Tal-Center Marzahn: Bezirk sucht Nachbarn für neue Arbeitsgruppe
Inhalt (6 Abschnitte)
Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf gründet eine Arbeitsgruppe zum Tal-Center in der Oberweißbacher Straße. Sie begleitet den Bebauungsplan 10-29-1, der Wohnen, Gewerbe und Nahversorgung auf dem weitgehend leeren Einkaufszentrum regeln soll. Bewerben können sich Anwohnende und Gewerbetreibende bis zum 8. November 2026, die erste Sitzung ist am 24. November um 18 Uhr.
Am Tal-Center in Marzahn können Nachbarn jetzt einen festen Platz am Planungstisch bekommen. Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf hat am angekündigt, eine Arbeitsgruppe für das Quartier an der Oberweißbacher Straße einzurichten (Pressemitteilung des Bezirksamts). Sie soll das Bebauungsplanverfahren 10-29-1 begleiten und dem Bezirksamt Empfehlungen geben. Digitale Bewerbungen nimmt der Bezirk bis zum an. Die erste Sitzung ist für den angesetzt, weitere Treffen sind für 2027 geplant.
Es geht um viel. Aus dem Einkaufszentrum, das seit Jahren mit leeren Läden kämpft, soll ein gemischtes Quartier werden. Das Ziel laut Bezirksamt: die Nahversorgung dauerhaft sichern und Wohnen mit Gewerbe und Dienstleistungen verbinden.
Wie bewirbst du dich für die Arbeitsgruppe?
Für die Arbeitsgruppe Tal-Center gibt es zwei Wege: digital bis zum 8. November 2026 oder auf Papier. Gedruckte Bewerbungsbögen liegen seit Montag, 26. Oktober, in den Geschäften im und am Tal-Center aus. Ausgefüllt gibst du sie im Bistro Deniz ab. Einen direkten Link zum Online-Formular nennt die Pressemitteilung nicht; Beteiligungsangebote des Bezirks sammelt die Seite Bürgerbeteiligung Marzahn-Hellersdorf.
Angesprochen sind Anwohnende, Gewerbetreibende, die Eigentümerseite und Projektentwickler. Das Gremium ist nach dem Vorbild der beiden Bebauungsplanverfahren am Helene-Weigel-Platz aufgebaut, schreibt das Stadtentwicklungsamt in seinem Newsletter 02/2026. Dort hatte der Protest der Nachbarschaft die Planung bereits verändert; wir haben darüber im Mai berichtet. Heike Wessoly, Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, sagt, die Entwicklung am Tal-Center bewege die Menschen in Marzahn sehr; man wolle „direkt mit allen Beteiligten in den Dialog treten“.
Was ist am Tal-Center geplant?
Für das Tal-Center an der Oberweißbacher Straße 7–9 gibt es noch keinen Planentwurf, nur Ziele und Studien. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine Schriftliche Anfrage des Grünen-Abgeordneten Stefan Ziller vom 2. April 2026 hervor. Einen Bauantrag oder eine Bauvoranfrage gab es zu diesem Zeitpunkt nicht.
Das Grundstück gehört seit dem Eigentümerwechsel 2022 einem Gemeinschaftsunternehmen aus einem privaten Projektentwickler und einer landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft. In einer älteren Senatsantwort vom Februar 2025 wird die OIB/Gewobag Tal Center Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH als Eigentümerin und Bauherrin genannt. Der bisher geltende Plan erlaubt auf dem Gelände nur Gewerbe; für Wohnungen braucht es deshalb den neuen Bebauungsplan.
| Punkt | Stand |
|---|---|
| Mögliche Wohnungen im weiteren Quartier (Quartierskonzept 2023) | 1.631 oder 1.594, je nach Variante; rund 40 % auf dem Tal-Center-Gelände |
| Zusätzlicher Bedarf laut Konzept | rund 125–128 Kitaplätze und 138–141 Schulplätze |
| Genannte Bebauung (Medienbericht Februar 2026) | rund 600 Wohnungen, darunter Häuser mit 20 und 14 Geschossen |
| Möglicher Schulstandort | landeseigenes Grundstück Schwarzburger Straße 10A, in Prüfung |
| Planentwurf, Bauantrag | liegen nicht vor (Stand 02.04.2026) |
Die Zahlen aus dem Quartierskonzept sind ausdrücklich keine Festlegung. Der Bezirk betont, dass die Potenziale den Bebauungsplan nicht vorwegnehmen. Rechnerisch entfielen 40 Prozent von gut 1.600 Wohnungen auf rund 640 bis 650 Wohnungen auf dem Center-Gelände; das passt zu den rund 600 Wohnungen, von denen das Fachportal Entwicklungsstadt im Februar berichtete.
Warum ist das Tal-Center im Kiez so umstritten?
