instand zu halten, müssten jährlich zwölf Kilometer Gleise erneuert werden. Zwischen 2023 und 2025 wurden jedoch insgesamt nur knapp 25 Kilometer saniert, was zu einem erheblichen Sanierungsstau im Netz führt.
Wann werden neue Straßenbahnstrecken in Berlin gebaut?
Aufgrund von Planungsengpässen und fehlenden Finanzen hat der Berliner Senat angekündigt, dass mehrere Streckenverlängerungen, die bis 2030 fertig sein sollten, erst in den 2030er Jahren realisiert werden können.

Fazit
Die aktuellen Daten belegen unmissverständlich: Dass die Berliner Straßenbahn langsamer wird, ist kein subjektives Empfinden, sondern das Ergebnis struktureller Defizite in der Verkehrspolitik. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von nur noch 17,3 km/h und massiven, hausgemachten Verspätungen verliert der öffentliche Nahverkehr an Attraktivität. Ohne eine konsequente Umsetzung von Ampel-Vorrangschaltungen und eine deutliche Erhöhung der Investitionen in die Gleissanierung droht die Verkehrswende in der Hauptstadt zu scheitern. Gleichzeitig muss die BVG weiterhin Millionenbeträge für ineffiziente Kompensationsmaßnahmen aufwenden, die an anderer Stelle dringend benötigt würden.




