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Tempelhof-Schöneberg · Berlin

Klimaanpassung in Berlin: Kongress am 5. November im Überblick

Am 5. November 2026 tagt der Berliner Klimaanpassungskongress auf dem EUREF-Campus. Was auf dem Programm steht, was das Klimaanpassungsgesetz regelt und wie heiß Berlin schon geworden ist.

Maik Möhring Veröffentlicht
Ein schattiger Platz mit jungen Bäumen, Holzbänken und hellem Kiesboden vor Berliner Altbaufassaden im Sommerlicht.
Entsiegelte Flächen und schattenspendende Bäume sollen Berlins dicht bebaute Kieze an heißen Sommertagen abkühlen. (KI-generiertes Symbolbild)
Inhalt (8 Abschnitte)
  1. Wer spricht beim Klimaanpassungskongress?
  2. Was regelt das Berliner Klimaanpassungsgesetz?
  3. Wie stark hat sich Berlin schon erwärmt?
  4. Was hat der Senat bisher unternommen?
  5. Was bedeutet das für Berlinerinnen und Berliner?
  6. Wie es weitergeht
  7. Häufige Fragen zum Klimaanpassungskongress
  8. Quellen

Der Berliner Klimaanpassungskongress findet am Donnerstag, 5. November 2026, in der Werkstatt auf dem EUREF-Campus in Schöneberg statt. Rund 200 Fachleute beraten über den Schutz vor Hitze und Starkregen. Einlass ist um 9:30 Uhr, Programmbeginn um 10:00 Uhr, die Teilnahme ist kostenfrei, ein Livestream läuft auf YouTube.

Wie wappnet sich Berlin gegen Hitzesommer und Wolkenbrüche? Darüber diskutieren am rund 200 Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verbänden, Zivilgesellschaft, Bezirken und Verwaltung. Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt hat den Kongress am 3. November angekündigt. Im Mittelpunkt steht die praktische Umsetzung: mehr Schatten, entsiegelte Flächen und Regenwasserrückhalt in den Quartieren.

  • Termin: Donnerstag, 5. November 2026, Einlass 9:30 Uhr, Programmbeginn 10:00 Uhr
  • Ort: Werkstatt auf dem EUREF-Campus, Schöneberg (Bezirk Tempelhof-Schöneberg)
  • Teilnahme kostenfrei, zusätzlich Livestream auf YouTube
  • Rechtsgrundlage: Berliner Klimaanpassungsgesetz (KAnGBln) vom November 2025

Wer spricht beim Klimaanpassungskongress?

Den Kongress eröffnet Senatorin Ute Bonde. Staatssekretär Andreas Kraus, zuständig für Klimaschutz und Umwelt, sagt laut Mitteilung: „Unser Ziel ist ein Berlin, das mit Hitze und Starkregen besser umgehen kann und auch künftig lebenswert bleibt.“ Dafür müssten Stadtgrün, Wasser, Gesundheitsschutz und Stadtentwicklung zusammenwirken.

Programmbeiträge laut Senatsverwaltung, Stand: 3. November 2026
Name Funktion
Prof. Anders Levermann Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
Dr. med. Peter Bobbert Präsident der Ärztekammer Berlin, Vorstandsmitglied der Bundesärztekammer
Prof. Aletta Bonn Berliner Landesbeauftragte für Naturschutz und Landschaftspflege, UFZ
Anton Nikitin Chief Sustainability Officer der litauischen Hauptstadt Vilnius
Giulia Castellazzi Agentur für Mobilität, Umwelt und Stadtplanung der Stadt Mailand
Prof. Andreas Kipar Chef des Planungsbüros LAND

Auf dem „Marktplatz der Lösungen“ stellen Akteure eigene Projekte vor. Die Gäste aus Vilnius und Mailand sollen zeigen, welche Ansätze andernorts funktionieren und unter welchen Bedingungen sie sich auf Berlin übertragen lassen. Besonderes Augenmerk gilt dicht bebauten, stark versiegelten Quartieren und Menschen, die sich selbst nur begrenzt vor Hitze schützen können.

Was regelt das Berliner Klimaanpassungsgesetz?

Das Berliner Klimaanpassungsgesetz (KAnGBln) gibt dem Land erstmals einen verbindlichen Rahmen, um Bevölkerung, Infrastruktur und Stadtnatur vor Hitze, Dürre und Starkregen zu schützen. Ausgefertigt wurde es am 7. November 2025, im Gesetzblatt stand es am 20. November 2025 (Gesetzestext-Übersicht). Der Kongress findet also rund ein Jahr nach dem Beschluss statt.

Zu den Zielen zählen Kühlung, der Erhalt und die Neupflanzung von Bäumen, mehr Stadtgrün sowie Versickerung und Nutzung von Regenwasser. Das Gesetz arbeitet mit klaren Begriffen. Zwei Beispiele:

  • Kühlinsel: 30 Quadratmeter bis 0,3 Hektar groß, zu mindestens 80 Prozent entsiegelt, mit Schatten und Sitzgelegenheiten.
  • Hitzeviertel: Planungsräume, die der Umweltgerechtigkeitsatlas 2021/22 als thermisch hoch belastet einstuft, mit Werten über 32 Grad Celsius tagsüber oder über 24 Grad nachts (PET-Index).

Wie stark hat sich Berlin schon erwärmt?

Die Klimarisikoanalyse der Senatsverwaltung vom 2. März 2026 belegt, dass der Klimawandel in Berlin längst messbar ist. Zwischen den Zeiträumen 1971 bis 2000 und 1991 bis 2020 stieg die Jahresmitteltemperatur um 0,7 Grad, gegenüber 1881 bis 1910 sogar um 2,1 Grad. Alle fünf wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen 1881 liegen in den vergangenen zehn Jahren (dpa-Bericht auf berlin.de).

