Die Berliner Bürgermeister Geschichte reicht urkundlich bis ins 13. Jahrhundert zurück und spiegelt die wechselvolle Historie der Hauptstadt wider. Prägende Persönlichkeiten der Nachkriegszeit waren Ernst Reuter (Blockade) und Willy Brandt (Mauerbau). Nach der Wiedervereinigung gestalteten unter anderem Eberhard Diepgen, Klaus Wowereit und seit April 2023 Kai Wegner die Entwicklung Berlins vom Frontstadt-Symbol zur internationalen Metropole.
Das Wichtigste in Kürze
- Am 9. September 1948 hielt Ernst Reuter seine berühmte Rede vor über 300.000 Berlinerinnen und Berlinern.
- Die offizielle Amtsbezeichnung „Regierender Bürgermeister“ existiert in West-Berlin seit dem Jahr 1951.
- Eberhard Diepgen (CDU) ist mit einer Gesamtdauer von über 15 Jahren der am längsten amtierende Bürgermeister der Nachkriegszeit.
- Klaus Wowereit (SPD) regierte die Hauptstadt ununterbrochen für 13 Jahre von 2001 bis 2014.
- Seit dem 27. April 2023 führt Kai Wegner (CDU) die Hauptstadtregierung aus dem Roten Rathaus.
Welche Rolle spielte Ernst Reuter während der Berlin-Blockade?
Wenn Sie sich mit der Berliner Bürgermeister Geschichte befassen, ist Ernst Reuter eine zentrale Figur. Er führte West-Berlin durch die Zeit der sowjetischen Blockade und der darauffolgenden Luftbrücke. Seine legendäre Rede vor der Ruine des Reichstagsgebäudes im heutigen Bezirk Tiergarten (Mitte) vor über 300.000 Menschen ist unvergessen. Sein Appell lautete: „Ihr Völker der Welt … Schaut auf diese Stadt und erkennt, dass ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft, nicht preisgeben könnt!“ (Quelle: Bürgermeistergalerie Berlin.de).
| Merkmal | Daten zu Ernst Reuter |
|---|---|
| Lebensdaten | 1889 – 29. September 1953 |
| Partei | SPD |
| Amtszeit (West-Berlin) | 1948 – 1953 |
| Größte Meilensteine | Gründung der BVG (1928), Gründung der Freien Universität Berlin |
| Grabstätte | Ehrengrab auf dem Waldfriedhof Zehlendorf |
Reuters Einfluss auf die Infrastruktur der Stadt begann bereits lange vor seiner Amtszeit. Im Jahr 1926 übernahm er das Verkehrsressort im Berliner Magistrat und trieb 1928 die Fusion zur „Berliner Verkehrs-Aktien-Gesellschaft“ (BVG) voran. Unter seiner späteren Führung als Bürgermeister wurde zudem die Freie Universität Berlin (FU) in Dahlem gegründet. Dies geschah als Reaktion darauf, dass die historische Universität im sowjetischen Sektor unter kommunistischer Kontrolle stand. Als Reuter am 29. September 1953 starb, erwiesen ihm über eine Million Menschen die letzte Ehre.
Wie prägte Willy Brandt die Stadt zur Zeit des Mauerbaus?
Ein weiteres entscheidendes Kapitel der Berliner Bürgermeister Geschichte schrieb Willy Brandt. Er amtierte von 1957 bis 1966 als Regierender Bürgermeister von West-Berlin. Da das Rote Rathaus im Ostteil der Stadt lag, führte er die Amtsgeschäfte vom Rathaus Schöneberg aus. Seine Amtszeit war maßgeblich durch den Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 geprägt, ein traumatisches Ereignis für die Stadt. Brandt wurde in dieser Zeit zur tröstenden und zugleich fordernden Stimme der West-Berliner Bevölkerung.
Weltweite Bekanntheit erlangte der Platz vor dem Schöneberger Rathaus am 26. Juni 1963. An der Seite von Willy Brandt sprach US-Präsident John F. Kennedy dort seinen historischen Satz „Ich bin ein Berliner“. Persönlichkeiten wie Brandt gehören heute fest zu den historischen Berliner Originalen, die das Selbstverständnis der Stadt nachhaltig geformt haben.
Welche Bürgermeister gestalteten die Wiedervereinigung Berlins?
Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 brachte eine völlig neue Dynamik in die Berliner Bürgermeister Geschichte. Walter Momper (SPD), oft an seinem markanten roten Schal zu erkennen, war der Regierende Bürgermeister von West-Berlin, als sich die Grenzen öffneten. Er führte die Stadt durch die emotionalen ersten Monate der Wendezeit. Im Januar 1991 wurde er offiziell der erste Regierende Bürgermeister des wiedervereinigten Berlins, bevor er das Amt nach den ersten gesamtberliner Wahlen abgab.
Sein Nachfolger wurde Eberhard Diepgen (CDU). Diepgen ist ein Phänomen in der Hauptstadtpolitik: Er regierte West-Berlin bereits von 1984 bis 1989 und übernahm dann das wiedervereinigte Berlin von 1991 bis 2001. Mit insgesamt über 15 Jahren im Amt ist er der am längsten dienende Regierende Bürgermeister der Nachkriegszeit. Unter seiner Führung wuchsen die getrennten Stadthälften wieder zusammen.
Wie entwickelte sich Berlin unter Klaus Wowereit zur Kulturmetropole?
Im Juni 2001 begann mit Klaus Wowereit (SPD) eine neue Ära. Mit seinem berühmten Satz „Ich bin schwul, und das ist auch gut so!“ auf einem Sonderparteitag schrieb er nicht nur persönliche, sondern auch gesellschaftliche Berliner Bürgermeister Geschichte. Wowereit prägte den Slogan „Berlin ist arm, aber sexy“ und positionierte die Stadt neu.
