Der Rückzug von Ryanair BER zum Oktober 2026 bedeutet die Schließung der Basis und eine Halbierung des Flugangebots. Die Airline zieht alle sieben stationierten Flugzeuge ab und begründet den Schritt mit hohen Standortkosten in Deutschland, insbesondere der Luftverkehrssteuer. Für Passagiere aus Berlin führt dies zu weniger Verbindungen und voraussichtlich steigenden Ticketpreisen auf vielen innereuropäischen Strecken.
Das Wichtigste in Kürze
- Datum der Basisschließung: Die Ryanair-Basis am Flughafen BER wird zum 24. Oktober 2026 geschlossen.
- Abzug der Flotte: Alle sieben bisher in Berlin-Schönefeld (12529) stationierten Flugzeuge werden abgezogen.
- Reduziertes Passagieraufkommen: Das jährliche Passagiervolumen der Airline am BER sinkt bis 2027 von 4,5 Millionen auf 2,2 Millionen.
- Neue Standorte: Die Flugzeuge werden an kostengünstigere Standorte in Italien, Schweden, Albanien und der Slowakei verlegt.
- Kritik der Gewerkschaft: Die Gewerkschaft Verdi bezeichnet die Entscheidung als „rein profitorientiert“ und kritisiert den Umgang mit den Beschäftigten.
Was bedeutet der Rückzug von Ryanair vom BER?
Die Schließung der Ryanair-Basis reißt ab Herbst 2026 ein erhebliches Loch in den Flugplan des Flughafens Berlin Brandenburg. Konkret bedeutet dies, dass keine Maschinen und Crews der irischen Fluggesellschaft mehr dauerhaft in Schönefeld stationiert sein werden. Dieser Schritt ist ein deutliches Signal an die regionale Infrastruktur und wird die Ticketpreise für Urlaubs- und Geschäftsreisende aus der Hauptstadtregion spürbar beeinflussen. Die Entscheidung markiert einen Wendepunkt im Ringen um Standortkosten am Hauptstadtflughafen.
Warum schließt Ryanair seine Basis am Flughafen BER?
Die harte Kritik einer großen Fluggesellschaft wie Ryanair am Standort BER verdeutlicht die angespannte Lage im deutschen Luftverkehrsmarkt. In einer offiziellen Mitteilung nannte das Unternehmen den Flughafen den „am schlechtesten performenden Flughafen Europas“. Hauptverantwortlich für den drastischen Schritt macht der Konzern die hohen staatlichen Abgaben und die Flughafengebühren.
Die sieben Maschinen sollen künftig an Flughäfen in Schweden, der Slowakei, Albanien und Italien stationiert werden. An diesen Standorten seien die staatlichen Abgaben deutlich geringer oder wurden gänzlich abgeschafft. Die Entscheidung, die Basis am BER aufzugeben, ist somit eine rein rechnerische Maßnahme zur Profitmaximierung des Unternehmens.

Wie reagieren Flughafen und Gewerkschaft auf die Vorwürfe?
Die Vorwürfe des irischen Konzerns blieben nicht unwidersprochen. Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) wies die Behauptung einer bevorstehenden Kostenexplosion entschieden zurück. Laut einem Bericht des Tagesspiegels erklärte ein FBB-Sprecher, dass „eine derartige Erhöhung der Flughafenentgelte nicht vorgesehen“ sei. Man sei von der Ankündigung überrascht worden, da sich beide Seiten noch in Verhandlungen befänden.
Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi fand deutliche Worte. Dennis Dacke, Bundesfachgruppenleiter Luftverkehr, kritisierte den Abzug scharf. Er bemängelte, dass die Beschäftigten wie eine „beliebige Verfügungsmasse“ behandelt würden, während das Unternehmen seine Entscheidungen ausschließlich an kurzfristigen Renditeinteressen ausrichte. Der Fall Ryanair BER zeigt exemplarisch, wie der Preiskampf im Luftverkehr auf dem Rücken des Personals ausgetragen wird.
| Kennzahl am BER | Status Quo (Sommer 2026) | Prognose (ab 2027) |
|---|---|---|
| Stationierte Flugzeuge | 7 Maschinen | 0 Maschinen (Basis geschlossen) |
| Passagiervolumen | ca. 4,5 Millionen | ca. 2,2 Millionen |
| Flugziele (Auswahl) | Über 30 Ziele in 12 Ländern | Reduktion um 50 % |
Welche Folgen hat der Ryanair-Rückzug für Passagiere?
