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Berlin

Pflicht zur Kartenzahlung: Was ab 2027 in Berlin gelten soll

Noch darf jeder Berliner Späti «Nur Barzahlung» verlangen. Finanzminister Klingbeil will ab frühestens 2027 eine digitale Bezahlmöglichkeit vorschreiben. Was heute gilt, was geplant ist und welche Rolle Berlin spielt.

Hannes Nagel Veröffentlicht · aktualisiert
Eine Hand hält eine Bezahlkarte an ein Lesegerät auf einem Holztresen neben einem Glas voller Münzen.
Die Bundesregierung plant ab 2027 eine Pflicht zur digitalen Bezahloption in Handel und Gastronomie. (KI-generiertes Symbolbild)
Inhalt (8 Abschnitte)
  1. Ist Kartenzahlung in Deutschland heute Pflicht?
  2. Was plant das Bundesfinanzministerium?
  3. Ab wann soll die Kartenpflicht gelten?
  4. Was hat Berlin mit der Pflicht zur Kartenzahlung zu tun?
  5. Was sagen Gastronomie und Handel?
  6. Wie oft wird in Deutschland schon digital bezahlt?
  7. Häufige Fragen zur Kartenzahlung
  8. Quellen

Eine Pflicht zur Kartenzahlung gibt es in Deutschland und Berlin Anfang Oktober 2026 nicht. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat am 11. September 2026 Eckpunkte vorgelegt: Handel, Gastronomie und Dienstleister sollen neben Bargeld mindestens eine digitale Bezahlart anbieten. Gelten soll das frühestens 2027, Kabinett, Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen.

Das Schild «Nur Barzahlung» am Späti-Tresen ist in Berlin weiterhin erlaubt. Kein Geschäft muss heute Karte oder Handy akzeptieren. Das Bundesfinanzministerium will das ändern: Nach einem Eckpunktepapier, über das ZDFheute am berichtete, sollen Unternehmen überall dort, wo vor Ort bezahlt wird, zusätzlich eine digitale Bezahlmöglichkeit anbieten. Ein Gesetzentwurf soll noch 2026 ins Kabinett, die Regeln sollen ab 2027 gelten. Ein Startdatum steht nirgends fest.

Update vom 2. Oktober 2026: Der Artikel ist neu geschrieben. Neu sind die Eckpunkte von Finanzminister Klingbeil vom 11. September 2026 (Start frühestens 2027, keine Umsatzgrenze, Ausnahmen für Vereine), der Antrag der Berliner Koalitionsfraktionen für eine Bundesratsinitiative (Drucksache 19/3197) und die Bundesbank-Zahlen für 2025. Korrektur: Die frühere Fassung nannte einen Start «ab 2026» und Gerätekosten ohne Beleg; beides ist gestrichen.

Ist Kartenzahlung in Deutschland heute Pflicht?

Kartenzahlung ist in Deutschland am 2. Oktober 2026 keine Pflicht. Euro-Scheine und -Münzen sind gesetzliches Zahlungsmittel, daraus ergibt sich eine Pflicht, Bargeld anzunehmen – Kartenzahlung müssen Läden dagegen nicht akzeptieren, so ZDFheute. Ob ein Café im Gegenzug nur Karte nehmen darf, ist weniger eindeutig: Nach der Berliner Zeitung ist das zulässig, wenn vorher deutlich darauf hingewiesen wird, etwa per Schild an der Tür.

Klar geregelt ist der Aufschlag: Seit 2018 dürfen Händler für Zahlungen mit Girocard oder gängigen Verbraucher-Kreditkarten kein Extra-Entgelt verlangen (§ 270a BGB). Einen gesetzlichen Mindestbetrag für Kartenzahlung gibt es nicht. Manche Geschäfte verlangen einen Mindesteinkauf, ab dem sie Karte akzeptieren – das ist erlaubt, solange keine Pflicht besteht.

Was plant das Bundesfinanzministerium?

