Wirtschaft 📅 3. September 2026 ⏱ 6 Min. 👁 54 Aufrufe

Park Inn am Alex: Sockel wird abgerissen, Kritik am Entwurf

Der Sockelbau des Park Inn am Alexanderplatz soll weitgehend abgerissen und durch einen Neubau mit Atrium, Läden und Dachterrasse ersetzt werden. Der Hotelturm bleibt stehen. Das Baukollegium begrüßt die Richtung, fordert aber einen höheren Sockel und eine überarbeitete Fassade.

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Kurzantwort

Der Sockelbau des Park Inn am Alexanderplatz soll weitgehend abgerissen und durch einen Neubau mit Atrium, Läden, Gastronomie und begrünter Dachterrasse ersetzt werden. Der 125 Meter hohe Hotelturm bleibt stehen und in Betrieb. Das Baukollegium hat den Entwurf am 31. August grundsätzlich begrüsst, fordert aber Nachbesserungen – unter anderem einen höheren Sockel.

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Inhaltsverzeichnis+
  1. Das Wichtigste in Kürze
  2. Was gebaut werden soll
  3. Was das Baukollegium fordert
  4. Die Kritik aus der Stadt
  5. Der Alexanderplatz als Dauerbaustelle
  6. Was offen ist
  7. Quellen im Überblick
  8. Häufige Fragen

Das Wichtigste in Kürze

  • Was abgerissen wird: große Teile des bestehenden Sockelbaus, nicht das Hochhaus.
  • Was entsteht: ein fünfgeschossiger Neubau mit rund 15.600 Quadratmetern Bruttogeschossfläche.
  • Enthalten: Atrium, Einzelhandel, Gastronomie, Konferenzflächen und eine begrünte Dachterrasse mit Photovoltaik.
  • Der Turm bleibt: 125 Meter, und zwar im laufenden Betrieb.
  • Anlieferung: künftig zwei Ebenen unter der Oberfläche, Zufahrt über das Nachbargrundstück.
  • Eigentümer: Covivio, Planung durch eine Planungsgemeinschaft mit AGL.
  • Stand der Angaben: 3. September 2026.

Was gebaut werden soll

Der Umbau betrifft nicht das Wahrzeichen, sondern seinen Unterbau. Der breite, flache Sockel, auf dem der Turm steht und der einen erheblichen Teil des Grundstücks einnimmt, soll weitgehend verschwinden. An seine Stelle tritt ein fünfgeschossiger Neubau mit rund 15.600 Quadratmetern Bruttogeschossfläche.

Vorgesehen sind darin ein begrüntes Atrium, Einzelhandel, Gastronomie und Konferenzflächen, dazu eine Passage sowie eine Dachterrasse mit Bepflanzung und Photovoltaik. Der Zugang von der Alexanderstraße her soll deutlich aufgewertet werden.

Der größte Eingriff ist zugleich der unsichtbarste: Die Warenanlieferung für Hotel und Büros soll künftig zwei Ebenen unter der Oberfläche stattfinden, mit Zufahrt über das benachbarte Baufeld. Damit fallen oberirdische Ladeflächen weg – und genau die sind der Grund, warum der Bereich heute als Rückseite wirkt.

Der Hotelturm mit seinen 125 Metern bleibt erhalten und soll während der Bauarbeiten in Betrieb bleiben. Ein Abriss des Hochhauses steht nicht zur Debatte.

Was das Baukollegium fordert

Das Baukollegium berät den Senat zu Architektur und Städtebau, seine Sitzungen sind öffentlich. Am 31. August stand der Umbau auf der Tagesordnung. Das Gremium hält die Richtung für gut, sieht aber an mehreren Stellen Nachbesserungsbedarf.

