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Mitte · Verkehr

Burgsdorfstraße im Wedding: Nach zehn Jahren Sperrung wieder frei

Die einsturzgefährdete Ruine Burgsdorfstraße 1 ist abgerissen, am 16. Oktober gibt das Bezirksamt Mitte die Straße im Wedding wieder frei. Der Abriss kostete fast doppelt so viel wie geplant.

Hannes Nagel Veröffentlicht
Eine frisch geräumte Baulücke zwischen zwei Berliner Altbauten, davor eine freigegebene Straße im Herbstlicht.
Nach dem Abbruch der einsturzgefährdeten Ruine und zehn Jahren Vollsperrung ist die Burgsdorfstraße im Wedding wieder passierbar. (KI-generiertes Symbolbild)
Inhalt (6 Abschnitte)
  1. Warum war die Burgsdorfstraße so lange gesperrt?
  2. Was bedeutet Ersatzvornahme – und wer zahlt den Abriss?
  3. Warum hat der Abriss so lange gedauert?
  4. Was wird aus dem Grundstück?
  5. Wie es weitergeht
  6. Quellen

Die Burgsdorfstraße im Wedding ist ab dem Nachmittag des 16. Oktober 2026 wieder für den Verkehr frei. Das Bezirksamt Mitte hat die einsturzgefährdete Ruine Burgsdorfstraße 1 abreißen lassen, die Straße war rund zehn Jahre gesperrt. Der Abriss kostete fast doppelt so viel wie die geplanten knapp 800.000 Euro; zahlen muss die Eigentümerin.

Nach rund zehn Jahren mit Bauzäunen und Absperrungen bekommt der Wedding ein Stück Straße zurück. Die Abbrucharbeiten am Wohnhaus Burgsdorfstraße 1 sind abgeschlossen, am Freitag, , gibt das Bezirksamt Mitte die Burgsdorfstraße am Nachmittag wieder für den Straßenverkehr frei. Das teilte Bezirksstadtrat Ephraim Gothe, zuständig für Stadtentwicklung und Facility Management, am in einer Pressemitteilung mit. Gefeiert wird um 14.45 Uhr mit einem Auftritt des Prime Time Theaters.

Damit endet einer der zähesten Fälle von Bauverwahrlosung im Bezirk Mitte. Das Bezirksamt spricht selbst von einem „langwierigen und für die Anwohnerinnen und Anwohner sowie das Bezirksamt äußerst belastenden ordnungsrechtlichen Fall“.

Warum war die Burgsdorfstraße so lange gesperrt?

Die Straße war gesperrt, weil das leerstehende Wohnhaus Nummer 1 einzustürzen drohte. Nach einem Bericht von Entwicklungsstadt war die Straße schon seit 2010 immer wieder eingeschränkt; nachdem ein Gutachten 2017 Einsturzgefahr für das ganze Gebäude festgestellt hatte, sperrte der Bezirk sie großflächig. Zeitweise war nur noch ein Gehweg auf der Südseite passierbar. Das Bezirksamt nennt in seiner aktuellen Mitteilung eine Sperrdauer von rund zehn Jahren.

Das Haus durfte wegen akuter Einsturzgefahr nicht mehr betreten werden. Abgerissen werden musste deshalb komplett von der Straße aus – das Vorderhaus samt beider Seitenflügel, mitten in einer geschlossenen Häuserzeile. Die Nachbarhäuser durften dabei keinen Schaden nehmen. Den Schutt sortierten die Arbeiter größtenteils von Hand, weil das Abfallrecht eine sortenreine Trennung verlangt.

Was bedeutet Ersatzvornahme – und wer zahlt den Abriss?

Eine Ersatzvornahme bedeutet, dass eine Behörde eine Pflicht selbst erledigen lässt, die eigentlich der Eigentümer erfüllen müsste, und ihm danach die Kosten in Rechnung stellt. Genau so ist das Bezirksamt Mitte im Wedding vorgegangen: Es hat den Abbruch zur Gefahrenabwehr öffentlich ausgeschrieben und eine Fachfirma beauftragt. Die Gesamtkosten werden laut Bezirksamt der Grundstückseigentümerin in Rechnung gestellt.

Billig wurde es nicht. Kalkuliert waren zunächst knapp 800.000 Euro. Wegen der technischen Schwierigkeiten und der vielen Handarbeit dauerte der Abriss deutlich länger, die Kosten stiegen nach Angaben des Bezirksamts auf fast das Doppelte.

Abriss Burgsdorfstraße 1 in Zahlen, Stand: 15. Oktober 2026 (Quellen: Bezirksamt Mitte, Entwicklungsstadt)
Punkt Angabe
Erste Einschränkungen der Straße seit 2010
Gutachten mit Einsturzgefahr, großflächige Sperrung 2017
Beginn der Abbrucharbeiten September 2025
Ende der Abbrucharbeiten Oktober 2026
Ursprünglich kalkulierte Kosten knapp 800.000 Euro
Tatsächliche Kosten fast das Doppelte
Freigabe der Straße 16. Oktober 2026, nachmittags

Warum hat der Abriss so lange gedauert?

Der Abriss der Weddinger Ruine verzögerte sich zunächst wegen geschützter Tiere. Im Sommer 2025 hatte der Bezirk bereits eine Fachfirma beauftragt, dann stoppten die Vorbereitungen: In dem Gebäude waren laut Entwicklungsstadt Haussperlinge, Mauersegler und Zwergfledermäuse nachgewiesen worden. Während der Brutzeit durfte nicht abgerissen werden. Das Bezirksamt betont, die Arbeiten hätten ab September 2025 unter strikter Berücksichtigung des Natur- und Artenschutzes stattgefunden. Danach bremsten die Statik und die Handarbeit das Tempo.

Was wird aus dem Grundstück?

Was auf dem Grundstück Burgsdorfstraße 1 neu entsteht, ist offen. Der Abriss diente laut Bezirksamt allein der Gefahrenabwehr; über eine Bebauung entscheidet die Eigentümerin. Das hatte Entwicklungsstadt bereits im Juni 2026 berichtet, die aktuelle Mitteilung des Bezirks nennt dazu ebenfalls nichts.

Wie es weitergeht

Ab dem Nachmittag des können Autos, Räder und Fußgänger die Straße wieder ohne Umweg nutzen. Offen bleibt die Abrechnung: Die Kosten von fast dem Doppelten der kalkulierten knapp 800.000 Euro fordert das Bezirksamt von der Eigentümerin zurück, ob und wann das Geld fließt, ist nicht bekannt. Weitere Meldungen aus dem Wedding und den anderen Ortsteilen findest du auf unserer Seite zum Bezirk Mitte, Hintergründe zu einzelnen Straßen im Berliner Straßenverzeichnis.

Quellen

Hannes Nagel

Redakteur Wirtschaft & Verkehr

Ich bin Hannes, und ich schreibe bei BerlinEcho über Wirtschaft und Verkehr – zwei Themen, die in Berlin enger zusammenhängen, als man denkt. Wer in einer Stadt wohnt, in der die BVG täglich ausläuft und gleichzeitig das teuerste …

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