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Kolonnenstraße

Vom Kolonnenweg zur Hauptachse der Roten Insel: Verlauf, Namensherkunft, der S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke nach 64 Jahren Pause und die St.-Elisabeth-Kirche.

Inhalt (7 Abschnitte)
  1. Wo verläuft die Kolonnenstraße?
  2. Woher hat die Kolonnenstraße ihren Namen?
  3. Was ist die Rote Insel an der Kolonnenstraße?
  4. Wie kam der S-Bahnhof an der Kolonnenstraße zurück?
  5. Welche Bauwerke stehen an der Kolonnenstraße?
  6. Häufige Fragen zur Kolonnenstraße
  7. Quellen

Die Kolonnenstraße führt in Schöneberg vom Richard-von-Weizsäcker-Platz an der Hauptstraße über die Wannseebahn bis zur Kolonnenbrücke an Dudenstraße und Loewenhardtdamm. Ihren Namen trägt sie seit etwa 1860: Über den alten Kolonnenweg marschierten Truppen aus Charlottenburg und Moabit zum Übungsgelände auf dem Tempelhofer Feld.

Der Name klingt nach Kaserne, und genau daher kommt er. Die Kolonnenstraße war zuerst ein Feldweg für Soldaten, dann eine der wenigen dicht bebauten Straßen Schönebergs und schließlich die Hauptachse der Roten Insel, des von Bahngleisen eingeschlossenen Arbeiterquartiers. Kauperts Straßenführer zeichnet diesen Weg nach: Um 1856 begann die Bebauung, noch 1867 galt die Straße als «bodenloser, morastiger Weg», gepflastert wurde sie erst 1879. Auf dieser Seite erfährst du, wo die Straße genau verläuft, wie der S-Bahnhof an der Julius-Leber-Brücke nach 64 Jahren zurückkam und welche Bauten an ihr stehen.

  • Verlauf: Hauptstraße (Richard-von-Weizsäcker-Platz) bis Dudenstraße/Loewenhardtdamm (Kolonnenbrücke)
  • Ortsteil Schöneberg, Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Postleitzahlen 10827 und 10829
  • Name seit etwa 1860, vorher Kolonnenweg, bis 1902 Colonnenstraße
  • S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke (S1) seit 2. Mai 2008
  • Katholische St.-Elisabeth-Kirche, Kolonnenstraße 39, erbaut 1910–1911

Wo verläuft die Kolonnenstraße?

Die Kolonnenstraße beginnt im Westen an der Hauptstraße am Richard-von-Weizsäcker-Platz und läuft nach Osten bis zur Kolonnenbrücke. Dort setzen Dudenstraße und Loewenhardtdamm die Verbindung Richtung Kreuzberg fort. Unterwegs quert die Straße die Gleise der Wannseebahn. Die Hausnummern laufen im Hufeisen: 1 bis 30 auf der einen Seite, 31 bis 66 auf der anderen zurück.

Die ganze Straße liegt im Ortsteil Schöneberg und gehört zum Bezirk Tempelhof-Schöneberg. Postalisch ist sie geteilt: Die Nummern 1 bis 8 und 56 bis 66 haben die Postleitzahl 10827, die Nummern 10 bis 54 die 10829.

Der Platz am Anfang hieß bis vor Kurzem anders. Seit 1892 trug er den Namen Kaiser-Wilhelm-Platz. Auf Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung vom Januar 2021 wurde er umbenannt, am 24. März 2022 enthüllte Bezirksbürgermeister Jörn Oltmann die neuen Schilder mit dem Namen des früheren Regierenden Bürgermeisters und Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, wie das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg mitteilte.

Woher hat die Kolonnenstraße ihren Namen?

Die Kolonnenstraße ist nach den Truppenkolonnen benannt, die hier entlangzogen. Laut Kauperts diente der Weg als Anmarschweg für die in Charlottenburg und Moabit stationierten Truppen zum Übungsgelände auf dem Tempelhofer Feld. Schon Anfang des 19. Jahrhunderts hieß er Kolonnenweg, um 1860 wurde daraus die Kolonnenstraße. Bis 1902 schrieb man sie mit C: Colonnenstraße.

