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Pankow · Gesellschaft

Kinderzähne in Pankow: 88 Prozent der Dreijährigen kariesfrei

Der neue Zahngesundheitsbericht zeigt: Pankows Sechsjährige haben die gesündesten Zähne Berlins. Doch Karies ballt sich bei wenigen Kindern – vor allem in Buch und Weißensee Ost.

Ida Nagel Veröffentlicht
Bunte Becher mit Kinderzahnbürsten stehen auf einer Ablage über einem Waschbecken im hellen Waschraum.
In Pankower Kindertagesstätten gehört das tägliche Zähneputzen für die Kleinsten inzwischen fest zum Kita-Alltag. (KI-generiertes Symbolbild)
Inhalt (7 Abschnitte)
  1. Wie gesund sind die Zähne der Pankower Kinder?
  2. Was heißt Kariesschieflage?
  3. Wo in Pankow haben Kinder die gesündesten Zähne?
  4. Was ändert sich in Kitas und Schulen?
  5. Was können Eltern tun?
  6. Wie es weitergeht
  7. Quellen

Im Bezirk Pankow hatten im Schuljahr 2024/2025 laut Zahngesundheitsbericht des Bezirksamts 87,6 Prozent der untersuchten Dreijährigen ein kariesfreies Gebiss, bei den Sechsjährigen waren es 70,6 Prozent – der beste Wert aller zwölf Berliner Bezirke. Zugleich konzentriert sich Karies auf eine kleine Gruppe: Betroffene Dreijährige haben im Schnitt 3,64 kranke Milchzähne.

Pankows Kinder haben im Berliner Vergleich ausgesprochen gesunde Zähne – aber nicht alle. Das zeigt der Zahngesundheitsbericht 2015–2025, den das Bezirksamt Pankow am veröffentlicht hat. Ausgewertet hat der Zahnärztliche Dienst des Gesundheitsamts die Reihenuntersuchungen in Kitas und Schulen aus zehn Schuljahren. Die Zahl der Untersuchungen stieg in dieser Zeit von rund 22.500 auf rund 33.000 pro Jahr. Die gute Nachricht: Bei Drei-, Sechs- und Zwölfjährigen ist die durchschnittliche Karieslast niedrig und teils deutlich besser als im Berliner Schnitt. Die schlechte: Wer Karies hat, hat immer mehr davon.

Wie gesund sind die Zähne der Pankower Kinder?

Die Zähne der Pankower Kinder sind laut Bericht in allen drei untersuchten Altersgruppen gesünder als im Berliner Durchschnitt. Bei den Sechsjährigen liegt Pankow sogar vorn: 70,6 Prozent hatten im Schuljahr 2024/2025 naturgesunde Zähne, berlinweit waren es 60,3 Prozent. Zehn Jahre zuvor lag der Pankower Wert noch bei 63,3 Prozent.

Zahngesundheit von Kindern in Pankow, Schuljahr 2024/2025 (Quelle: Zahngesundheitsbericht Pankow, Stand Oktober 2026)
Altersgruppe Untersuchte Kinder Naturgesundes Gebiss Kariöse Zähne je Kind (alle) Kariöse Zähne je betroffenem Kind
3-Jährige 2.147 87,6 % 0,42 3,64
6-Jährige k. A. 70,6 % (Berlin: 60,3 %) 1,14 (Berlin: 1,73) 4,04
12-Jährige 1.805 66,0 %* 0,49 (Berlin: 0,78) 2,18

* Bei den Zwölfjährigen zählt die Berliner Erfassungssoftware seit 2024/2025 auch verbliebene Milchzähne mit; der Wert ist deshalb nicht mit den Vorjahren vergleichbar. Bis 2023/2024 hatten 79,5 Prozent der Zwölfjährigen kariesfreie bleibende Zähne – Platz zwei in Berlin. Bei der Karieserfahrung der bleibenden Zähne liegt nur Steglitz-Zehlendorf besser.

Was heißt Kariesschieflage?

Kariesschieflage bedeutet, dass sich die Karies auf eine kleine Gruppe von Kindern konzentriert, während die große Mehrheit kariesfrei bleibt. Bei den Dreijährigen betrifft das 10 bis 12 Prozent der Kinder. Ihre durchschnittliche Zahl kariöser, gefüllter oder fehlender Milchzähne stieg seit 2015/2016 von 2,60 auf 3,64. Bei den betroffenen Sechsjährigen sind es im Schnitt 4,04 Zähne – auch dieser Wert hat über den Zeitraum zugenommen, während der Durchschnitt aller Sechsjährigen sank.

Für den Bezirk ist das die eigentliche Botschaft des Berichts. Bezirksbürgermeisterin Cordelia Koch (Grüne) sagt in der Pressemitteilung, man dürfe die Kinder mit besonders hohem Kariesrisiko nicht aus dem Blick verlieren. Gute Durchschnittswerte verdecken das Problem: Der übliche Index rechnet die vielen gesunden Gebisse mit und lässt die Belastung der Risikogruppe kleiner aussehen, als sie ist.