  • Der Sockel ist zu niedrig. Zulässig wären bis zu 34 Meter; das Gremium hält rund 26 bis 28 Meter für städtebaulich angemessen. Der bisher gezeigte Entwurf bleibt darunter.
  • Keine gemeinsame Platte. Die beiden Baufelder D1 und D2 sollten nicht unter einem durchgehenden Sockel zusammengefasst werden. Empfohlen werden zwei eigenständige Gebäude mit einer Passage dazwischen.
  • Die Gasse begrüsst. Eine Passage zwischen D2 und dem bereits im Bau befindlichen Nachbarturm unterstützt das Gremium ausdrücklich. Für die Gasse zwischen D1 und D2 nennt es rund 18 Meter Breite als denkbar.
  • Die Fassade überarbeiten. Die trapezförmigen Elemente überzeugen gestalterisch noch nicht.

Nach Berichten empfiehlt das Gremium außerdem einen Wettbewerb für den Ersatzbau. Das ist der bemerkenswerteste Punkt: Ein Wettbewerb bedeutet Zeit, aber auch die Chance auf einen Entwurf, der über das Naheliegende hinausgeht.

Die Kritik aus der Stadt

In sozialen Netzwerken fielen die Reaktionen deutlich aus. Die gezeigten Visualisierungen wirkten austauschbar, langweilig und einfallslos – so der Tenor vieler Kommentare.

Das trifft einen wunden Punkt, der über dieses Projekt hinausgeht. Am Alexanderplatz entstehen seit Jahren Bauten, die technisch einwandfrei und gestalterisch beliebig sind. Ein Sockel mit Läden, Atrium und Dachterrasse könnte auch in Frankfurt oder Hamburg stehen.

Zugleich gilt: Was jetzt dort steht, ist kein Verlust. Der bestehende Sockel gehört zu den unwirtlichsten Ecken des Platzes – niedrig, geschlossen, mit Ladezonen und wenig Anlass, stehen zu bleiben. Wer den Umbau kritisiert, sollte den Ausgangszustand mitdenken.

Wie sich die Debatte über Hochhäuser in Berlin entwickelt hat, steht in unserem Kommentar zu den Hochhausplänen und im Beitrag zur Stadtentwicklung.

Der Alexanderplatz als Dauerbaustelle

Der Umbau steht nicht allein. Direkt nebenan wächst bereits ein weiteres Hochhaus, ein zweites Vorhaben in der Nachbarschaft ist im Verfahren. Dazu kommen die Tunnelarbeiten unter dem Platz, die den Verkehr seit Monaten prägen.

Für Anwohnerinnen, Beschäftigte und Besucher heißt das: Der Alexanderplatz bleibt auf Jahre eine Baustelle. Was die Sperrungen im Untergrund bedeuten, steht im Beitrag zum Tunnel am Alexanderplatz, die Pläne des Nachbargrundstücks im Text zum Hines-Hochhaus. Weitere Meldungen aus der Stadtentwicklung sammeln wir in der Rubrik Wirtschaft.

Was offen ist

  • Der Zeitplan: Zu Baubeginn und Fertigstellung liegen keine belastbaren Angaben vor.
  • Die Kosten: nicht öffentlich beziffert.
  • Der Wettbewerb: Ob der Eigentümer der Empfehlung folgt, ist nicht entschieden.
  • Die überarbeitete Planung: Wie der Entwurf nach den Änderungswünschen aussieht, steht noch aus.

Empfehlungen des Baukollegiums sind nicht bindend. Sie haben allerdings Gewicht, weil das Gremium den Senat berät und die spätere Genehmigung durch dieselben Verwaltungen läuft. Ein Vorhaben, das die Empfehlungen ignoriert, hat es im weiteren Verfahren schwerer.

Quellen im Überblick

Angabe Quelle
Sitzungstermin und Beratungsgegenstand Tagesordnung des Baukollegiums Berlin
Umfang des Neubaus, Höhenempfehlung, Passagen, Anlieferung Berichterstattung von Entwicklungsstadt und der Berliner Tagespresse
Eigentümer und Planungsbeteiligte Covivio

Häufige Fragen zum Umbau des Park Inn

Wird das Park Inn abgerissen?

