ProSiebenSat.1 schafft die Chefposten seiner beiden größten Sender ab: Marc Rasmus (53, Sat.1) und Hannes Hiller (55, ProSieben) verlieren ihre Positionen als Senderchefs, wie zuerst die «Bild» berichtete – der Konzern bestätigte den Umbau auf Anfrage. Beide bleiben an Bord und sollen künftig Programme für die gesamte Gruppe entwickeln. Die Programmplanung wird zentral gebündelt. Es ist der nächste Schritt des Umbaus – alle Hintergründe sammeln wir laufend in unseren News und im Ressort Filme & Serien –, seit der italienische Medienkonzern MFE im September 2025 die Mehrheit übernommen hat.
📋 Das Wichtigste in Kürze
- ProSiebenSat.1 schafft die Senderchef-Posten von ProSieben und Sat.1 ab – das bestätigte der Konzern auf «Bild»-Anfrage.
- Marc Rasmus (53) und Hannes Hiller (55) bleiben im Unternehmen und entwickeln künftig Programme für den gesamten Konzern.
- Beide hatten ihre Posten erst zum 1. November 2023 übernommen – nach dem Abgang von Daniel Rosemann.
- Hintergrund: Seit September 2025 hält MFE (MediaForEurope) der Familie Berlusconi 75,6 Prozent an ProSiebenSat.1.
- MFE-Finanzchef Marco Giordani ersetzte bereits CEO Bert Habets; als Übernahmebedingung gelten rund 150 Millionen Euro Kostensynergien pro Jahr.
🚨 Senderchef-Modell nach zweieinhalb Jahren wieder Geschichte
Die Ironie der Personalie: Erst zum 1. November 2023 hatte der Konzern die getrennten Chefposten geschaffen. Damals übernahm Hannes Hiller ProSieben, Marc Rasmus rückte vom Kabel-Eins-Chefsessel zu Sat.1 auf – als Antwort auf den Abgang von Daniel Rosemann, der beide Sender zuvor in Personalunion geführt hatte. Jetzt die Rolle rückwärts. Statt eigenständiger Senderverantwortung gibt es künftig eine zentrale Programmplanung für die gesamte Gruppe, Rasmus und Hiller liefern dafür die Inhalte-Ideen.
Für die beiden TV-Manager ist es ein Bedeutungsverlust, auch wenn der Konzern den Schritt als Neuaufstellung verkauft. Wer das Programm eines Senders steuert, entscheidet über Millionen-Budgets und Primetime-Schicksale. Wer Programme «für den Konzern entwickelt», macht Vorschläge. Ein Unterschied wie zwischen Trainer und Scout.
📺 Rasmus und Hiller: Zwei Eigengewächse verlieren ihre Sender

Hannes Hiller ist ein Kind des Hauses: Der gebürtige Freiburger arbeitet seit 1998 bei ProSieben, baute Comedy-Formate von «Kalkofes Mattscheibe» bis zur Formatentwicklung mit auf und übernahm 2023 die Senderführung. Unter ihm liefen Quotenbringer wie «Wer stiehlt mir die Show?» und GNTM weiter. Marc Rasmus kam über Kabel Eins, wo er den Sender stabil durch die Streaming-Krise steuerte, ehe er beim schwächelnden Sat.1 das Quiz-Comeback am Donnerstagabend versuchte (mehr TV-Personalien im Ressort Digital) – mit gemischter Bilanz. Beide kennen das Geschäft seit Jahrzehnten. Genau deshalb behält der Konzern sie – nur eben ohne eigene Sender.