Auch die Kolonnenbrücke am Ostende trägt diese Geschichte im Namen. Die Brücke entstand bei der Anlage der Berlin-Anhalter Eisenbahn und musste so breit sein, dass Infanterie- und Artilleriekolonnen hinüberkamen. Mitte der 1880er-Jahre zählte Kauperts zufolge nur die Bahn- und die Mühlenstraße ebenso dicht bebaute Straßen in Schöneberg wie die Kolonnenstraße.

Was ist die Rote Insel an der Kolonnenstraße?

Die Rote Insel ist das Quartier im Osten Schönebergs, das von drei Bahnlinien eingeschlossen ist, daher der Name Insel. Rot heißt sie nach der Arbeiterbewegung, die hier stark war. So beschreibt es das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg. Die Häuser stammen überwiegend aus den Jahren 1880 bis 1918. Die Kolonnenstraße und die parallele Monumentenstraße waren damals wie heute die Haupteinkaufsstraßen des Viertels und bilden mit der Neumannstraße seinen Kern.

Zwei Namen sind mit der Insel eng verbunden. In der Leberstraße 65, damals Sedanstraße, kam am 27. Dezember 1901 Marlene Dietrich zur Welt; eine Bronzetafel am Haus erinnert seit 1992 daran, wie die Datenbank Gedenktafeln in Berlin dokumentiert. Den Namen des SPD-Reichstagsabgeordneten Julius Leber trägt heute der S-Bahnhof an der Kolonnenstraße. Von seiner Kohlenhandlung in der Torgauer Straße 24/25 aus plante er laut Bezirksamt den Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Am 5. Januar 1945 wurde er hingerichtet. Seine Frau Annedore Leber führte die Kohlenhandlung weiter, nach ihr ist der Annedore-Leber-Park an der Ringbahn benannt.

Wie kam der S-Bahnhof an der Kolonnenstraße zurück?

Der S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke ging am 2. Mai 2008 in Betrieb, 64 Jahre nach dem Ende des alten Bahnhofs Kolonnenstraße an fast derselben Stelle. Die Geschichte dieses Haltepunkts reicht bis in die 1880er-Jahre zurück, die Quellen nennen dafür leicht abweichende Daten.

Bahnhof an der Kolonnenstraße: Stationen der Geschichte (Quellen: Kauperts, stadtschnellbahn-berlin.de, S-Bahn Berlin; abgerufen am 29.09.2026)
Datum Ereignis
15. Oktober 1882 Ringbahn-Haltepunkt «Schöneberg» eröffnet (Kauperts datiert den Schöneberger Ringbahnhof an der Kolonnenstraße auf 1883)
1. Dezember 1932 Umbenennung in Kolonnenstraße, weil der neue Umsteigebahnhof Schöneberg in Betrieb ging
3. Juli 1944 Nach Kriegsschäden Betrieb auf der Strecke zum Potsdamer Ringbahnhof eingestellt
15. November 2006 Spatenstich für den Neubau
2. Mai 2008 Eröffnung als S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke, Linie S1, zunächst mit den südlichen Zugängen
19. Dezember 2008 Nördliche Zugänge eröffnet, Station fertiggestellt

Die Chronik stadtschnellbahn-berlin.de beschreibt die Jahrzehnte dazwischen als Berliner Posse: Pläne zum Wiederaufbau gab es seit einem Architektenwettbewerb 1987, umgesetzt wurden sie erst nach dem Spatenstich 2006. Zur Eröffnung erwartete die S-Bahn Berlin rund 17.000 Fahrgäste am Tag. Die Station liegt zwischen den Bahnhöfen Schöneberg und Yorckstraße, der Bau kostete rund 6,4 Millionen Euro. Die Fahrzeit zum Potsdamer Platz sank damals nach Angaben der S-Bahn von 14 Minuten mit dem Bus M48 auf sechs Minuten mit der S1.

