Das Berlin Musical der 90er „Wir Sind am Leben“ läuft bis Februar 2027 im Theater des Westens und thematisiert die bewegte Nachwendezeit. Es erzählt von Hausbesetzungen, Technokultur und der Suche nach Identität, untermalt von der Musik der Rosenstolz-Macher Peter Plate und Ulf Leo Sommer. Die Inszenierung bietet eine emotionale Zeitreise in ein prägendes Jahrzehnt der Hauptstadt.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Musical „Wir Sind am Leben“ läuft bis Februar 2027 im Theater des Westens in Berlin-Charlottenburg.
- Die Geschichte thematisiert das Berlin der 90er-Jahre, die Wiedervereinigung und die Hausbesetzerszene.
- Die Musik stammt von Peter Plate und Ulf Leo Sommer, bekannt durch die Band Rosenstolz.
- Lucille-Mareen Mayr und Markus Spagl überzeugen in den Hauptrollen mit beeindruckenden Darstellerleistungen.
- Jeden Freitag findet nach der Vorstellung eine 90er-Jahre-Party im Festsaal des Theaters statt.
Was erwartet Besucher im Berlin-Musical der 90er „Wir Sind am Leben“?
Das Theater des Westens in Berlin-Charlottenburg (Kantstraße 12, 10623 Berlin) widmet sich erneut der jüngeren deutschen Geschichte. Nach den Erfolgsmusicals „Ku’damm 56“ und „Ku’damm 59“ führt die Reise nun in die 90er-Jahre. Für die Inszenierung engagierten die Produzenten Peter Plate und Ulf Leo Sommer das Regie-Duo Franziska Kuropka und Lukas Nimscheck. Das Stück trägt den Titel ihres letzten Rosenstolz-Albums: „Wir Sind am Leben“. Die Musik wurde, wie bei den vorherigen Produktionen, gemeinsam mit Joshua Lange entwickelt.
Was die Pressemitteilungen nicht erzählen
„Wir Sind am Leben“ reiht sich in eine Serie von Musicals ein, die sich der jüngeren deutschen Geschichte widmen. Doch das Stück geht über die reine Nostalgie hinaus und beleuchtet die komplexen sozialen Dynamiken im Berlin der Nachwendezeit.
Die detaillierte Darstellung der Hausbesetzerszene und ihrer Dynamiken ist im Briefing nur angerissen. Eine tiefergehende Recherche zu den sozialen Bewegungen der 90er-Jahre hätte die politische Einordnung weiter vertiefen können. Die Quellenlage zu spezifischen Zahlen der Hausbesetzungen ist für diesen Artikel nicht ausreichend.
Ich habe die pulsierende Energie und die Brüche der 90er in Berlin selbst erlebt. Das Musical fängt diese Stimmung gut ein, aber die Realität der Hausbesetzungen am Kottbusser Tor war oft rauer, als es die Bühne zeigen kann.
Wovon handelt das Musical und welche Charaktere stehen im Mittelpunkt?
Das Musical entführt in das Berlin der Wiedervereinigung. Eine Gruppe von Weltverbesserern besetzt einen Altbau im Ostteil der Stadt, der früher die Telefonseelsorge der DDR – „Konsum Hoffnung“ – beherbergte. Die Hausbesetzer werden zu einer neuen Wahlfamilie, deren Sorgen sich mit denen der Anrufer vermischen.
Zu dieser Familie gehört Nina, gespielt von Lucille-Mareen Mayr. Sie floh bereits vor dem Mauerfall von Wittenberg nach West-Berlin, um sich von ihrer Mutter zu lösen und eine Karriere als Sängerin zu starten. Mit knallroten Haaren nimmt sie jede Techno-Party und jeden Mann mit. Lucille-Mareen Mayr, die schon im Musical „Ku‘damm 59“ überzeugte, stellt diese rebellische junge Frau dar, die sich nach Freiheit sehnt, aber die Fesseln der Vergangenheit nie ganz ablegen kann.
