Hermannstraße
Vom Hermannplatz bis zum Britzer Damm: benannt nach Hermann dem Cherusker, gesäumt von Kirchhöfen aus dem 19. Jahrhundert, mit einem U8-Tunnel, der 1931 fast fertig war und erst 1996 eröffnet wurde.

Inhalt (7 Abschnitte)
Die Hermannstraße ist eine Hauptstraße in Neukölln. Sie führt vom Hermannplatz nach Süden bis zum Britzer Damm, hat die Hausnummern 1 bis 258 und die Postleitzahlen 12049 und 12051. Benannt ist sie nach dem Cheruskerfürsten Hermann, der erste Abschnitt heißt seit etwa 1875 so. Unter ihr fährt die U8.
Die Hermannstraße ist die westliche der beiden großen Achsen, die vom Hermannplatz nach Süden durch Neukölln führen, die östliche ist die Karl-Marx-Straße. Nach dem Straßenverzeichnis von Kauperts liegt sie vollständig im Ortsteil Neukölln und endet am Britzer Damm. An ihr liegen mehrere Kirchhöfe aus dem 19. Jahrhundert, ein Festsaal der früheren Vereinsbrauerei Rixdorf und ein Umspannwerk der U-Bahn. Der Tunnel darunter war schon 1931 fast fertig, eröffnet wurde die U8 bis zum Bahnhof Hermannstraße erst 1996.
- Verlauf: Hermannplatz (Hasenheide, Karl-Marx-Straße) bis Britzer Damm
- Postleitzahlen 12049 und 12051, Hausnummern 1 bis 258 im Hufeisen
- Name seit etwa 1875, vorher Straße nach Britz
- U8 mit Boddinstraße, Leinestraße und Hermannstraße, Ringbahn am S+U Hermannstraße
- Namensgeber: Hermann der Cherusker (Arminius)
Wo verläuft die Hermannstraße?
Die Hermannstraße beginnt am Hermannplatz, wo Hasenheide und Karl-Marx-Straße zusammentreffen. Von dort führt sie nach Süden, vorbei an mehreren Kirchhöfen, kreuzt am S- und U-Bahnhof Hermannstraße die Ringbahn und endet am Britzer Damm.
Die Hausnummern folgen dem Hufeisen-Prinzip. Kauperts beschreibt es so: Auf einer Seite laufen die Nummern 1 bis 137 vom Hermannplatz bis zum Britzer Damm, auf der anderen Seite die Nummern 138 bis 258 zurück. Deshalb steht die Nummer 1 fast gegenüber der 258. Auch bei der Postleitzahl hilft das Wissen: 12049 gilt für die Nummern 1 bis 80 und 179 bis 258, also für den nördlichen Teil auf beiden Seiten, 12051 für die Nummern 84 bis 178 im Süden.
Das Eckhaus zur Karl-Marx-Straße, Hermannstraße 256 bis 258, ist als «Rollkrug» denkmalgeschützt. Der Architekt Arthur Vogdt baute es 1902 für sich selbst.
Warum heißt die Straße nach Hermann dem Cherusker?
Die Hermannstraße erinnert an Hermann, lateinisch Arminius, einen cheruskischen Stammesführer, der etwa 17 oder 16 vor unserer Zeitrechnung geboren wurde und 21 nach unserer Zeitrechnung starb. Er diente zunächst im römischen Heer, hatte das römische Bürgerrecht und stieg in den Ritterstand auf. Im September des Jahres 9 besiegte er den römischen Feldherrn Varus in der Schlacht am Kalkrieser Berg im nördlichen Teutoburger Wald. Der eigentliche Name des Cheruskers ist unbekannt, «Hermann» ist nach Kauperts eine Verdeutschung von Arminius.
Wann genau die Straße ihren Namen bekam, lässt sich nur eingrenzen. Auf einer Karte von 1857 war die Trasse noch ohne Namen eingezeichnet, von 1859 bis 1874 hieß sie Straße nach Britz. Der erste Abschnitt der Hermannstraße wurde nach Kauperts zwischen 1875 und 1876 benannt, 1877 reichte sie bis zur Karlsgartenstraße. Der Rest der Straße nach Britz kam zwischen 1894 und 1899 dazu. Ein genaues Tagesdatum der Benennung ist nicht belegt.
Was steht an der Hermannstraße?
Die Denkmaldatenbank des Landesdenkmalamts führt an der Hermannstraße Friedhöfe, Wohnanlagen, Bahnhöfe und Gewerbebauten. Prägend sind die Kirchhöfe: Die evangelischen Gemeinden St. Jacobi, St. Thomas und Emmaus legten hier zwischen 1852 und 1888 Friedhöfe an.
| Hausnummer | Denkmal | Datierung |
|---|---|---|
| 5 bis 8 | Umspannwerk, Miets- und Geschäftshaus der Nord-Süd-Bahn, Entwurf Alfred Grenander | 1927 bis 1928 |
| 48 | Hermannshof, Fabrikgebäude | 1904 bis 1905 |
| 80 | St. Thomas-Kirchhof | 1872 |
| 101 | Leichenhalle der Jacobi-Gemeinde | 1878 bis 1879 |
| 114 bis 114 E | Spandels Privatstraße, Wohnanlage | 1911 bis 1912 |
| 133 | Emmauskirchhof | 1888 |
| 180 | St. Thomas-Kirchhof mit Friedhofskapelle | 1865, Kapelle um 1870 |
| 218 | Kindl-Festsäle, gebaut für die Vereinsbrauerei Rixdorf | 1893 bis 1894 |
| 223 | Wohnanlage Boddinstraße des Beamten-Wohnungs-Vereins | 1904 bis 1906 |
| 256 bis 258 | «Rollkrug», Mietshaus | 1902 |
Welche Friedhöfe im Bezirk heute noch belegt werden und was eine Grabstelle kostet, steht in unserer Übersicht der Friedhöfe in Neukölln.