Welche Bauwerke stehen an der Kolonnenstraße?

Das bekannteste Baudenkmal an der Straße ist die katholische St.-Elisabeth-Kirche in der Kolonnenstraße 39. Der Kölner Dombaumeister Bernhard Hertel entwarf den neogotischen Backsteinbau, gebaut wurde er 1910 und 1911. Die Kirche ist in die Häuserzeile eingefügt, ihr Schiff reicht in die Tiefe des Grundstücks. Chorwand und Chorbogen bemalte Gebhard Fugel 1929 mit Fresken, die im Krieg zerstörten Fenster wurden 1959 und 1960 erneuert. Nach Angaben des Landesdenkmalamts überstand der Bau den Zweiten Weltkrieg weitgehend unversehrt.

Gegenüber der Kirche liegt laut Bezirksamt der Alte Zwölf-Apostel-Kirchhof. Die Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde weihte ihn 1865 als ihren ersten Friedhof ein, die Anlage mit Lindenalleen entwarf der königliche Garteninspektor Carl David Bouché. Der Kirchhof ist ein geschütztes Gartendenkmal. Begraben sind dort unter anderen der Maler Anton von Werner und der Bildhauer Reinhold Begas.

Häufige Fragen zur Kolonnenstraße

Wo verläuft die Kolonnenstraße?

Die Kolonnenstraße beginnt an der Hauptstraße am Richard-von-Weizsäcker-Platz und endet an der Kolonnenbrücke, wo Dudenstraße und Loewenhardtdamm anschließen. Die Hausnummern 1 bis 30 laufen stadtauswärts, 31 bis 66 auf der Gegenseite zurück.

Welche Postleitzahl hat die Kolonnenstraße?

Die Nummern 1 bis 8 und 56 bis 66 haben die Postleitzahl 10827, die Nummern 10 bis 54 die Postleitzahl 10829. Die ganze Straße liegt im Ortsteil Schöneberg und im Bezirk Tempelhof-Schöneberg.

Warum heißt die Straße Kolonnenstraße?

Der Weg diente als Anmarschweg für die in Charlottenburg und Moabit stationierten Truppen zum Übungsgelände auf dem Tempelhofer Feld. Er hieß schon im frühen 19. Jahrhundert Kolonnenweg, den heutigen Namen trägt er seit etwa 1860, bis 1902 in der Schreibweise Colonnenstraße.

Welcher S-Bahnhof liegt an der Kolonnenstraße?

Der S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke der Linie S1. Er wurde am 2. Mai 2008 eröffnet, an der Stelle des 1944 stillgelegten Bahnhofs Kolonnenstraße. Kauperts nennt für die Straße außerdem den U-Bahnhof Kleistpark der U7.

Gehört die Kolonnenstraße zur Roten Insel?

Ja, der östliche Teil der Straße liegt auf der Roten Insel, einem von drei Bahnlinien eingeschlossenen Quartier in Schöneberg. Laut Bezirksamt ist die Kolonnenstraße zusammen mit der Monumentenstraße bis heute eine der Haupteinkaufsstraßen des Viertels.

Quellen

Namensgebung

Namensgeber
Marsch-Kolonnen
Sonstiges / unklar
Benennung
um 1860
Hintergrund
Die Straße diente als Anmarschweg für die in Charlottenburg und Moabit stationierten Truppen zum Übungsgelände auf dem Tempelhofer Feld. Sie hieß zuvor Kolonnenweg und wurde bis 1902 Colonnenstraße geschrieben.

Quellen

  1. kauperts.de · Web
  2. wikipedia.org · Web
  3. Kolonnenstraße im Kauperts Straßenführer durch Berlin · Web
  4. Kolonnenstraße (Berlin) – Wikipedia · Web
  5. S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke - Berlin.de · Web
  6. FIS-Broker - Geoportal Berlin · Web