Beim Lufthansa Jubiläum Berlin am Ostermontag, dem 6. April 2026, verschmelzen historische Nostalgie und harte wirtschaftliche Realitäten. Während am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) zwei Sonderflieger zum feierlichen Parallelstart ansetzen, kämpft der MDax-Konzern hinter den Kulissen mit einem Gewinneinbruch und einem strikten Sanierungskurs. Wir haben uns die Jubiläumszahlen, den historischen Kontext und die aktuelle Konzernbilanz genauer angesehen.
📋 Das Wichtigste in Kürze
- Parallelstart am BER: Eine Boeing 787 (LH1926) und ein Airbus A350 (LH2026) hoben am 6. April 2026 gegen 15:00 Uhr zeitgleich ab.
- Ticketpreise: Die Jubiläumsflüge nach Zürich und Köln kosteten ab 299 € (Economy) und 399 € (Business) – innerhalb weniger Tage ausverkauft.
- Wirtschaftsdaten: Konzernumsatz 2025: 39,6 Milliarden Euro. Gewinn sank jedoch um 1,3 Milliarden Euro gegenüber 2024.
- Sanierungskurs: Bei der Kernmarke Lufthansa läuft ein Stellenabbauprogramm für rund 4.000 Arbeitsplätze.
- Feld-Logo: Ein 48 Hektar großes „100 Jahre“-Signet ziert ein Rapsfeld an der A113 bei Schönefeld – sichtbar bis 30. September 2026.
✈️ Der Parallelstart am BER: Ein logistisches Ausrufezeichen
Das Lufthansa Jubiläum Berlin fokussierte sich am Ostermontag auf ein seltenes aviatisches Manöver. Genau 100 Jahre nach dem ersten Linienflug der ersten „Luft Hansa“ inszenierte der Konzern am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) einen Parallelstart. Eine Boeing 787-9 (Flugnummer LH1926) mit Ziel Zürich und ein Airbus A350-900 (LH2026) in Richtung Köln hoben gegen 15:00 Uhr zeitgleich ab. Beide Maschinen trugen eine blaue Sonderlackierung mit einem weißen XXL-Kranich.
Wie aus dem Lufthansa Group Newsroom hervorgeht, waren an Bord der beiden Langstreckenflugzeuge über 400 Passagiere – vorwiegend Mitarbeitende, Influencer und Journalisten, die zuvor aus Frankfurt und München eingeflogen wurden. Am Boden feierten rund 600 geladene Gäste bei einem Festakt ab 11:30 Uhr.
Wer am Boden blieb, konnte beim Anflug auf Schönefeld ein 48 Hektar großes Rapsfeld direkt an der Autobahn A113 betrachten – in das ein gigantisches „100 Jahre Lufthansa“-Logo als Cut-out gefräst wurde.
💡 Tipp: Das Feld-Logo an der A113 bei Schönefeld ist noch bis zum 30. September 2026 sichtbar – am besten beim Landeanflug auf die Südbahn des BER.
| Merkmal | Unternehmensdaten (Stand 2026) |
|---|---|
| Name | Deutsche Lufthansa AG |
| Gründung (historisch) | 6. April 1926, Berlin-Tempelhof |
| Neugründung | 1. April 1955 |
| CEO | Carsten Spohr |
| Umsatz (2025) | 39,6 Milliarden Euro |
| Stellenabbau | Rund 4.000 Stellen (Kernmarke) |
Quelle: Lufthansa Group Newsroom, April 2026

🏛 Tempelhof 1926: Ehrlicher Umgang mit der NS-Vergangenheit
Am 6. April 1926 startete auf dem Tempelhofer Feld eine Fokker-Grulich F II nach Zürich – mit Zwischenlandungen in Halle, Erfurt und Stuttgart – sowie eine Dornier Komet III nach Köln. Die damalige Luft Hansa entstand auf Druck der Reichsregierung aus dem Zusammenschluss von Aero Lloyd und Junkers Luftverkehr.
