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Mitte · Verkehr

Kiezblocks in Berlin: Was nach dem Senatsstopp gebaut wurde

Der Senat stoppte im Mai 2025 die Finanzierung von Kiezblocks. Ein Jahr später entstehen in Mitte vier statt zwölf, im Antonkiez steht schon eine Fußgängerzone. Die Bilanz.

Hannes Nagel Veröffentlicht
Kopfsteinpflaster und Poller verringern Durchgangsverkehr bei Kiezblocks Berlin vor Altbauten.
Nach dem Senatsbeschluss entstehen in mehreren Berliner Kiezen Verkehrsberuhigungen mit Pollern und neuen Einbahnstraßen. (KI-generiertes Symbolbild)
Inhalt (6 Abschnitte)
  1. Was hat der Senat im Mai 2025 entschieden?
  2. Wie ging es in Mitte weiter?
  3. Was ist aus der Maxstraße im Antonkiez geworden?
  4. Wie geht es nach der Wahl weiter?
  5. Häufige Fragen zu Kiezblocks in Berlin
  6. Quellen

Berlin hat die Finanzierung von Kiezblocks im Mai 2025 gestoppt, doch gebaut wird trotzdem: In Mitte einigten sich Bezirk und Senat auf vier statt zwölf Kiezblocks, die Umsetzung ist für den Sommer 2026 vorgesehen. Im Antonkiez entstand schon im Oktober 2025 eine Fußgängerzone an der Maxstraße, bezahlt aus Bundesmitteln.

Wer im Mai 2025 das Ende der Kiezblocks erwartete, sah nur die halbe Wahrheit. Die Senatsverkehrsverwaltung stoppte damals die Finanzierung, in mehreren Kiezen entstanden Verkehrsberuhigungen aber doch, teils mit Bundesgeld, teils nach zähen Verhandlungen. Eine Bilanz nach knapp anderthalb Jahren zeigt: weniger als geplant, aber mehr als angekündigt.

  • 15. Mai 2025: Die Senatsverwaltung beendet das Modellprojekt «Kiezblocks in Mitte» mit sofortiger Wirkung
  • 10. Januar 2026: Bericht über die Einigung von Bezirk und Senat auf vier statt zwölf Kiezblocks in Mitte
  • Sommer 2026: geplante Umsetzung der vier Kiezblocks mit neuen Einbahnstraßen
  • Oktober 2025: Beginn der Umsetzung im Antonkiez, finanziert aus Bundesmitteln

Was hat der Senat im Mai 2025 entschieden?

Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt teilte dem Bezirk Mitte im Mai 2025 mit, dass das Modellprojekt «Kiezblocks in Mitte» endet, die Planungen eingestellt werden und der Senat nicht weiter zahlt. Das steht in der Pressemitteilung der Verwaltung vom 15. Mai 2025. Nach Angaben von Entwicklungsstadt galt der Stopp für alle geplanten und künftigen Projekte in der Stadt, Friedrichshain-Kreuzberg war ausgenommen. Als Grund nannte die Verwaltung Rettungswege, Lieferverkehr und Auswirkungen auf den Nahverkehr.

Mitte hatte zwölf Kiezblocks bis Frühjahr 2026 geplant. Kurz darauf zog der Senat auch in Treptow-Köpenick Geld ab: Für den Kunger-Kiez in Alt-Treptow strich er nach einem Bericht der taz 100.000 Euro Planungsmittel. Der Bezirk erklärte, das Projekt sei nicht gestoppt und werde in kleinerem Umfang weiterverfolgt.

Wie ging es in Mitte weiter?

In Mitte einigten sich Bezirk und Senat nach monatelangem Streit auf vier Kiezblocks statt zwölf. Im Dezember 2025 hatte das Bezirksamt die Zusammenarbeit mit der Verkehrsverwaltung noch aufgekündigt und laut Tagesspiegel rund 300.000 Euro Schaden geltend gemacht, dazu 110.000 Euro beauftragter Leistungen, die seit Dezember 2024 offen waren. Die Einigung, über die Entwicklungsstadt am 10. Januar 2026 berichtete, sah vor, dass der Senat einen Teil der aufgelaufenen Planungskosten übernimmt.

Vier Kiezblocks in Mitte, geplante Umsetzung Sommer 2026 (Stand: 17. Juli 2026)
Kiez Maßnahme
Flottwellkiez (Tiergarten) Einbahnstraße auf der nördlichen Flottwellstraße und der westlichen Kurfürstenstraße
Soldiner Kiez Ost (Gesundbrunnen) Einbahnstraßen in der westlichen Soldiner Straße, Biesenthaler Straße und Steegerstraße
Soldiner Kiez West (Gesundbrunnen) Einbahnstraße in der südlichen Koloniestraße
Stephankiez (Moabit) gegenläufige Einbahnstraßen in der Stephanstraße und der westlichen Quitzowstraße

Die Tabelle folgt der Übersicht von Entwicklungsstadt vom 17. Juli 2026. Nach der Umsetzung sollen Verkehrszählungen, Beobachtungen und Anwohnerbefragungen zeigen, ob der Durchgangsverkehr tatsächlich sinkt.

