Der Sockelbau des Park Inn am Alexanderplatz soll weitgehend abgerissen und durch einen Neubau mit Atrium, Läden, Gastronomie und begrünter Dachterrasse ersetzt werden. Der 125 Meter hohe Hotelturm bleibt stehen und in Betrieb. Das Baukollegium hat den Entwurf am 31. August grundsätzlich begrüsst, fordert aber Nachbesserungen – unter anderem einen höheren Sockel.

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Das Wichtigste in Kürze
- Was abgerissen wird: große Teile des bestehenden Sockelbaus, nicht das Hochhaus.
- Was entsteht: ein fünfgeschossiger Neubau mit rund 15.600 Quadratmetern Bruttogeschossfläche.
- Enthalten: Atrium, Einzelhandel, Gastronomie, Konferenzflächen und eine begrünte Dachterrasse mit Photovoltaik.
- Der Turm bleibt: 125 Meter, und zwar im laufenden Betrieb.
- Anlieferung: künftig zwei Ebenen unter der Oberfläche, Zufahrt über das Nachbargrundstück.
- Eigentümer: Covivio, Planung durch eine Planungsgemeinschaft mit AGL.
- Stand der Angaben: 3. September 2026.
Was gebaut werden soll
Der Umbau betrifft nicht das Wahrzeichen, sondern seinen Unterbau. Der breite, flache Sockel, auf dem der Turm steht und der einen erheblichen Teil des Grundstücks einnimmt, soll weitgehend verschwinden. An seine Stelle tritt ein fünfgeschossiger Neubau mit rund 15.600 Quadratmetern Bruttogeschossfläche.
Vorgesehen sind darin ein begrüntes Atrium, Einzelhandel, Gastronomie und Konferenzflächen, dazu eine Passage sowie eine Dachterrasse mit Bepflanzung und Photovoltaik. Der Zugang von der Alexanderstraße her soll deutlich aufgewertet werden.
Der größte Eingriff ist zugleich der unsichtbarste: Die Warenanlieferung für Hotel und Büros soll künftig zwei Ebenen unter der Oberfläche stattfinden, mit Zufahrt über das benachbarte Baufeld. Damit fallen oberirdische Ladeflächen weg – und genau die sind der Grund, warum der Bereich heute als Rückseite wirkt.
Der Hotelturm mit seinen 125 Metern bleibt erhalten und soll während der Bauarbeiten in Betrieb bleiben. Ein Abriss des Hochhauses steht nicht zur Debatte.
Was das Baukollegium fordert
Das Baukollegium berät den Senat zu Architektur und Städtebau, seine Sitzungen sind öffentlich. Am 31. August stand der Umbau auf der Tagesordnung. Das Gremium hält die Richtung für gut, sieht aber an mehreren Stellen Nachbesserungsbedarf.
- Der Sockel ist zu niedrig. Zulässig wären bis zu 34 Meter; das Gremium hält rund 26 bis 28 Meter für städtebaulich angemessen. Der bisher gezeigte Entwurf bleibt darunter.
- Keine gemeinsame Platte. Die beiden Baufelder D1 und D2 sollten nicht unter einem durchgehenden Sockel zusammengefasst werden. Empfohlen werden zwei eigenständige Gebäude mit einer Passage dazwischen.
- Die Gasse begrüsst. Eine Passage zwischen D2 und dem bereits im Bau befindlichen Nachbarturm unterstützt das Gremium ausdrücklich. Für die Gasse zwischen D1 und D2 nennt es rund 18 Meter Breite als denkbar.
- Die Fassade überarbeiten. Die trapezförmigen Elemente überzeugen gestalterisch noch nicht.
Nach Berichten empfiehlt das Gremium außerdem einen Wettbewerb für den Ersatzbau. Das ist der bemerkenswerteste Punkt: Ein Wettbewerb bedeutet Zeit, aber auch die Chance auf einen Entwurf, der über das Naheliegende hinausgeht.
Die Kritik aus der Stadt
In sozialen Netzwerken fielen die Reaktionen deutlich aus. Die gezeigten Visualisierungen wirkten austauschbar, langweilig und einfallslos – so der Tenor vieler Kommentare.
Das trifft einen wunden Punkt, der über dieses Projekt hinausgeht. Am Alexanderplatz entstehen seit Jahren Bauten, die technisch einwandfrei und gestalterisch beliebig sind. Ein Sockel mit Läden, Atrium und Dachterrasse könnte auch in Frankfurt oder Hamburg stehen.
Zugleich gilt: Was jetzt dort steht, ist kein Verlust. Der bestehende Sockel gehört zu den unwirtlichsten Ecken des Platzes – niedrig, geschlossen, mit Ladezonen und wenig Anlass, stehen zu bleiben. Wer den Umbau kritisiert, sollte den Ausgangszustand mitdenken.