Der Rückzug von Ryanair BER hinterlässt eine spürbare Lücke im Flugplan. Zwar bleibt Berlin im Streckennetz der Iren, da weiterhin Maschinen aus anderen europäischen Basen die Hauptstadt anfliegen werden, doch die Frequenz sinkt drastisch. Im Sommerflugplan 2026 bediente die Airline noch über 30 Ziele in zwölf Ländern, darunter stark nachgefragte Routen nach Italien, Spanien, Portugal und Griechenland.
Für Reisende bedeutet dies weniger Konkurrenz und somit absehbar höhere Ticketpreise. Andere Anbieter wie easyJet, Eurowings, Wizzair oder die Lufthansa-Gruppe werden voraussichtlich versuchen, die freiwerdenden, lukrativen Routen zu übernehmen. Dennoch bleibt ein Kapazitätsverlust. Reisende, die auf den Zug ausweichen möchten, finden auf internationalen Strecken wie der ICE-Verbindung Paris-Berlin zunehmend Alternativen, die den innereuropäischen Flugverkehr entlasten können.


Häufige Fragen zu Ryanair BER
Warum zieht sich Ryanair als Standortbetreiber vom BER zurück?
Das Unternehmen begründet den Abzug mit den hohen Kosten am Standort Deutschland. Konkret werden die staatliche Luftverkehrssteuer sowie angeblich geplante Gebührenerhöhungen am Hauptstadtflughafen kritisiert, die einen wirtschaftlichen Betrieb der Basis aus Sicht der Airline unmöglich machen.
Wann genau schließt die Basis in Schönefeld?
Die Schließung der Basis und der Abzug der sieben stationierten Flugzeuge sind für den 24. Oktober 2026 angesetzt. Ab diesem Datum greift der ausgedünnte Winterflugplan, der das Passagiervolumen der Airline in Berlin halbiert.
Welche Ziele werden künftig gestrichen?
Eine detaillierte Streichliste liegt noch nicht vor. Bekannt ist jedoch, dass das Angebot um 50 Prozent reduziert wird. Betroffen sind voraussichtlich Verbindungen nach Südeuropa (Spanien, Italien, Griechenland), die bisher von den in Berlin stationierten Maschinen bedient wurden.
Was sagt der Flughafen zu den Vorwürfen?
Die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) weist die Vorwürfe einer geplanten Kostenexplosion zurück. Ein Sprecher betonte, dass eine Erhöhung der Entgelte um zehn Prozent von 2027 bis 2029 nicht vorgesehen sei und man von der Ankündigung überrascht wurde.
Steigen jetzt die Ticketpreise für Flüge ab Berlin?
Durch den Wegfall von Ryanair BER-Kapazitäten sinkt das Angebot bei gleichbleibender Nachfrage. Dies führt in der Regel zu steigenden Ticketpreisen, da Konkurrenten wie easyJet oder Eurowings die Lücken füllen und den geringeren Wettbewerbsdruck für Preisanpassungen nutzen können.
Fazit
Der Rückzug von Ryanair und die Schließung der Basis am BER sind ein herber Verlust für die Anbindung der Hauptstadtregion. Die Entscheidung, die auf hohe Steuern und einen Gebührenstreit zurückgeführt wird, hat direkte Konsequenzen für Reisende: Das Flugangebot wird spürbar verknappt und die Preise dürften auf vielen Strecken steigen. Für den Flughafen Berlin-Brandenburg entsteht die dringende Aufgabe, die entstandenen Kapazitätslücken schnellstmöglich zu schließen. Dies erfordert intensive Verhandlungen mit anderen Fluggesellschaften, um sicherzustellen, dass Berlin als internationaler Verkehrsknotenpunkt attraktiv bleibt und die Passagiere weiterhin von einem vielfältigen und wettbewerbsfähigen Angebot profitieren können.