Nein. Der 125 Meter hohe Hotelturm bleibt erhalten und soll während der Bauarbeiten in Betrieb bleiben. Abgerissen werden sollen große Teile des Sockelbaus am Fuß des Hochhauses.

Was entsteht an der Stelle des Sockels?

Ein fünfgeschossiger Neubau mit rund 15.600 Quadratmetern Bruttogeschossfläche, darin ein Atrium, Einzelhandel, Gastronomie und Konferenzflächen sowie eine begrünte Dachterrasse mit Photovoltaik.

Was kritisiert das Baukollegium?

Vor allem die Höhe: Der geplante Sockel sei städtebaulich zu niedrig, angemessen seien etwa 26 bis 28 Meter bei zulässigen 34. Außerdem sollen die Baufelder nicht unter einer gemeinsamen Platte zusammengefasst und die trapezförmigen Fassadenelemente überarbeitet werden.

Wann wird gebaut?

Dazu liegen keine belastbaren Angaben vor. Der Entwurf muss zunächst überarbeitet werden, zusätzlich empfiehlt das Baukollegium einen Wettbewerb für den Ersatzbau.

Sind die Empfehlungen bindend?

Nein. Das Baukollegium berät den Senat, seine Empfehlungen haben aber Gewicht, weil die spätere Genehmigung durch dieselben Verwaltungen läuft.

Fazit: Der Sockel ist die eigentliche Chance

Über die Fassade lässt sich streiten, und die Kritik an der Beliebigkeit ist nicht aus der Luft gegriffen. Der wichtigere Teil des Vorhabens liegt aber im Untergrund: Wenn die Anlieferung zwei Ebenen tiefer verschwindet und aus einer geschlossenen Rückseite eine begehbare Passage wird, gewinnt der Alexanderplatz an einer seiner unwirtlichsten Stellen. Ob daraus mehr wird als ein weiterer austauschbarer Sockel, entscheidet sich an der Frage, ob der Eigentümer dem Rat zum Wettbewerb folgt.

🗞 Über den Autor: Hannes Nagel – Redaktion Wirtschaft
Bei Bauvorhaben trenne ich, was beschlossen ist, von dem, was empfohlen wurde. Zwischen einer Visualisierung und einem Bauantrag liegen in Berlin erfahrungsgemäß Jahre.
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HN
✍ Über den Autor
Redakteur Wirtschaft & Verkehr

Ich bin Hannes, und ich schreibe bei BerlinEcho über Wirtschaft und Verkehr – zwei Themen, die in Berlin enger zusammenhängen, als man denkt. Wer in einer Stadt wohnt, in der die BVG täglich ausläuft und gleichzeitig das teuerste Pflaster für Büroflächen in Deutschland vermietet wird, merkt das. Beim Wirtschaftsthema interessieren mich weniger die Quartalszahlen grosser Konzerne als die Frage: Wer profitiert eigentlich von Berlins Wachstum, und wer nicht? Die Startup-Förderung, der Immobilienmarkt, die Haushaltspolitik des Senats – das sind Themen, die das Leben von echten Menschen verändern. Beim Verkehr ist mein Ansatz ähnlich: nicht die Pressemitteilung der BVG, sondern der Alltag der Fahrgäste. Ich fahre selbst täglich mit dem ÖPNV und weiss, was gemeint ist, wenn wieder mal "erhebliche Verspätungen" gemeldet werden. Für Hinweise und Recherche-Tips bin ich über Twitter und LinkedIn erreichbar.

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📍 Berlin ⭐ Redakteur BerlinEcho · Wirtschaftsredaktion · Experte Berliner Immobilien- und Verkehrspolitik · Recherche-Hintergrund ✍ 471 Artikel