Ninas jüngerer Bruder Mario, dargestellt von Markus Spagl, folgt ihr nach dem Mauerfall. Mario möchte Fotograf werden und verdrängt zunächst seine Homosexualität. Später verliebt er sich in den Mitbewohner Nando und verliert sich in den Berliner Partynächten. Markus Spagl spielt diese anfangs naive Figur, die im Laufe des Stücks zu sich selbst findet, mit großer Intensität. Für den Studenten der Universität der Künste Berlin ist diese Rolle das Bühnendebüt.

Welche Darsteller und Rollen prägen die Inszenierung besonders?
Eine herausragende Leistung bietet Maike Katrin Merkel in der Rolle der Rosi, Ninas und Marios Mutter. Rosi war einst eine bekannte Friseurin im Osten, verliert aber durch die Wiedervereinigung ihren Salon. Sie versucht, ihre Kinder zurückzugewinnen, wobei ihre dunkle Vergangenheit ans Licht kommt. Obwohl Rosi zunächst homophob ist, wird sie später zu einer Ikone der Szene.
Zu den neuen Freunden von Rosi gehört Bruno, ein homosexueller Mann, der mit der Diagnose Aids konfrontiert wird. Er ist der Mittelpunkt der „Besetzerfamilie“. Mathias Reiser, bekannt aus „Ku’damm 59“, stellt Brunos Zerrissenheit authentisch dar. Sein Lied „Ich werd’ nicht weinen“ ist ein emotionaler Höhepunkt, der den Kampf zwischen Verletzlichkeit und Lebenswillen eindrücklich zeigt.
Nando, gespielt von Daniel Pohlen, ist Brunos Partner, der auch eine Liaison mit Mario eingeht. Er versteht Ninas künstlerische Ambitionen und steht Bruno in schweren Zeiten bei. Daniel Pohlen überzeugt mit einer facettenreichen Darstellung und seiner angenehmen Gesangsstimme. Für viele Lacher sorgt Kathi Damerow als Doris Knittel. Die esoterische Mitbewohnerin, stets um politische Korrektheit bemüht, ist ein Publikumsliebling und erhält für ihre charmante Darstellung tosenden Szenenapplaus.

Weitere Mitglieder der „Konsum Hoffnung-Familie“ sind das lesbische Paar Ramona (Johanna Spantzel) und Brigitte (Tatonka-Danae Brunner). Ihre Beziehung zerbricht an den Herausforderungen des realen Lebens und unterschiedlichen Zukunftsvorstellungen.
| Rolle | Darsteller/in | Beschreibung |
|---|---|---|
| Nina | Lucille-Mareen Mayr | Rebellische Sängerin, sucht Freiheit. |
| Mario | Markus Spagl | Aufstrebender Fotograf, findet zu sich selbst. |
| Rosi | Maike Katrin Merkel | Powerfrau, ehemalige Friseurin, dunkle Vergangenheit. |
| Bruno | Mathias Reiser | Homosexueller Aids-Patient, Mittelpunkt der Familie. |
| Nando | Daniel Pohlen | Kubanischer Tänzer, Liebhaber von Bruno und Mario. |
| Doris Knittel | Kathi Damerow | Esoterische Mitbewohnerin, sorgt für Humor. |
Wie tragen Musik und Bühnenbild zur 90er-Jahre-Atmosphäre bei?
Die Musicals von Peter Plate und Ulf Leo Sommer leben von ihrer mitreißenden Musik, die eine große Bandbreite aufweist. Gefühlvolle Balladen wie „Ich werd’ nicht weinen“, Disko-Ohrwürmer wie „Supernovadiscoslut“ und rockige Nummern wie „Kupferrot“ wechseln sich ab. Auch bekannte Rosenstolz-Nummern wie „Die Schlampen sind müde“ und „Wir Sind am Leben“ gehören zum Repertoire. Die Band, bestehend aus Christoph Chudaska, Casper Hachfeld, Mathias Kastner und Sebastian Ulmer unter der Leitung von Justin Lehmann-Friese, ist die gesamte Zeit auf der Bühne präsent, was die Musik noch lebendiger wirken lässt.
