Einschulungsuntersuchungen Marzahn-Hellersdorf: Der schulische Förderbedarf bei Kindern vor der Einschulung liegt im Bezirk mittlerweile bei 66 Prozent – 2019 waren es noch 59,7 Prozent. Am höchsten ist er in Hellersdorf-Ost mit 80,4 Prozent, am niedrigsten im Planungsraum Mahlsdorf-Nord mit 24,2 Prozent. Das geht aus der Auswertung der Einschulungsuntersuchungen 2023 hervor, die das Bezirksamt am 17. September 2026 veröffentlichte.
Die Einschulungsuntersuchungen Marzahn-Hellersdorf zeigen einen Trend, der Eltern und Bildungspolitik im Bezirk seit Jahren beschäftigt: Der Anteil der Kinder mit festgestelltem schulischem Förderbedarf ist erneut gestiegen. Das Bezirksamt hat die Daten aus den Untersuchungen vor der Einschulung ins Schuljahr 2023/2024 systematisch ausgewertet und am 17. September 2026 veröffentlicht. Untersucht wurden dabei der allgemeine Gesundheitszustand und die altersgemäße Entwicklung der Kinder vor dem Übergang von der Kita in die Schule – die Ergebnisse zeigen sowohl einen bezirksweiten Anstieg als auch teils große Unterschiede zwischen einzelnen Regionen.
Kurz zusammengefasst: In Marzahn-Hellersdorf haben 66 Prozent der untersuchten Kinder vor der Einschulung einen festgestellten Förderbedarf – ein Anstieg gegenüber 61,7 Prozent (2022) und 59,7 Prozent (2019). Zwischen den Bezirksregionen liegen bis zu 62 Prozentpunkte Unterschied: Hellersdorf-Ost liegt bei 80,4 Prozent, der Planungsraum Mahlsdorf-Nord bei 24,2 Prozent. Bezirksstadtrat Gordon Lemm (SPD) sieht Elternhaus und Medienkonsum als entscheidende Faktoren.
📋 Das Wichtigste in Kürze
- Förderbedarf bezirksweit 2023: 66 % (2022: 61,7 %; 2019: 59,7 %)
- Höchster Wert: Hellersdorf-Ost mit 80,4 % (von 9 Bezirksregionen)
- Höchste Sprachdefizite: Hellersdorf-Nord mit 63,7 %
- Planungsraum-Spitze: Ahrensfelder Berge (Marzahn-Mitte) mit 86,5 %
- Niedrigster Planungsraum: Mahlsdorf-Nord mit 24,2 %
- Nur rund 2.000 von 3.400 Kindern konnten 2023 untersucht werden (Corona-Nachwirkungen)
- 32,6 % der Eltern geben zwei Stunden tägliche Bildschirmzeit ihrer Kinder an
📖 Inhaltsverzeichnis
📊 Einschulungsuntersuchungen Marzahn-Hellersdorf: Wie hoch ist der Förderbedarf?
Der schulische Förderbedarf bei Kindern vor der Einschulung liegt in Marzahn-Hellersdorf nach der aktuellen Auswertung bei 66 Prozent. Das ist der höchste Wert der vergangenen Erhebungen: 2019 lag die Quote noch bei 59,7 Prozent, 2022 bei 61,7 Prozent. Innerhalb von vier Jahren ist der Anteil damit um mehr als sechs Prozentpunkte gestiegen. Erhoben wurden die Zahlen im Rahmen der Einschulungsuntersuchungen vor dem Schuljahr 2023/2024 durch das Gesundheitsamt Marzahn-Hellersdorf.
| Erhebungsjahr | Förderbedarf bezirksweit |
|---|---|
| 2019 | 59,7 % |
| 2022 | 61,7 % |
| 2023 | 66,0 % |
🗺️ Welche Regionen sind besonders betroffen?
Zwischen den neun Bezirksregionen Marzahn-Hellersdorfs liegen erhebliche Unterschiede. Hellersdorf-Ost verzeichnet mit 80,4 Prozent den höchsten Förderbedarf im Bezirk. Bei Sprachdefiziten und Sozialstatus der Elternhäuser liegt wie in den Vorjahren Hellersdorf-Nord vorn: 63,7 Prozent der untersuchten Kinder zeigten dort Sprachdefizite, 25,5 Prozent der Elternhäuser wurden der unteren Sozialstatusgruppe zugeordnet.
Erstmals hat das Bezirksamt die Zahlen zusätzlich auf Ebene der einzelnen Planungsräume erfasst – ein deutlich feineres Raster als die bisherige Einteilung nach Bezirksregionen. Den höchsten Förderbedarf hat demnach der Planungsraum Ahrensfelder Berge in Marzahn-Mitte mit 86,5 Prozent, den niedrigsten der Planungsraum Mahlsdorf-Nord mit 24,2 Prozent. Die Differenz zwischen beiden Planungsräumen beträgt damit 62,3 Prozentpunkte.
| Region | Ebene | Förderbedarf |
|---|---|---|
| Ahrensfelder Berge (Marzahn-Mitte) | Planungsraum | 86,5 % |
| Hellersdorf-Ost | Bezirksregion | 80,4 % |
| Bezirksdurchschnitt | Gesamtbezirk | 66,0 % |
| Mahlsdorf-Nord | Planungsraum | 24,2 % |
Die Zweiteilung des Bezirks in einen stärker belasteten Norden und einen weniger belasteten Süden setzt sich damit fort: Die Siedlungsgebiete Kaulsdorf, Mahlsdorf und Biesdorf liegen erneut deutlich unter den Werten der Großsiedlungen in Hellersdorf und Marzahn.