Das Tal-Center ist für viele Anwohnende in Marzahn-Ost der Ort für den täglichen Einkauf, und genau diese Funktion hat es nach und nach verloren. Neue Wohnungen begrüßen viele grundsätzlich. Die Sorge gilt Kitas, Schulen, Grünflächen und Läden, die mit der Verdichtung nicht Schritt halten könnten. Zur Informationsveranstaltung im Januar 2026 kamen nach dem Bericht von Entwicklungsstadt mehr als hundert Menschen; die Beteiligungsfrist wurde bis zum 7. März 2026 verlängert.
Die Bezirksverordnetenversammlung hat eine Einwohnerinitiative angenommen, die transparente Information, breite Beteiligung und bessere soziale Infrastruktur fordert. Kosten für Kitas, Schulen und Erschließung sollen nach dem Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung in einem städtebaulichen Vertrag geregelt werden, so die Senatsantwort vom April. Das Tal-Center liegt zudem im Gebiet des neuen Entwicklungskonzepts für Marzahn-Ost; mehr dazu in unserem Artikel zum Zukunftsforum Marzahn-Ost.
Wie geht es mit dem Bebauungsplan 10-29-1 weiter?
Der Bebauungsplan 10-29-1 steht zwischen der frühzeitigen Beteiligung und dem ersten Entwurf. Die Hinweise aus der Beteiligung vom Januar bis März 2026 werden noch ausgewertet; den Abwägungsbeschluss will das Bezirksamt laut Senatsantwort im Laufe des Jahres 2026 fassen. Danach folgen laut Infoblatt des Stadtentwicklungsamts die Beteiligung der Behörden, die öffentliche Auslegung des Entwurfs, die Rechtsprüfung durch die Senatsverwaltung und der Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung.
Ursprünglich lief das Verfahren seit 2020 als vorhabenbezogener Plan auf Antrag der Eigentümer. Der Bezirk hat es auf einen allgemeinen Bebauungsplan umgestellt, der leichter anzupassen ist, falls sich Eigentümer oder Ziele ändern. Weitere Meldungen aus dem Bezirk findest du unter Marzahn-Hellersdorf.
Häufige Fragen zur Arbeitsgruppe Tal-Center
Wer kann in der Arbeitsgruppe Tal-Center mitmachen?
Angesprochen sind laut Bezirksamt Anwohnende und Gewerbetreibende rund um das Tal-Center, außerdem die Eigentümerseite und Projektentwickler. Im Newsletter des Stadtentwicklungsamts werden zusätzlich soziale Träger und Fachleute genannt. Wie viele Plätze es gibt und nach welchen Kriterien ausgewählt wird, hat der Bezirk bisher nicht veröffentlicht. Die Zusammensetzung soll die unterschiedlichen Interessen im Quartier abbilden.
Kann die Arbeitsgruppe den Bebauungsplan verhindern?
Nein. Die Arbeitsgruppe ist ein beratendes Gremium. Sie kann Empfehlungen, Hinweise und Vorschläge an das Bezirksamt richten, entscheidet aber nichts. Über den Bebauungsplan 10-29-1 beschließt am Ende die Bezirksverordnetenversammlung Marzahn-Hellersdorf, nachdem die Senatsverwaltung den Entwurf rechtlich geprüft hat. Einwände kann jede Person zusätzlich in der öffentlichen Auslegung einbringen, auch ohne Mitglied der Arbeitsgruppe zu sein.
Wie viele Wohnungen sollen am Tal-Center entstehen?
Eine feste Zahl gibt es noch nicht, weil der Bezirk nach eigenen Angaben vom April 2026 noch keinen Planentwurf hat. Ein Quartierskonzept von 2023 rechnet für das größere Umfeld mit rund 1.600 möglichen Wohnungen, etwa 40 Prozent davon auf dem Tal-Center-Gelände. Das Fachportal Entwicklungsstadt berichtete im Februar 2026 von rund 600 Wohnungen, darunter ein Haus mit 20 Geschossen.
Quellen
- Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf: Neugestaltung am Tal-Center, Interessierte für neue Arbeitsgruppe gesucht (26.10.2026)
- Abgeordnetenhaus Berlin, Schriftliche Anfrage 19/25619 zum Tal-Center (Antwort vom 02.04.2026)
- Abgeordnetenhaus Berlin, Schriftliche Anfrage 19/21582 zum Quartierskonzept Tal-Center (Antwort vom 20.02.2025)
- Stadtentwicklungsamt Marzahn-Hellersdorf, Newsletter 02/2026
- Stadtentwicklungsamt Marzahn-Hellersdorf: Infoblatt zum Bebauungsplan Tal-Center (Dezember 2025)
- Entwicklungsstadt: Vom Einkaufszentrum zum Wohnquartier (18.02.2026)
Ida Nagel
Redakteurin Gesellschaft & Wohnen
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