Wie kam die U8 unter die Hermannstraße?
Die U8 kam auf Umwegen: Zwischen dem ersten Tunnelbau unter der Hermannstraße um 1919 und der Eröffnung des Bahnhofs Hermannstraße 1996 vergingen gut 75 Jahre. Laut berliner-untergrundbahn.de begann die damals noch selbstständige Stadt Neukölln um 1919 auf eigene Rechnung mit dem Bau. Der erste Abschnitt von Boddinstraße über Hermannplatz nach Norden ging am 17. Juli 1927 in Betrieb, die Leinestraße folgte am 4. August 1929.
Danach wurde es kompliziert. Ab 1929 baute man weiter bis zur Ringbahn, 1931 stoppte die Weltwirtschaftskrise das Projekt. Übrig blieben ein fertiger Tunnel und ein zu einem Drittel fertiger Bahnhof Hermannstraße. Ab 1940 diente das Fragment als öffentlicher Luftschutzraum, später stellte die BVG dort ausgemusterte Züge ab. Erst am 16. Juli 1996 verlängerte die BVG die U8 um rund 700 Meter bis zum neuen Umsteigebahnhof Hermannstraße.
Die Bahnhöfe Boddinstraße und Leinestraße stehen unter Denkmalschutz, beide nach Entwürfen von Alfred Grenander und Alfred Fehse.
Wie kommst du mit Bus und Bahn zur Hermannstraße?
Mit der U8 fährst du unter der ganzen nördlichen Straße entlang: Hermannplatz, Boddinstraße, Leinestraße und Hermannstraße. Am S+U Hermannstraße steigst du in die Ringbahn S41 und S42 und in die S46 und S47 um, am Hermannplatz in die U7.
Neu ist der Metrobus M77. Laut Senatsverwaltung für Mobilität fährt er seit dem 23. August 2026 über Alt-Mariendorf hinaus bis S+U Hermannstraße und übernimmt dort die Strecke der bisherigen Linie 277. Der Nachtbus N77 fährt seitdem nur noch zwischen S+U Hermannstraße und S Plänterwald. Die aktuellen Fahrpläne findest du bei der BVG.
Vom Hermannplatz sind es nur wenige Schritte in die Hasenheide, und über die Sonnenallee geht es vom selben Platz nach Südosten.
Häufige Fragen zur Hermannstraße
Wo verläuft die Hermannstraße?
Die Hermannstraße beginnt am Hermannplatz, wo sie auf Hasenheide und Karl-Marx-Straße trifft, und führt durch den Ortsteil Neukölln nach Süden bis zum Britzer Damm. Unterwegs kreuzt sie die Ringbahn am S- und U-Bahnhof Hermannstraße. Die Hausnummern laufen auf der einen Seite von 1 bis 137 und auf der anderen von 138 bis 258 zurück.
Nach wem ist die Hermannstraße benannt?
Nach Hermann dem Cherusker, lateinisch Arminius. Der cheruskische Stammesführer lebte von etwa 17 vor bis 21 nach unserer Zeitrechnung und besiegte im Jahr 9 den römischen Feldherrn Varus. Der erste Abschnitt der Hermannstraße bekam den Namen um 1875, die frühere Straße nach Britz wurde zwischen 1894 und 1899 einbezogen.
Welche Postleitzahl hat die Hermannstraße?
Die Hermannstraße hat zwei Postleitzahlen. Die Hausnummern 1 bis 80 und 179 bis 258 gehören zu 12049, die Nummern 84 bis 178 zu 12051. Weil die Nummern auf der einen Straßenseite hin- und auf der anderen zurücklaufen, liegen niedrige und hohe Nummern am Hermannplatz einander gegenüber.
Welche Bahn fährt unter der Hermannstraße?
Die U8. Unter der Straße liegen die Bahnhöfe Boddinstraße, Leinestraße und Hermannstraße, am nördlichen Ende der Umsteigebahnhof Hermannplatz zur U7. Am S- und U-Bahnhof Hermannstraße steigst du in die Ringbahn um. Seit dem 23. August 2026 fährt außerdem der Metrobus M77 aus Mariendorf bis S+U Hermannstraße.
Quellen
- Kauperts Straßenführer: Hermannstraße (abgerufen am 29.09.2026)
- Landesdenkmalamt Berlin: Denkmaldatenbank, Hermannstraße (abgerufen am 29.09.2026)
- berliner-untergrundbahn.de: Chronik 1990 bis 1999, Die U-Bahn zur Hermannstraße (abgerufen am 29.09.2026)
- berliner-untergrundbahn.de: Chronik 1920 bis 1929 (abgerufen am 29.09.2026)
- Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt: Taktverdichtungen und neue Linien, Pressemitteilung vom 13.08.2026 (abgerufen am 29.09.2026)
- S-Bahn Berlin: Bahnhof Hermannstraße (abgerufen am 29.09.2026)
Namensgebung
- Namensgeber
-
Hermann (Cherusker)
(ca. 17 v. Chr. – 21 n. Chr.)
Person - Benennung
- um 1875
- Hintergrund
- Hermann der Cherusker (lat. Arminius), cheruskischer Stammesführer, um 17/16 v. u. Z. bis 21 u. Z. Er besiegte im Jahr 9 den römischen Feldherrn Varus in der Schlacht am Kalkrieser Berg im nördlichen Teutoburger Wald.
Frühere Namen
| Alter Name | Zeitraum | Grund |
|---|---|---|
| Straße 50, Abteilung V des Bebauungsplanes | ca. 1875–1899 | Planungsbezeichnung vor der offiziellen Benennung. |