🇮🇹 Der MFE-Faktor: Zentralisierung nach italienischem Vorbild
Der Umbau trägt eine klare Handschrift. Seit dem 16. September 2025 hält MFE (MediaForEurope), der Medienkonzern der Familie Berlusconi, 75,6 Prozent an ProSiebenSat.1 – Kostenpunkt des Übernahmeangebots: rund 1,8 Milliarden Euro. Kurz darauf wurde der Vorstand ausgetauscht: MFE-Finanzchef Marco Giordani ersetzte CEO Bert Habets, COO Markus Breitenecker ging nach 30 Jahren. Als Bedingung der Übernahme gelten Kostensynergien von rund 150 Millionen Euro jährlich binnen vier bis fünf Jahren; ein Abbau von 430 Stellen über ein Freiwilligenprogramm läuft bereits.
Zentrale Programmsteuerung statt eigenständiger Senderfürsten – das ist exakt das Modell, mit dem Pier Silvio Berlusconi seine italienischen Sender Canale 5, Italia 1 und Rete 4 führt. Sein erklärtes Ziel: ein paneuropäischer TV-Konzern, der es mit Netflix und Amazon Prime aufnehmen kann. Deutschland ist dabei der größte Baustein – und Unterföhring lernt gerade, wie sich das anfühlt.
🎯 FHM-EINORDNUNG
Was die anderen Magazine nicht schreiben
Die spannende Frage ist nicht, was aus zwei Managern wird – sondern wer künftig entscheidet, was bei den größten deutschen Privatsendern läuft.
1. Die Marken-Identität steht auf dem Spiel
ProSieben (jung, Show, GNTM) und Sat.1 (Familie, Vorabend) lebten von eigenständigen Profilen, die Senderchefs verantworteten. Zentrale Planung spart Geld – aber sie nivelliert. Wenn ein Gremium für alle Sender plant, drohen austauschbare Programme.
2. Das Timing folgt dem Sparplan, nicht der Programmlogik
150 Millionen Euro Synergien pro Jahr sind die Messlatte der Übernahme. Doppelstrukturen wie zwei Senderchef-Teams sind dafür der naheliegendste Posten – die Personalie ist eine Sparmaßnahme im Manager-Gewand.
3. Rasmus und Hiller bleiben aus gutem Grund
Beide kennen den deutschen Markt, die Produzentenszene und die Werbekunden seit Jahrzehnten. MFE braucht dieses Wissen für die Übergangszeit – ob die neuen Rollen mehr als eine elegante Zwischenlösung sind, zeigt sich in zwölf Monaten.
4. Für dich als Zuschauer wird es konkret
Zentral geplante Programme bedeuten erfahrungsgemäß: mehr sichere Formate, weniger Experimente, mehr Übernahmen aus dem Konzern-Katalog. Ob GNTM, «The Masked Singer» oder der Sat.1-Vorabend – die Entscheidungswege dafür laufen künftig anders.
📌 EHRLICHE EINORDNUNG:
Der Boulevard erzählt die Story als Köpfe-Rollen-Drama. Tatsächlich ist es der Systemwechsel: Das deutsche Free-TV wird erstmals aus einer europäischen Konzernzentrale heraus gesteuert. Ob das die Rettung des linearen Fernsehens wird oder seine Gleichschaltung im Mittelmaß – das entscheidet sich an den Programmen 2027, nicht an Pressemitteilungen.
Maik Möhring · Chefredakteur FHM Online
Ich habe beide TV-Größen über Jahre beobachtet: Dass ausgerechnet die Eigengewächse Rasmus und Hiller ihre Sender abgeben müssen, sagt mehr über die neue Machtarchitektur in Unterföhring als jede Konzern-PR.
📊 Die Fakten im Überblick
| Aspekt | Details | Quelle |
|---|---|---|
| Was | Senderchef-Posten von ProSieben und Sat.1 werden abgeschafft, Planung zentralisiert | Bild / Konzern-Bestätigung |
| Wer | Marc Rasmus (53, Sat.1) und Hannes Hiller (55, ProSieben) – beide seit 11/2023 im Amt, bleiben im Konzern | ProSiebenSat.1 |
| Hintergrund | MFE hält seit 16.09.2025 insgesamt 75,6 % am Konzern (Angebot: ca. 1,8 Mrd. Euro) | Meedia |
| Führung | MFE-CFO Marco Giordani ersetzte CEO Bert Habets; Sparziel: ca. 150 Mio. Euro Synergien/Jahr, 430 Stellen im Abbau | DWDL |
❓ Häufige Fragen zum ProSiebenSat.1-Umbau
Warum verlieren Rasmus und Hiller ihre Posten?