Das Bundesfinanzministerium unter Lars Klingbeil (SPD) plant eine Annahmepflicht für mindestens eine digitale Bezahlart in Handel, Gastronomie und Dienstleistung. Welches Verfahren ein Betrieb anbietet – Girocard, Kreditkarte, Smartphone –, soll er selbst entscheiden. Umsatzgrenzen soll es nach den Eckpunkten nicht geben; der Kaffee soll sich genauso bargeldlos bezahlen lassen wie der Friseurbesuch. Bargeld bleibt ausdrücklich möglich.

Pläne für eine Pflicht zur Kartenzahlung, Stand 2. Oktober 2026
Punkt Stand laut Eckpunkten
Wer muss anbieten? Unternehmen in Handel, Gastronomie und Dienstleistung, wo vor Ort bezahlt wird
Was genau? mindestens eine digitale Bezahlmöglichkeit zusätzlich zum Bargeld, Verfahren frei wählbar
Ausnahmen nichtkommerzielle Organisationen wie Amateursportvereine und Wohltätigkeitsverbände; Härtefälle werden geprüft
Umsatzgrenze keine
Start frühestens 2027, kein festes Datum
Verfahren Gesetzentwurf soll 2026 ins Kabinett; danach Bundestag und Bundesrat

Quellen der Tabelle: ZDFheute vom 11. September 2026, Berliner Zeitung vom 25. September 2026.

Begründet wird der Plan mit Wahlfreiheit für Kundinnen und Kunden und mit der Bekämpfung von Steuerhinterziehung, Geldwäsche und anderer Finanzkriminalität, weil digitale Zahlungen dokumentiert werden. Offen ist laut Berliner Zeitung, ob Mindestbeträge für Kartenzahlung künftig verboten werden und ob reine Kartenläden ausdrücklich unzulässig würden.

Ab wann soll die Kartenpflicht gelten?

Die Kartenpflicht soll nach den Plänen des Finanzministeriums frühestens 2027 gelten. Ein Stichtag wie «ab Juli» oder «ab 1. Januar» ist nicht beschlossen und nicht veröffentlicht. Die Eckpunkte werden nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur mit den anderen Ministerien abgestimmt; ob es Übergangsfristen gibt, prüft das Ministerium noch.

Was hat Berlin mit der Pflicht zur Kartenzahlung zu tun?

Berlin hat auf Landesebene Druck gemacht. Die Fraktionen von CDU und SPD im Abgeordnetenhaus beantragten am mit der Drucksache 19/3197, dass der Senat eine Bundesratsinitiative für eine Annahmepflicht digitaler Zahlungsmittel startet – per Ergänzung des Bürgerlichen Gesetzbuchs oder der Gewerbeordnung. Ausnahmen sollten gelten, wenn die Technik dauerhaft fehlt, für unbemannte Verkaufsstellen und für Härtefälle bei Kleinstunternehmen. Die Stellung des Bargelds als gesetzliches Zahlungsmittel sollte ausdrücklich unberührt bleiben.

Hintergrund sind Zahlen der Senatsfinanzverwaltung: In Berlin gibt es 80.300 sogenannte Bargeldbetriebe, 2024 gab es nur bei 1,2 Prozent davon eine Kassen-Nachschau des Finanzamts, wie der Tagesspiegel am berichtete. Bundesweit hatte der Bundesrat bereits im Oktober 2025 in einer Stellungnahme an die Bundesregierung eine verpflichtende digitale Zahloption für Geschäfte des Alltags gefordert (Berliner Zeitung).

Seit der Abgeordnetenhauswahl vom 20. September 2026 laufen in Berlin Gespräche über eine neue Koalition (Überblick: Mehrheiten und Sondierungen nach der Wahl). Ob ein neuer Senat das Thema im Bundesrat weiterverfolgt, ist offen.

Was sagen Gastronomie und Handel?