Auffällig beim diesjährigen Jubiläum ist die historische Transparenz. Laut einem Bericht des Handelsblatts (April 2026) verschweigt das Unternehmen seine dunklen Kapitel nicht mehr. Der Historiker Manfred Grieger, der die Unternehmensgeschichte neu aufarbeitete, stellt klar: Die erste Lufthansa war ein Unternehmen des Nationalsozialismus – Teil der verdeckten Wiederaufrüstung gegen den Versailler Vertrag, das über 10.000 Zwangsarbeiter in der Rüstungsproduktion und Flugzeugwartung ausbeutete.
Mit der heutigen Deutschen Lufthansa AG, die am 1. April 1955 neu startete, gibt es zwar keine rechtliche, aber eine markentechnische Kontinuität – das Kranich-Symbol verbindet beide Gesellschaften bis heute.
| Zeitraum | Ereignis | Historische Einordnung |
|---|---|---|
| April 1926 | Gründung Luft Hansa | Erstflüge ab Berlin-Tempelhof nach Zürich und Köln |
| 1933–1945 | NS-Zeit & 2. Weltkrieg | Einsatz von über 10.000 Zwangsarbeitern; Untergang der ersten Gesellschaft |
| April 1955 | Neugründung | Start der heutigen Deutschen Lufthansa AG |
| 1997 | Privatisierung | Vollständiger Übergang in die Privatwirtschaft |
| April 2026 | 100-Jahre-Jubiläum | Parallelstart am BER; Konzernumsatz 39,6 Mrd. € |
Quellen: Handelsblatt April 2026, Lufthansa Group
📊 Zwischen Rekordumsatz und Sanierungsdruck
Die Feierlichkeiten verdecken die angespannte wirtschaftliche Lage des Konzerns. Obwohl die Lufthansa Group ihren Umsatz 2025 um rund fünf Prozent auf 39,6 Milliarden Euro steigern konnte, sank der Jahresgewinn um 1,3 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Die Rückkehr in den Dax hat der Konzern vorerst verpasst.
Steigende Treibstoffkosten belasten die Bilanzen europäischer Airlines strukturell – ein Problem, das auch die Kerosin-Knappheit in Europa in diesem Jahr weiter verschärft. Die Konsequenz für die Kernmarke: ein striktes Sanierungsprogramm mit dem Abbau von rund 4.000 Stellen. Dieser Abbau trifft auch den Standort Deutschland – eine Entwicklung, die sich in die angespannte Lage am Berliner Arbeitsmarkt einfügt, wie unsere Analyse zur Arbeitslosigkeit Berlin zeigt.

Für Berliner Beschäftigte und Pendler am BER ist die Frage relevant, wie der Konzernsanierungskurs die Verbindungen ab Berlin langfristig beeinflusst. Bisher hat Lufthansa keine Streichung von BER-Routen angekündigt – die Verkehrs-Entwicklungen in Berlin beobachten wir weiter für euch.
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❓ Häufige Fragen zum Lufthansa Jubiläum Berlin
🏁 Fazit: Glänzende Flieger, trübe Bilanzen
Das Lufthansa Jubiläum Berlin ist ein eindrucksvoller historischer Meilenstein – 100 Jahre nach dem ersten Linienflug vom Tempelhofer Feld hebt der Konzern am BER zu einem symbolträchtigen Parallelstart ab. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Der Gewinneinbruch von 1,3 Milliarden Euro und der Abbau von 4.000 Stellen zeigen, dass der Jubiläumsglanz nicht darüber hinwegtäuschen kann, wie stark der Konzern unter Druck steht.
Für Beschäftigte, Anleger und Berliner Fluggäste stehen damit trotz aller Festlichkeiten harte Monate bevor. Die Frage, ob Lufthansa seinen deutschen Heimatstandort bei der Sanierung schützen kann, wird die Wirtschaftsberichterstattung in den kommenden Monaten prägen.
📊 Über den Autor: Hannes Nagel – Redakteur Wirtschaft & Verkehr
Hannes schreibt bei BerlinEcho über Wirtschaft und Verkehr. Beim Jubiläum der Lufthansa interessiert ihn weniger die Nostalgie als die Frage: Wer trägt die Kosten des Sanierungskurses – und was bedeutet das für den Arbeitsstandort Deutschland?
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