🩺 Warum sind die Zahlen 2023 besonders unsicher?
Das Bezirksamt weist selbst auf eine methodische Einschränkung hin: Der Beginn des Jahres 2023 war noch von Corona-Nachwirkungen geprägt. Kitas konnten viele Kinder nur verkürzt oder gar nicht betreuen, die Belastung der Elternhäuser war laut Bezirksamt spürbar erhöht – und das Gesundheitsamt konnte nicht alle Kinder untersuchen, die eigentlich eine Einschulungsuntersuchung hätten erhalten müssen. Von 3.400 Kindern des Jahrgangs wurden nur knapp 2.000 tatsächlich untersucht, gut 59 Prozent. Das Bezirksamt selbst stuft die Zahlen für 2023 deshalb als volatiler ein als die Ergebnisse vorangegangener Jahrgänge.
👨👩👧 Was sagen die Daten zu Elternhäusern und Medienkonsum?
Neben dem Förderbedarf erhebt die Einschulungsuntersuchung auch Angaben zur familiären Situation. Die meisten Alleinerziehenden lebten 2023 in Marzahn-Nord (36,4 Prozent der untersuchten Familien, Bezirksdurchschnitt 27,2 Prozent) – gegenüber 2019 ist der Anteil alleinerziehender Haushalte damit gesunken, als noch gut 33 Prozent der Elternhäuser alleinerziehend waren. Auch der Anteil rauchender Eltern ging zurück: von 42,9 Prozent im Jahr 2019 auf 27,2 Prozent in 2023.
Beim Medienkonsum zeigt sich ein anderes Bild: Im Schnitt gaben 32,6 Prozent der befragten Eltern an, dass ihre Kinder zwei Stunden pro Tag digitale Medien nutzen – deutlich mehr als die fachlich empfohlenen maximal 30 Minuten im Vorschulalter. Das Bezirksamt ordnet den gestiegenen Medienkonsum neben den Pandemie-Nachwirkungen als möglichen Erklärungsansatz für die gestiegenen Förderbedarfe ein, ohne einen direkten ursächlichen Zusammenhang zu belegen.
🏛️ Was fordert Bezirksstadtrat Gordon Lemm?
Gordon Lemm (SPD), Bezirksstadtrat für Jugend, Familie und Gesundheit in Marzahn-Hellersdorf, nennt die anhaltend hohen Förderbedarfe „erschreckend“. Er sieht die entscheidenden Hebel bei der Förderung im Elternhaus und beim Medienkonsum von Kindern: Kitaleitungen berichteten ihm zufolge von immer mehr Kleinstkindern unter drei Jahren mit wenig sozialer, kognitiver und sprachlicher Entwicklung, aber „bemerkenswerten Fähigkeiten beim Entsperren und Nutzen von Tablets oder Smartphones“.
Lemm plädiert für smartphonefreie Schulen und mehr Ressourcen für präventive Angebote wie Kitasozialarbeit – ein Bereich, in dem auch die Kitaplätze in Berlin insgesamt seit Jahren unter Druck stehen. Zugleich räumt er ein, dass die Schulen in Marzahn-Hellersdorf mit den aktuellen Förderbedarfen überlastet und nicht ausreichend ausgestattet seien – hier fordert er mehr bedarfsorientierte Unterstützung von Senat und Bezirk.
🏛️ BERLINECHO-EINORDNUNG
Was die Pressemitteilung nicht erzählt
Die Zahlen aus Marzahn-Hellersdorf sind eindrücklich – doch wer die Mitteilung des Bezirksamts genau liest, stößt auf offene Fragen.
1. Datenbasis mit Lücke
Nur rund 59 Prozent des Jahrgangs wurden 2023 überhaupt untersucht. Das Bezirksamt weist selbst darauf hin, dass die Zahlen deshalb „volatiler“ seien – ein sauberer Vergleich mit den vollständiger erhobenen Jahren 2019 und 2022 ist damit nur eingeschränkt möglich.
2. Ursache oder Korrelation bleibt offen
Die Mitteilung nennt Medienkonsum, Pandemie-Nachwirkungen und die Situation im Elternhaus als „Erklärungsansatz“ für die gestiegenen Förderbedarfe – belegt aber keinen ursächlichen Zusammenhang. Dass Bezirksstadtrat Lemm die Verantwortung explizit „zuallererst“ bei den Eltern verortet, ist seine politische Einordnung, keine Aussage der Datenerhebung selbst. Bildungsforscherinnen und -forscher verweisen bei ähnlichen Befunden regelmäßig auch auf strukturelle Faktoren wie Kitaplatz-Verfügbarkeit und -Kosten, Fachkräftemangel und Armutsrisiko im Quartier.