Die Branchenverbände sind gespalten. Jana Schimke, Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), nennt digitale Zahlungen gegenüber ZDFheute längst Standard, warnt aber vor Kosten: «Derzeit bemessen sich Transaktionsgebühren prozentual an der Höhe des Zahlungsbetrags.» Kleine Betriebe bräuchten Übergangsregeln. Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland (HDE) hält eine gesetzliche Vorgabe für unnötig und fordert, Kartengebühren an Kunden weitergeben zu dürfen.

Für einen Späti, der vor allem Beträge um zwei Euro kassiert, wiegen Lesegerät und Gebühren schwerer als für einen Supermarkt. Wo du in deinem Kiez einen Späti findest, zeigt der Späti-Finder.

Wie oft wird in Deutschland schon digital bezahlt?

Laut der Bundesbank-Studie zum Zahlungsverhalten 2025 wurden 2025 erstmals 55 Prozent aller erfassten Einkäufe ohne Bargeld bezahlt, Bargeld kam auf 45 Prozent. Die Debitkarte, meist die Girocard, lag nach ZDFheute bei 26 Prozent der Transaktionen, Zahlen per Smartphone oder Smartwatch bei 10 Prozent. Zugleich halten 80 Prozent der Befragten es für wichtig, weiter bar zahlen zu können.

Häufige Fragen zur Kartenzahlung

Ab welchem Betrag kann man mit Karte zahlen?

Einen gesetzlichen Mindestbetrag gibt es nicht. Solange keine Pflicht zur Kartenzahlung besteht, entscheidet jedes Geschäft selbst, ob und ab welchem Betrag es Karte akzeptiert. Ein Aufschlag für Girocard oder gängige Verbraucher-Kreditkarten ist seit 2018 nach § 270a BGB verboten. Ob Mindestbeträge mit der geplanten Pflicht ab frühestens 2027 wegfallen, lassen die Eckpunkte des Finanzministeriums nach Stand 2. Oktober 2026 offen.

Darf ein Laden in Berlin nur Bargeld annehmen?

Ja, Stand 2. Oktober 2026 ist das erlaubt. Weder Bundes- noch Landesrecht verpflichtet Geschäfte, Karte oder Handy zu akzeptieren. Das soll sich nach den Eckpunkten von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil frühestens 2027 ändern. Dann müssten Handel, Gastronomie und Dienstleister zusätzlich zum Bargeld mindestens eine digitale Bezahlart anbieten, sofern Kabinett, Bundestag und Bundesrat zustimmen.

Gilt die geplante Kartenpflicht auch für Flohmärkte und Vereinsfeste?

Nach den Eckpunkten vom 11. September 2026 nicht für nichtkommerzielle Organisationen. Amateursportvereine und Wohltätigkeitsverbände sollen weiter nur Bargeld annehmen dürfen, etwa beim Kuchenstand auf dem Vereinsfest. Gewerbliche Händler sind dagegen grundsätzlich erfasst, eine Umsatzgrenze ist nicht vorgesehen. Ob es Härtefallregeln für sehr kleine Betriebe gibt, prüft das Finanzministerium noch.

Wird Bargeld mit der Kartenpflicht abgeschafft?

Nein. Das Bundesfinanzministerium betont, dass Bezahlen mit Bargeld weiter möglich bleiben soll; es gehe nur um zusätzliche Optionen. Euro-Scheine und -Münzen bleiben gesetzliches Zahlungsmittel. Auch der Berliner Antrag für eine Bundesratsinitiative vom 29. April 2026 verlangt ausdrücklich, dass die Annahme von Bargeld nicht eingeschränkt wird.

Quellen

Hannes Nagel

Redakteur Wirtschaft & Verkehr

Ich bin Hannes, und ich schreibe bei BerlinEcho über Wirtschaft und Verkehr – zwei Themen, die in Berlin enger zusammenhängen, als man denkt. Wer in einer Stadt wohnt, in der die BVG täglich ausläuft und gleichzeitig das teuerste …

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