Wie sich die Debatte über Hochhäuser in Berlin entwickelt hat, steht in unserem Kommentar zu den Hochhausplänen und im Beitrag zur Stadtentwicklung.
Der Alexanderplatz als Dauerbaustelle
Der Umbau steht nicht allein. Direkt nebenan wächst bereits ein weiteres Hochhaus, ein zweites Vorhaben in der Nachbarschaft ist im Verfahren. Dazu kommen die Tunnelarbeiten unter dem Platz, die den Verkehr seit Monaten prägen.
Für Anwohnerinnen, Beschäftigte und Besucher heißt das: Der Alexanderplatz bleibt auf Jahre eine Baustelle. Was die Sperrungen im Untergrund bedeuten, steht im Beitrag zum Tunnel am Alexanderplatz, die Pläne des Nachbargrundstücks im Text zum Hines-Hochhaus. Weitere Meldungen aus der Stadtentwicklung sammeln wir in der Rubrik Wirtschaft.
Was offen ist
- Der Zeitplan: Zu Baubeginn und Fertigstellung liegen keine belastbaren Angaben vor.
- Die Kosten: nicht öffentlich beziffert.
- Der Wettbewerb: Ob der Eigentümer der Empfehlung folgt, ist nicht entschieden.
- Die überarbeitete Planung: Wie der Entwurf nach den Änderungswünschen aussieht, steht noch aus.
Empfehlungen des Baukollegiums sind nicht bindend. Sie haben allerdings Gewicht, weil das Gremium den Senat berät und die spätere Genehmigung durch dieselben Verwaltungen läuft. Ein Vorhaben, das die Empfehlungen ignoriert, hat es im weiteren Verfahren schwerer.
Quellen im Überblick
| Angabe | Quelle |
|---|---|
| Sitzungstermin und Beratungsgegenstand | Tagesordnung des Baukollegiums Berlin |
| Umfang des Neubaus, Höhenempfehlung, Passagen, Anlieferung | Berichterstattung von Entwicklungsstadt und der Berliner Tagespresse |
| Eigentümer und Planungsbeteiligte | Covivio |
Häufige Fragen zum Umbau des Park Inn
Wird das Park Inn abgerissen?
Nein. Der 125 Meter hohe Hotelturm bleibt erhalten und soll während der Bauarbeiten in Betrieb bleiben. Abgerissen werden sollen große Teile des Sockelbaus am Fuß des Hochhauses.
Was entsteht an der Stelle des Sockels?
Ein fünfgeschossiger Neubau mit rund 15.600 Quadratmetern Bruttogeschossfläche, darin ein Atrium, Einzelhandel, Gastronomie und Konferenzflächen sowie eine begrünte Dachterrasse mit Photovoltaik.
Was kritisiert das Baukollegium?
Vor allem die Höhe: Der geplante Sockel sei städtebaulich zu niedrig, angemessen seien etwa 26 bis 28 Meter bei zulässigen 34. Außerdem sollen die Baufelder nicht unter einer gemeinsamen Platte zusammengefasst und die trapezförmigen Fassadenelemente überarbeitet werden.
Wann wird gebaut?
Dazu liegen keine belastbaren Angaben vor. Der Entwurf muss zunächst überarbeitet werden, zusätzlich empfiehlt das Baukollegium einen Wettbewerb für den Ersatzbau.
Sind die Empfehlungen bindend?
Nein. Das Baukollegium berät den Senat, seine Empfehlungen haben aber Gewicht, weil die spätere Genehmigung durch dieselben Verwaltungen läuft.
Fazit: Der Sockel ist die eigentliche Chance
Über die Fassade lässt sich streiten, und die Kritik an der Beliebigkeit ist nicht aus der Luft gegriffen. Der wichtigere Teil des Vorhabens liegt aber im Untergrund: Wenn die Anlieferung zwei Ebenen tiefer verschwindet und aus einer geschlossenen Rückseite eine begehbare Passage wird, gewinnt der Alexanderplatz an einer seiner unwirtlichsten Stellen. Ob daraus mehr wird als ein weiterer austauschbarer Sockel, entscheidet sich an der Frage, ob der Eigentümer dem Rat zum Wettbewerb folgt.
🗞 Über den Autor: Hannes Nagel – Redaktion Wirtschaft
Bei Bauvorhaben trenne ich, was beschlossen ist, von dem, was empfohlen wurde. Zwischen einer Visualisierung und einem Bauantrag liegen in Berlin erfahrungsgemäß Jahre.
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