Wetterkennzahlen Berlin im Mittel pro Jahr, Stand: Klimarisikoanalyse März 2026
Kennzahl 1971–2000 1991–2020
Sommertage (mindestens 25 Grad) 39 49
Heiße Tage (mindestens 30 Grad) 8 13
Tropennächte (nicht unter 20 Grad) 1,1 1,3
Eistage 20 17

Die Zahl der Heißen Tage ist damit um gut 60 Prozent gestiegen. Besonders gefährdet sind laut Analyse ältere Menschen, Vorerkrankte und Kleinkinder. Ende 2024 lebten nach Angaben des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg rund 707.400 Menschen über 65 in der Stadt, bei etwa 3,7 Millionen Einwohnern sind das rund 19 Prozent. Die Gruppe wächst schneller als die jüngeren Jahrgänge.

Wie sich die Hitze im Alltag anfühlt, zeigt unsere Wetterseite für Berlin.

Was hat der Senat bisher unternommen?

Seit Mitte Januar 2026 liegt die Federführung bei der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. Am 2. März folgte die Klimarisikoanalyse mit zwölf untersuchten Handlungsfeldern. Besonders hohe Betroffenheit sieht sie bei Gesundheit, Bevölkerungsschutz sowie Stadtgrün und öffentlichem Raum. Am 9. Juni 2026 beschloss der Senat den Projektauftrag für die Umsetzungsplanung nach § 22 des Gesetzes und einen ressortübergreifenden Aufbaustab (Pressemitteilung der Senatskanzlei).

Die Umsetzungsplanung hat fünf Themenfelder: integrierte Infrastrukturplanung samt digitalem Zwilling des Straßenraums, Zielkonflikte zwischen Infrastruktur, Stadtgrün und Regenwasser, Pilotprojekte für klimaresiliente Straßen, Finanzierungsmodelle und die Beteiligung von Wissenschaft, Wirtschaft, Bezirken und Zivilgesellschaft. An der vorbereitenden Online-Befragung beteiligten sich mehr als 2.000 Menschen.

Was bedeutet das für Berlinerinnen und Berliner?

Konkrete Maßnahmen für einzelne Straßen kündigt der Kongress nicht an. Er ist ein Fachtreffen, dessen Ergebnisse in die weitere Planung einfließen sollen. Für dich heißt das: Wer wissen will, wie es um den eigenen Kiez steht, findet in der Hot-Spot-Karte der Klimarisikoanalyse die Mehrfachbelastungen eingezeichnet. Wer sich für die Debatte interessiert, kann am 5. November kostenlos im Livestream zuschauen. Mehr aus der Stadt findest du in unserer Rubrik Berlin und im Bezirk Tempelhof-Schöneberg.

Wie es weitergeht

Nach dem Kongress soll die Umsetzungsplanung konkreter werden. Ein Steuerungskreis bei der Senatsverwaltung liefert Entscheidungsgrundlagen zu Zuständigkeiten, Personal- und Finanzbedarf sowie zu einem landesweiten Klimaanpassungsmonitoring. Ein Zeitplan für die Ergebnisse steht in den Mitteilungen nicht. Als nächste Schritte nennt Senatorin Ute Bonde eine Klimaanpassungsstrategie und ein Klimaanpassungsprogramm.

Häufige Fragen zum Klimaanpassungskongress

Kann ich beim Klimaanpassungskongress einfach vorbeikommen?

Die Senatsverwaltung nennt die Teilnahme kostenfrei und erwartet rund 200 Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verbänden, Bezirken und Verwaltung. Ob für die Vor-Ort-Teilnahme eine Anmeldung nötig ist, steht nicht in der Pressemitteilung vom 3. November 2026. Wer sichergehen will, fragt bei der Pressestelle der Senatsverwaltung nach, Telefon (030) 9025-1090. Wer nicht anreisen möchte, verfolgt das Programm im Livestream auf YouTube.

Was ist eine Kühlinsel im Sinne des Berliner Klimaanpassungsgesetzes?

Das Gesetz definiert eine Kühlinsel als Fläche von 30 Quadratmetern bis 0,3 Hektar, die zu mindestens 80 Prozent vollständig entsiegelt ist und Schatten sowie Sitzgelegenheiten bietet. Gemeint sind also kleine Rückzugsorte für heiße Tage mitten im Kiez, keine großen Parks. Größere klimawirksame Grünflächen ab 0,3 Hektar mit mindestens 80 Prozent unversiegelter Fläche fallen unter eine eigene Definition.

Welche Berliner Gegenden sind von Hitze besonders betroffen?

Die Klimarisikoanalyse vom 2. März 2026 nennt dicht bebaute Innenstadtbereiche, stark versiegelte Flächen und Gebiete im Einzug der Mischwasserkanalisation als Orte mit deutlichen Mehrfachbelastungen. Die Hot-Spot-Karte und die Betroffenheitskarten zu zwölf Handlungsfeldern veröffentlicht die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt auf ihrer Internetseite. Dort lässt sich nachsehen, wie der eigene Kiez abschneidet.

Quellen

Maik Möhring

Verantwortlicher & Chefredakteur

Moin, ich bin Maik – Gründer von BerlinEcho und verantwortlicher Redakteur. Ich baue seit Jahren digitale Medien auf, die ich wirklich für notwendig halte: unabhängig, ohne Konzernlogik im Rücken, mit echten Menschen dahinter. Berlin fasziniert mich als Stadt …

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