In seinen 13 Amtsjahren bis 2014 entwickelte sich Berlin von einer stark verschuldeten und industriell schwachen Stadt zu einem Anziehungspunkt für die internationale Kreativ- und Startup-Szene sowie für Touristen. Bezirke wie Kreuzberg, Neukölln und Friedrichshain erlebten einen beispiellosen Aufschwung, der die Gastronomie- und Kulturlandschaft der Hauptstadt bis heute nachhaltig dominiert.
Wer regierte Berlin nach der Ära Wowereit bis heute?
Ende 2014 folgte Michael Müller (SPD) auf Klaus Wowereit. Er steuerte die Stadt durch die Jahre des starken Bevölkerungswachstums und die Herausforderungen der Corona-Pandemie. Im Dezember 2021 übernahm Franziska Giffey (SPD) als erste gewählte Regierende Bürgermeisterin das Rote Rathaus. Ihre Amtszeit war jedoch kurz, da es nach der Wiederholungswahl im Jahr 2023 zu einem historischen Regierungswechsel kam.

Seit dem 27. April 2023 ist Kai Wegner (CDU) der amtierende Regierende Bürgermeister von Berlin. Er führt eine schwarz-rote Koalition (Senat Wegner). Seine politischen Schwerpunkte liegen auf den Themen innere Sicherheit, Verwaltungsreform und dem Wohnungsbau, insbesondere in Außenbezirken wie Spandau und Marzahn-Hellersdorf.
Welche Regierenden Bürgermeister hatte Berlin seit 1948?
Um die Berliner Bürgermeister Geschichte im Überblick zu behalten, zeigt diese Tabelle alle Regierenden Bürgermeister Berlins (1948–1990 West-Berlin, ab 1990 Gesamt-Berlin) laut der offiziellen Auflistung der Senatskanzlei:
| Name | Partei | Amtszeit |
|---|---|---|
| Ernst Reuter | SPD | 1948 – 1953 |
| Walther Schreiber | CDU | 1953 – 1955 |
| Otto Suhr | SPD | 1955 – 1957 |
| Willy Brandt | SPD | 1957 – 1966 |
| Heinrich Albertz | SPD | 1966 – 1967 |
| Klaus Schütz | SPD | 1967 – 1977 |
| Dietrich Stobbe | SPD | 1977 – 1981 |
| Hans-Jochen Vogel | SPD | 1981 |
| Richard von Weizsäcker | CDU | 1981 – 1984 |
| Eberhard Diepgen | CDU | 1984 – 1989 & 1991 – 2001 |
| Walter Momper | SPD | 1989 – 1991 |
| Klaus Wowereit | SPD | 2001 – 2014 |
| Michael Müller | SPD | 2014 – 2021 |
| Franziska Giffey | SPD | 2021 – 2023 |
| Kai Wegner | CDU | seit 2023 |
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Häufige Fragen zur Berliner Bürgermeister Geschichte
Wer war alles Bürgermeister von Berlin?
Die Berliner Bürgermeister Geschichte umfasst Dutzende Namen. Zu den bekanntesten Regierenden Bürgermeistern seit 1948 zählen Ernst Reuter, Willy Brandt, Richard von Weizsäcker, Eberhard Diepgen, Walter Momper, Klaus Wowereit und Kai Wegner. Historisch reicht die Liste bis ins 13. Jahrhundert zurück.
Wer war die frühere Bürgermeisterin von Berlin?
Franziska Giffey (SPD) war von Dezember 2021 bis April 2023 die erste gewählte Regierende Bürgermeisterin in der Berliner Bürgermeister Geschichte. Sie übergab das Amt nach der Wiederholungswahl 2023 an Kai Wegner (CDU) und fungiert seither als Wirtschaftssenatorin.
Welcher Partei gehört der aktuelle Bürgermeister von Berlin an?
Der aktuell amtierende Regierende Bürgermeister Kai Wegner gehört der CDU an. Er führt seit dem 27. April 2023 eine schwarz-rote Koalition. Zuvor wurde das Rote Rathaus über zwei Jahrzehnte ununterbrochen von Politikern der SPD geführt.
Welcher war der erste Bürgermeister in Berlin?
Der erste urkundlich erwähnte Bürgermeister in der gesamten Berliner Bürgermeister Geschichte war Marsilius. Er wurde in Dokumenten aus den Jahren 1247 und 1253 als oberster Vertreter der Doppelstadt Berlin-Cölln genannt.
Wo ist der Amtssitz des Berliner Bürgermeisters?
Der offizielle Amtssitz ist das Rote Rathaus in Berlin-Mitte (Rathausstraße 15, 10178 Berlin). Während der deutschen Teilung regierten die West-Berliner Bürgermeister, wie Ernst Reuter und Willy Brandt, ersatzweise aus dem Rathaus Schöneberg am John-F.-Kennedy-Platz.
Fazit
Die Berliner Bürgermeister Geschichte zeigt eindrücklich, wie stark einzelne Persönlichkeiten die Entwicklung der größten deutschen Metropole gelenkt haben. Von Ernst Reuters couragiertem Einsatz für die Freiheit West-Berlins während der Blockade 1948 bis zu den aktuellen stadtplanerischen Herausforderungen unter Kai Wegner – das Amt im Roten Rathaus erfordert stets Weitblick und Krisenfestigkeit. Die Biografien der Bürgermeister sind untrennbar mit der Geschichte der Stadt und ihrer Bezirke verbunden. Wer die historischen Spuren in Schöneberg oder Mitte verfolgt, erkennt schnell, dass Berliner Kommunalpolitik oft auch ein Stück Weltgeschichte geschrieben hat.