Wo in Pankow haben Kinder die gesündesten Zähne?

Die gesündesten Kinderzähne gibt es laut Bericht in den Bezirksregionen Helmholtzplatz (75,6 Prozent naturgesunde Gebisse über alle Altersgruppen) und Prenzlauer Berg Nord (72,3 Prozent). Am anderen Ende stehen Buch mit 56,3 und Weißensee Ost mit 50,4 Prozent – dort hat also nur gut jedes zweite untersuchte Kind ganz gesunde Zähne.

Der Bericht stellt die Werte neben einen Armutsindikator: den Anteil der unter 15-Jährigen, deren Familien Bürgergeld beziehen. Am Helmholtzplatz waren das 2024 nur 5,7 Prozent, in Weißensee Ost 18,9 und in Buch 22,0 Prozent. Der Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Zahngesundheit ist damit auch innerhalb eines Bezirks deutlich sichtbar. Pankow insgesamt liegt mit 11,3 Prozent weit unter Mitte, Spandau und Neukölln mit jeweils über 30 Prozent.

Was ändert sich in Kitas und Schulen?

In Berliner Kitas ist das tägliche Zähneputzen seit einer Änderung des Kindertagesförderungsgesetzes (KitaFöG) Pflicht; die Neuregelung gilt seit dem . Zugleich wurde für die zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchungen in der Kita eine Widerspruchslösung eingeführt: Alle Kinder werden untersucht, sofern die Eltern nicht ausdrücklich widersprechen. Eine schriftliche Einwilligung ist nicht mehr nötig.

Für die Schulen gilt: Die Untersuchung durch den Zahnärztlichen Dienst ist verbindlich. An Schulen mit erhöhter Kariesbelastung kommt eine kostenlose Fluoridierung hinzu, bis zu dreimal pro Schuljahr – allerdings nur mit schriftlichem Einverständnis der Eltern. Stand Mai 2026 waren 23 der 78 betreuten Pankower Schulen solche Fluoridschulen. Das Programm „Kita mit Biss“ mit Zähneputzen nach dem Essen, zahngesundem Frühstück und zuckerfreien Getränken haben im Schuljahr 2025/2026 88 der 310 Pankower Kitas, also gut jede vierte, als Zertifikat.

Das Bezirksamt will das Zähneputzen in allen Kitas durchsetzen und den Zugang zu kostenlosem Trinkwasser verbessern, vor allem an weiterführenden Schulen. Berlinweit haben die Wasserbetriebe laut Bericht bisher rund 450 Grund- und Förderschulen mit Trinkwasserspendern ausgestattet.

Was können Eltern tun?

Eltern in Pankow bekommen nach jeder Reihenuntersuchung eine schriftliche Rückmeldung des Zahnärztlichen Dienstes – diesen Zettel solltest du ernst nehmen, vor allem bei „behandlungsbedürftig“. Steht deine Schule auf der Fluoridliste, lohnt es sich, die Einverständniserklärung zurückzugeben. Bei Fragen hilft der Zahnärztliche Dienst des Gesundheitsamts Pankow.

Unabhängig von Kita und Schule zahlen die gesetzlichen Krankenkassen zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen ab dem sechsten Lebensmonat: drei bis zum 34. Lebensmonat, drei weitere bis zum sechsten Geburtstag, wie der Gemeinsame Bundesausschuss 2019 beschlossen hat. Seit einem G-BA-Beschluss vom Januar 2024 ist das Auftragen von Fluoridlack für alle Kinder bis zum sechsten Geburtstag Kassenleistung, egal wie hoch das Kariesrisiko eingeschätzt wird. Wer die Kita-Platzsuche noch vor sich hat, findet die Grundlagen in unserem Überblick zu Kitas in Berlin; weitere Nachrichten aus dem Bezirk stehen auf der Pankow-Seite.

Wie es weitergeht

Das nationale Mundgesundheitsziel für 2030 sieht 90 Prozent kariesfreie Dreijährige, 80 Prozent kariesfreie Sechs- bis Siebenjährige und 90 Prozent Zwölfjährige mit kariesfreien bleibenden Zähnen vor. Pankow erreicht laut Bericht keinen der drei Anteilswerte ganz, bei den Dreijährigen fehlen noch 2,4 Prozentpunkte. Die Zielwerte für die durchschnittliche Zahl kariöser Zähne erfüllt der Bezirk dagegen bei den Sechs- bis Siebenjährigen (1,33 bei einem Ziel von höchstens 1,5) und den Zwölfjährigen (0,49, Ziel unter 0,5). Durch die Widerspruchslösung in den Kitas erwartet der Zahnärztliche Dienst ab dem laufenden Schuljahr mehr untersuchte Kinder – und damit genauere Daten über die Risikogruppe.

Quellen

Ida Nagel

Redakteurin Gesellschaft & Wohnen

Hallo, ich bin Ida, und bei BerlinEcho bin ich zuständig für Gesellschaft und Wohnen – also für die Themen, die im Alltag meiner Mitmenschen am meisten präsent sind: Wo finde ich eine Wohnung, die ich mir leisten kann? …

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