3. Keine konkreten neuen Mittel
Lemm fordert mehr Ressourcen für Kitasozialarbeit und smartphonefreie Schulen – die Pressemitteilung nennt dazu aber keine konkreten zusätzlichen Mittel, Stellen oder einen Zeitplan für die Umsetzung.
📌 EHRLICHE EINORDNUNG:
Der Bezirk veröffentlicht diese Auswertungen seit Jahren transparent und benennt selbst die Schwächen der eigenen Datenlage – das ist bemerkenswert offen. Der eigentliche Nachrichtenwert liegt weniger im einzelnen Prozentwert als im bestätigten Trend: Seit 2019 steigt der Förderbedarf in Marzahn-Hellersdorf kontinuierlich, und das Nord-Süd-Gefälle im Bezirk bleibt strukturell erhalten.
Maik Möhring · Chefredakteur
Als Beobachter der Bezirkspolitik in Marzahn-Hellersdorf fällt mir auf: Der Bezirk gehört zu den wenigen, die ihre Einschulungsdaten regelmäßig und bis auf Planungsraum-Ebene veröffentlichen. Andere Bezirke könnten sich daran ein Beispiel nehmen.
| Aspekt | Details | Quelle |
|---|---|---|
| Was | Auswertung der Einschulungsuntersuchungen 2023 | Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf |
| Wann veröffentlicht | 17. September 2026 | Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf |
| Zuständig | Gesundheitsamt / Bezirksstadtrat Gordon Lemm (SPD) | Gesundheitsamt Marzahn-Hellersdorf |
❓ Häufige Fragen zu den Einschulungsuntersuchungen Marzahn-Hellersdorf
Ein Überblick über Einschulung, Anmeldung und Übergänge in Marzahn-Hellersdorf sowie über Notdienste im Bezirk hilft Eltern, die aktuellen Zahlen im Alltag einzuordnen.
Wie hoch ist der Förderbedarf bei den Einschulungsuntersuchungen Marzahn-Hellersdorf 2023?
Bezirksweit liegt der festgestellte schulische Förderbedarf bei 66 Prozent der untersuchten Kinder. 2022 waren es 61,7 Prozent, 2019 noch 59,7 Prozent. Der Wert ist damit seit 2019 kontinuierlich gestiegen. Die Daten stammen aus den Einschulungsuntersuchungen vor dem Schuljahr 2023/2024 und wurden vom Bezirksamt am 17. September 2026 veröffentlicht.
Welche Region in Marzahn-Hellersdorf ist am stärksten betroffen?
Auf Ebene der Bezirksregionen liegt Hellersdorf-Ost mit 80,4 Prozent vorn. Erstmals wertete das Bezirksamt die Daten auch nach Planungsräumen aus: Dort verzeichnet Ahrensfelder Berge in Marzahn-Mitte mit 86,5 Prozent den höchsten, der Planungsraum Mahlsdorf-Nord mit 24,2 Prozent den niedrigsten Förderbedarf.
Warum sind die Zahlen für 2023 weniger verlässlich als sonst?
Weil pandemiebedingt nur knapp 2.000 von 3.400 Kindern des Jahrgangs überhaupt untersucht werden konnten – rund 59 Prozent. Das Bezirksamt selbst stuft die Werte deshalb als volatiler ein als in den vollständiger erhobenen Vorjahren. Ein direkter Vergleich mit 2019 und 2022 ist dadurch nur eingeschränkt möglich.
Was fordert Bezirksstadtrat Gordon Lemm als Konsequenz?
Gordon Lemm (SPD) fordert smartphonefreie Schulen, mehr Unterstützung im Elternhaus und zusätzliche Ressourcen für präventive Angebote wie Kitasozialarbeit. Er sieht die Schulen im Bezirk mit den aktuellen Förderbedarfen überlastet und fordert von Senat und Bezirk mehr bedarfsorientierte Mittel. Konkrete zusätzliche Gelder oder Stellen nennt die Pressemitteilung dazu nicht.
🏁 Fazit: Steigender Förderbedarf, große Unterschiede im Bezirk
Die Einschulungsuntersuchungen Marzahn-Hellersdorf zeigen für 2023 einen bezirksweiten Förderbedarf von 66 Prozent – der höchste Wert seit Beginn der Vergleichsreihe 2019. Zwischen den Planungsräumen liegen bis zu 62 Prozentpunkte Unterschied, mit Ahrensfelder Berge und Hellersdorf-Ost als Schwerpunkten. Bezirksstadtrat Gordon Lemm fordert als Reaktion vor allem mehr Unterstützung im Elternhaus, mehr Bildungsangebote im Bezirk und smartphonefreie Schulen – ob und wann dafür zusätzliche Mittel fließen, bleibt in der Pressemitteilung offen.
🗞 Über den Autor: Maik Möhring – Chefredakteur
Ich ordne für BerlinEcho regelmäßig Senats- und Bezirksbeschlüsse ein – bei Bildungsdaten wie diesen schaue ich besonders genau auf die Datenbasis, bevor ich die Zahlen einordne.
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