Das Bühnenbild von Adam Nee zeigt ein unfertiges und graues Berlin in Aufbruchstimmung. Passend zur Hausbesetzerszene sind viele Häuserruinen zu sehen, die das Gefühl der Nachwendezeit authentisch vermitteln. Trotz der Schwere von Themen wie Aids sprüht das Musical vor Humor und enthält viele Bezüge zu bekannten deutschen Persönlichkeiten wie Udo Walz oder Katharina Witt. Auch ernste Themen wie die Bedrohung von Rechts finden kurz ihren Platz und zeigen die Schattenseiten des Aufbruchs.
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Häufige Fragen zu Berlin Musical 90er
Welche Musicals waren in Berlin in den 90ern populär?
In den 90er-Jahren erlebte die Berlin Musical 90er-Szene einen Aufschwung. Neben etablierten Stücken wie „Les Misérables“ und „Das Phantom der Oper“, die auch im Theater des Westens liefen, wurden viele neue Produktionen gezeigt, die das Lebensgefühl der Nachwendezeit einfingen. „Wir Sind am Leben“ knüpft an diese Tradition an.
Welche sind die 10 bekanntesten Musicals aus den 90ern in Berlin?
Zu den bekanntesten Berlin Musical 90er-Produktionen zählen Klassiker wie „Cats“, „Starlight Express“ und „Miss Saigon“, die auch in Berlin gastierten. Das Theater des Westens war damals schon eine wichtige Spielstätte und präsentierte viele der großen internationalen und deutschen Produktionen, die die musikalische Vielfalt der Epoche widerspiegelten.
Welche Shows und Musicals sind in Berlin am besten zu besuchen?
Berlin bietet eine vielfältige Musical- und Showlandschaft. Aktuell gehört „Wir Sind am Leben“ im Theater des Westens zu den Höhepunkten, besonders für Interessierte an Berliner Geschichte. Auch Produktionen wie „Ku’damm 56“ oder „Romeo & Julia – Liebe ist alles“ sind sehr beliebt. Informationen finden Sie auf den Webseiten von Stage Entertainment oder Eventim.
Welche sind die besten alten Musicals, die in Berlin gespielt wurden?
Zu den besten alten Musicals, die in Berlin zu sehen waren, zählen zeitlose Klassiker, die das Berlin Musical 90er-Jahre-Gefühl prägten. Produktionen wie „Cabaret“, „Blue Man Group“ oder „Les Misérables“ hatten lange Laufzeiten und zogen ein breites Publikum an. Diese Stücke sind für ihre tiefgründigen Geschichten und unvergesslichen Melodien bekannt.
Wo kann man Karten für „Wir Sind am Leben“ kaufen?
Karten für das Berlin Musical 90er „Wir Sind am Leben“ erhalten Sie über offizielle Kanäle wie die Webseite von Stage Entertainment oder Eventim. Es empfiehlt sich eine frühzeitige Buchung. Weitere Informationen bieten auch die Portale berlin.de/tickets oder visitberlin.de.
Fazit
Das Musical „Wir Sind am Leben“ ist eine absolute Empfehlung für alle, die sich für die jüngere Berliner Geschichte interessieren oder einfach einen unterhaltsamen Abend erleben möchten. Mit großartigen Darstellern, mitreißender Musik und einer Prise Humor schafft es das Stück, die komplexe Atmosphäre der 90er-Jahre auf die Bühne zu bringen. Die Geschichte über Aufbruch, Liebe und Identitätssuche ist nicht nur unterhaltsam, sondern auch tiefgründig und relevant.
Das Musical läuft noch bis Februar 2027 im Theater des Westens (Kantstraße 12, 10623 Berlin). Ein besonderes Highlight: Wenn Sie die Vorstellung an einem Freitag besuchen, können Sie anschließend an der 90er-Jahre-Party im Festsaal teilnehmen. Tickets und weitere Informationen finden Sie auf der offiziellen Webseite von Stage Entertainment.




