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Spandau · Politik

Windräder in Gatow: Spandau ruft zu Einwänden bis 12. Dezember auf

Der Senat hat die möglichen Windenergie-Gebiete in Berlin auf vier halbiert, die Gatower Rieselfelder bleiben drin. Spandau kündigt Widerstand an und ruft zur Beteiligung bis 12. Dezember auf.

Maik Möhring Veröffentlicht
Weite Wiesen und Heideflächen der Gatower Rieselfelder mit einem unbefestigten Feldweg unter trübem Novemberhimmel.
Die Gatower Rieselfelder bleiben trotz des bezirklichen Protests im Berliner Plan für potenzielle Windkraftflächen. (KI-generiertes Symbolbild)
Inhalt (7 Abschnitte)
  1. Welche vier Windenergie-Gebiete plant der Senat noch?
  2. Warum lehnt Spandau die Rieselfelder als Standort ab?
  3. Was die Zahlen für Gatow bedeuten
  4. Wie können Spandauer bis zum 12. Dezember mitreden?
  5. Wie es weitergeht
  6. Häufige Fragen zu Windrädern in Gatow
  7. Quellen

Die Gatower Rieselfelder in Spandau bleiben einer von vier möglichen Standorten für Windräder in Berlin. Der Senat hat seine Planung von acht auf vier Gebiete mit zusammen rund 310 Hektar verkleinert. Vom 9. November bis 12. Dezember 2026 kann jede und jeder Einwendungen abgeben. Das Bezirksamt Spandau lehnt den Standort ab und ruft zur Beteiligung auf.

Spandau sagt weiter Nein. Am hat das Bezirksamt Spandau angekündigt, auch gegen die überarbeiteten Windrad-Pläne des Senats für die Gatower Rieselfelder vorzugehen – «fachlich und politisch», wie es in der Pressemitteilung des Bezirksamts heißt. Der Hintergrund: Der Senat hat die Zahl möglicher Windenergiegebiete in Berlin von acht auf vier halbiert, hält aber an den Rieselfeldern Gatow/Karolinenhöhe fest. Vom bis zum läuft die zweite öffentliche Beteiligung. In dieser Zeit kann jede Berlinerin und jeder Berliner Einwände einreichen.

Bezirksbürgermeister Frank Bewig nennt die Rieselfelder «ein Natur- und Erholungsparadies – kein Standort für Windräder». Baustadtrat Thorsten Schatz argumentiert, Berlin brauche die Flächen selbst für den ökologischen Ausgleich von Bauvorhaben an anderer Stelle.

Welche vier Windenergie-Gebiete plant der Senat noch?

Der Senat plant nach der Überarbeitung vier Windenergiegebiete in drei Bezirken: Blankenfelde/Arkenberge und Buchholz Nord in Pankow, die Krummendammer Heide in Treptow-Köpenick und die Rieselfelder Gatow/Karolinenhöhe in Spandau. Gestrichen wurden laut Berliner Zeitung der Teufelsberg, der Grunewald, der Landschaftsraum Wartenberg/Falkenberg und die Jungfernheide.

Windenergie-Planung für Berlin im Vergleich, Stand: 4. November 2026 (Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen; Berliner Zeitung; Entwicklungsstadt)
Planungsstand Gebiete Fläche Beteiligung
Erster Entwurf (2025) 8 Gebiete in 7 Bezirken rund 596 Hektar 10. Juni bis 11. Juli 2025
Überarbeiteter Entwurf (2026) 4 Gebiete in 3 Bezirken rund 310 Hektar 9. November bis 12. Dezember 2026
Pflicht bis Ende 2027 0,25 % der Landesfläche, rund 223 Hektar –
Pflicht bis Ende 2032 0,5 % der Landesfläche, rund 446 Hektar –

Wie groß der Spandauer Anteil an den 310 Hektar ist, geht aus den bisher veröffentlichten Angaben nicht hervor. Der Senat hat außerdem den Mindestabstand der Gebiete zu Wohnsiedlungen auf 750 Meter erhöht.

Warum lehnt Spandau die Rieselfelder als Standort ab?

Das Bezirksamt Spandau begründet sein Nein mit Naturschutz, Erholung und dem Flächenbedarf für ökologische Ausgleichsmaßnahmen. Die Rieselfelder seien ein geschützter Landschaftsraum, Lebensraum zahlreicher Tierarten und ein beliebtes Ausflugsziel im Westen der Stadt. Zugleich gehören sie zur Berliner Ausgleichskonzeption – dort soll Natur entwickelt werden, um Eingriffe durch Bauprojekte anderswo in Berlin auszugleichen. Schon die vom Senat beauftragten Gutachten weisen laut Bezirksamt auf «erhebliche Konflikte» mit dem Natur- und Artenschutz hin.

Der Widerstand ist nicht neu. In der ersten Beteiligung im Sommer 2025 gingen nach Angaben der Stadtentwicklungsverwaltung rund 2.600 Stellungnahmen ein, berichtete die Deutsche Presse-Agentur. Dazu kamen zwei Listen mit zusammen rund 2.700 Unterschriften, die sich gegen Wartenberg/Falkenberg und gegen die Rieselfelder Karolinenhöhe richteten. Wartenberg ist inzwischen gestrichen. Gatow nicht.