Was ist aus der Maxstraße im Antonkiez geworden?

Die Maxstraße im Wedding zwischen Antonstraße und Schererstraße wurde ab dem 13. Oktober 2025 zur Fußgängerzone umgebaut, dazu kamen Diagonalsperren an zwei Kreuzungen. Das teilte das Bezirksamt Mitte mit. Der Antonkiez gehört zum Projekt «Klimakieze», einem vom Bundesumweltministerium geförderten Forschungsvorhaben. Die Beteiligung mit Umfragen und einem Nachbarschaftsrat lief seit Januar 2024, wissenschaftlich begleiten das Potsdamer Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit (RIFS) und die Universität Heidelberg.

Damit ist der Antonkiez ein Beispiel, das gegen die Lesart «alles umsonst» spricht: Anders als die zwölf Kiezblocks aus dem Senatsprogramm hing er nicht am Landeshaushalt. Was nach dem Ende der Forschungsförderung für Pflege und Unterhalt gilt, geht aus den veröffentlichten Unterlagen nicht hervor.

Wie geht es nach der Wahl weiter?

Ob Kiezblocks in Berlin künftig wieder Landesgeld bekommen, hängt von der neuen Regierung ab. Nach der Auswertung des Portals Entwicklungsstadt vom 5. August 2026 lehnen CDU und AfD Kiezblocks und zusätzliche Poller ab. Die Grünen wollen Straßenraum zugunsten von Fuß- und Radverkehr umverteilen, die SPD verspricht eine fairere Verteilung ohne die Autos aus der Stadt zu drängen. Die Wahlprogramme im Überblick findest du in unserem Beitrag zu den Wahlprogrammen der Parteien, die verkehrspolitische Lage nach der Wahl in Verkehrswende Berlin nach der Wahl.

Die Bezirke Mitte und Treptow-Köpenick haben gezeigt, dass sie an ihren Kiezen festhalten. Aktuelle Meldungen zum Verkehr findest du im Ressort Verkehr.

Häufige Fragen zu Kiezblocks in Berlin

Wer hat die Kiezblocks in Mitte bezahlt?

Der Senat finanzierte das Modellprojekt «Kiezblocks in Mitte», beendete es aber im Mai 2025. Bei den vier im Januar 2026 vereinbarten Kiezblocks übernimmt der Senat einen Teil der Planungskosten, Details der Aufteilung waren zuletzt nicht öffentlich. Der Antonkiez mit der Fußgängerzone an der Maxstraße läuft dagegen als Forschungsprojekt und wird nach Angaben des Bezirksamts Mitte vom Bundesumweltministerium gefördert, wissenschaftlich begleitet vom Forschungsinstitut RIFS und der Universität Heidelberg.

Was ist ein Kiezblock?

Ein Kiezblock ist ein Wohnquartier, in dem der Durchgangsverkehr mit Diagonalsperren, Pollern oder Einbahnstraßen herausgehalten wird. Anwohner, Lieferverkehr und Rettungsdienste kommen weiter hinein, der Schleichverkehr bleibt draußen. Ziel ist weniger Lärm und mehr Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer. In Mitte setzen die vier neuen Kiezblocks vor allem auf neue Einbahnstraßenregelungen.

Was passiert nach der Abgeordnetenhauswahl mit den Kiezblocks?

Das ist offen. Die CDU lehnt Kiezblocks und zusätzliche Poller laut ihrem Wahlprogramm ab, die Grünen wollen Straßenraum zugunsten von Fuß- und Radverkehr umverteilen, die AfD lehnt Kiezblocks ebenfalls ab. Welche Linie ein neuer Senat einschlägt, entscheidet sich erst in den Koalitionsverhandlungen. Die vier Kiezblocks in Mitte werden nach der Umsetzung zunächst mit Zählungen, Beobachtungen und Befragungen ausgewertet.

Quellen

Hannes Nagel

Redakteur Wirtschaft & Verkehr

Ich bin Hannes, und ich schreibe bei BerlinEcho über Wirtschaft und Verkehr – zwei Themen, die in Berlin enger zusammenhängen, als man denkt. Wer in einer Stadt wohnt, in der die BVG täglich ausläuft und gleichzeitig das teuerste …

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