ProSiebenSat.1 schafft die klassischen Senderchef-Rollen ab und bündelt die Programmplanung zentral – eine Strukturentscheidung, keine Quotenfrage. Der Schritt folgt dem Kurs des neuen Mehrheitseigners MFE, der seine italienischen Sender ebenfalls zentral steuert und als Übernahmebedingung jährliche Kostensynergien von rund 150 Millionen Euro umsetzen muss. Beide Manager bleiben im Konzern und entwickeln künftig Programme für die gesamte Gruppe.
Wer entscheidet jetzt über das Programm von ProSieben und Sat.1?
Die Programmplanung läuft künftig zentral gebündelt auf Konzernebene statt bei eigenständigen Senderchefs. Wie die neue Struktur personell genau aussieht, hat ProSiebenSat.1 noch nicht im Detail kommuniziert – klar ist nur die Richtung: weniger Eigenständigkeit der Einzelsender, mehr Steuerung aus der Gruppe, in der seit der Übernahme MFE-Manager die Schlüsselrollen besetzen.
Was ist MFE und wem gehört ProSiebenSat.1 jetzt?
MFE (MediaForEurope) ist der Medienkonzern der italienischen Familie Berlusconi, geführt von Pier Silvio Berlusconi, mit TV-Geschäft in Italien und Spanien. Seit dem 16. September 2025 hält MFE 75,6 Prozent an ProSiebenSat.1 und kontrolliert den Münchner Konzern damit vollständig. Erklärtes Ziel ist ein paneuropäischer Fernsehkonzern als Gegengewicht zu Netflix und Amazon.
Seit wann waren Rasmus und Hiller Senderchefs?
Erst seit dem 1. November 2023. Damals hatte der Konzern nach dem Abgang von Daniel Rosemann, der ProSieben und Sat.1 in Personalunion führte, wieder getrennte Senderchef-Posten geschaffen: Hiller übernahm ProSieben, Rasmus kam von Kabel Eins zu Sat.1. Nach nur rund zweieinhalb Jahren wird dieses Modell nun wieder abgeschafft.
Was bedeutet der Umbau für Shows wie GNTM oder The Masked Singer?
Kurzfristig ändert sich am laufenden Programm nichts – die großen Marken sind langfristig geplant und produziert. Mittelfristig entscheidet aber die zentrale Konzernplanung über Verlängerungen, Budgets und neue Formate. Erfahrungsgemäß setzen zentral gesteuerte Sendergruppen stärker auf bewährte Formate und Konzern-Synergien als auf teure Experimente einzelner Sender.
🏁 Fazit: Das Ende der Senderfürsten
Mit der Absetzung von Rasmus und Hiller beerdigt ProSiebenSat.1 nach nur zweieinhalb Jahren das Modell eigenständiger Senderchefs – und vollzieht damit den Kulturwandel zur zentral gesteuerten MFE-Tochter. Für die beiden Manager ist es ein Abstieg auf Raten, für das deutsche Free-TV ein Systemwechsel: Die Programmentscheidungen für ProSieben und Sat.1 fallen künftig in Konzernstrukturen nach italienischem Vorbild. Spätestens mit dem Programmjahr 2027 siehst du auf dem Bildschirm, was das bedeutet.
🗞 Über den Autor: Maik Möhring – Chefredakteur FHM Online
Ich verfolge die deutsche TV-Branche seit den Zeiten, als Senderchefs noch Popstars der Medienseiten waren – dieser Umbau ist der tiefste Einschnitt in Unterföhring seit der Kirch-Pleite.
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