Was die Zahlen für Gatow bedeuten

  • Berlin hat wenig Spielraum: Bis Ende 2032 muss das Land rund 446 Hektar nachweisen, die neue Planung umfasst nur rund 310. Für 2027 reicht sie, für 2032 fehlen nach dieser Rechnung noch rund 136 Hektar.
  • Jede gestrichene Fläche erhöht den Druck auf die verbliebenen. Fällt Gatow auch noch weg, sinkt die Kulisse weiter in Richtung der Mindestmarke von 223 Hektar für 2027.
  • Verfehlt Berlin die Vorgabe, greift laut Senatsverwaltung ein gesetzlicher Automatismus, der die Steuerung, wo Windräder entstehen dürfen, schwieriger macht.

Wie können Spandauer bis zum 12. Dezember mitreden?

Die öffentliche Beteiligung zur Änderung des Flächennutzungsplans «Windenergie in Berlin» läuft vom 9. November bis einschließlich 12. Dezember 2026 online. Das Bezirksamt verweist auf mein.berlin.de; Hintergründe, Karten und Antworten auf häufige Fragen stehen auf der Verfahrensseite der Senatsverwaltung. Nach einem Bericht von Entwicklungsstadt liegen die Unterlagen zusätzlich werktags von 8 bis 16 Uhr in der Württembergischen Straße 6 in Wilmersdorf aus.

Besonders gefragt sind laut Bezirksamt konkrete Hinweise zum Natur- und Artenschutz, zur Erholungsnutzung und zu den Ausgleichsflächen. Eine pauschale Ablehnung zählt in einem Planverfahren weniger als eine begründete Beobachtung – etwa, welche Tiere du dort regelmäßig siehst oder wie du das Gebiet nutzt. Befürworter von Windkraft können sich ebenso äußern.

Wie es weitergeht

Nach dem 12. Dezember 2026 wertet die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen die Stellungnahmen aus. Die endgültige Entscheidung über die Änderung des Flächennutzungsplans sollen Senat und Abgeordnetenhaus Ende 2027 treffen. Selbst dann wäre in Gatow noch kein Windrad genehmigt: Für jede Anlage braucht es ein eigenes Verfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz. Weitere Nachrichten aus dem Bezirk findest du unter Spandau, Landespolitisches unter Politik.

Häufige Fragen zu Windrädern in Gatow

Wie kann ich eine Stellungnahme zu den Windrad-Plänen abgeben?

Stellungnahmen zur Änderung des Flächennutzungsplans «Windenergie in Berlin» gehen vom 9. November bis einschließlich 12. Dezember 2026 online über die Beteiligungsplattform mein.berlin.de bzw. das Planungsportal des Landes. Nach Medienberichten liegen die Unterlagen außerdem werktags von 8 bis 16 Uhr in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in der Württembergischen Straße 6 in Wilmersdorf aus. Wichtig ist, dass die Einwendung sachlich begründet ist, zum Beispiel mit Beobachtungen zu Vögeln, Fledermäusen oder zur Nutzung als Ausflugsgebiet.

Werden in Gatow jetzt Windräder gebaut?

Nein, nicht automatisch. Die Änderung des Flächennutzungsplans weist nur Gebiete aus, in denen Windräder grundsätzlich zulässig wären. Ob und wann dort tatsächlich Anlagen entstehen, hängt von einem Investor und einer eigenen Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz ab. Darauf weist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen ausdrücklich hin. Die Entscheidung über den Plan selbst sollen Senat und Abgeordnetenhaus nach bisheriger Planung Ende 2027 treffen.

Wie weit müssen Windräder von Wohnhäusern entfernt sein?

Für die überarbeitete Planung hat der Senat den Abstand der Windenergiegebiete zu Siedlungsflächen auf 750 Meter erhöht, berichten die Berliner Zeitung und das Portal Entwicklungsstadt übereinstimmend. Wie hoch mögliche Anlagen in Gatow wären und wie viele dort Platz hätten, ist nach Angaben des Senats noch offen. In der ersten Planungsrunde 2025 war in Berichten von Anlagen bis zu 230 Metern Höhe die Rede.

Warum muss Berlin überhaupt Flächen für Windräder ausweisen?

Berlin ist durch das Windenergieflächenbedarfsgesetz des Bundes verpflichtet, bis Ende 2027 mindestens 0,25 Prozent und bis Ende 2032 insgesamt 0,5 Prozent der Landesfläche als Windenergiegebiete auszuweisen, das sind rund 446 Hektar. Schafft ein Land das nicht, greift nach Angaben des Senats ein gesetzlicher Automatismus, der die räumliche Steuerung von Windrädern erschwert. Flächenländer müssen im Schnitt 2 Prozent ihrer Fläche bereitstellen.

Quellen

Maik Möhring

Verantwortlicher & Chefredakteur

Moin, ich bin Maik – Gründer von BerlinEcho und verantwortlicher Redakteur. Ich baue seit Jahren digitale Medien auf, die ich wirklich für notwendig halte: unabhängig, ohne Konzernlogik im Rücken, mit echten Menschen dahinter. Berlin fasziniert mich als Stadt …

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