Schmollerplatz Alt-Treptow: 34 Parkplätze weniger, Parkzone kommt
Inhalt (7 Abschnitte)
Die Grünanlage Schmollerplatz in Alt-Treptow soll mit Längsparken umgebaut werden: Statt 68 Stellplätzen blieben 34, dafür entstünden ein barrierefreier Rundweg und mehr Grün. Das zeigt die am 28. September 2026 veröffentlichte Auswertung der Bürgerbeteiligung. 67 Prozent der eindeutigen Online-Kommentare unterstützen diese Variante. Parallel bereitet der Bezirk die erste Parkzone vor.
Weniger Blech, mehr Platz zum Sitzen: Das Straßen- und Grünflächenamt Treptow-Köpenick hat die Ergebnisse der Beteiligung zum Schmollerplatz veröffentlicht. Die 34-seitige Auswertung auf mein.berlin.de benennt Variante 1 mit Längsparken als Vorzugsvariante des Fachamts. Für Anwohner im Kungerkiez heißt das: Rund um den Platz würde sich die Zahl der Parkplätze halbieren. Gleichzeitig hat das Bezirksamt im August 2026 beschlossen, in Alt-Treptow gebührenpflichtiges Parken einzuführen – die erste Parkraumbewirtschaftungszone im ganzen Bezirk.
Welche zwei Varianten standen zur Wahl?
Für den Umbau des Schmollerplatzes hatten Planungsbüros zwei vollständig ausgearbeitete Stellplatzvarianten samt Kostenschätzung vorgelegt. Vom 1. bis 30. Juni 2026 konnten Interessierte online und in einer Ausstellung im Kiezklub „Gérard Philipe“ und in der Galerie KungerKiez dazu Stellung nehmen.
| Merkmal | Variante 1: Längsparken | Variante 2: Senkrechtparken |
|---|---|---|
| Stellplätze | 34 | 68 |
| Wege | durchgehender barrierefreier Rundweg | kein Rundweg, Wege wie bisher |
| Verkehrssicherheit | Gehwegvorstreckungen, Übergänge mit taktilen Leitlinien | keine gesonderten Maßnahmen |
| Grün | zusätzliche Flächen für Pflanzung, Schatten und Entsiegelung | zwei neue Bäume in der Parkreihe |
| Einordnung des Fachamts | Vorzugsvariante | mehr Parkplätze, kaum Raumgewinn |
Variante 1 entspricht dem Freiraumkonzept, das 2021 nach einer Planungswerkstatt mit rund 250 Besuchern und 162 Online-Kommentaren politisch beschlossen wurde. Ein Haken steht in der Auswertung selbst: Um die Wurzeln der Altbäume zu schonen, wird der Gehweg abschnittsweise auf 1,50 Meter verschmälert, die Regelbreite liegt bei 2,50 Metern. Regelmäßige Aufweitungen sollen barrierefreie Begegnungen ermöglichen.
Wie haben die Anwohner abgestimmt?
Die Online-Beteiligung zum Schmollerplatz brachte 69 Kommentare von 54 Personen zu den Stellplätzen, 33 Ideen zur Ausstattung und 349 Bewertungen. Von 55 eindeutig zuordenbaren Kommentaren sprachen sich 37 für das Längsparken aus, das sind 67 Prozent, und 18 für das Senkrechtparken. Befürworter nannten vor allem besser einsehbare Kreuzungen, mehr Grün gegen die Sommerhitze und weniger riskantes Ausparken. Die Gegenseite verwies auf den Parkdruck, eine aus ihrer Sicht schwache Anbindung mit Bus und Bahn und das Risiko für Radfahrer durch aufschlagende Autotüren.
Die Auswertung ordnet das nüchtern ein: 55 Positionierungen in einem Ortsteil mit mehreren tausend Einwohnern sind kein Abbild des Kiezes. Vor Ort war die Resonanz noch dünner. Zu zwei Sprechstunden mit Platz für über 80 Personen kamen drei Menschen, analog hielten sich die Varianten 2:2 die Waage. Zum Vergleich: An der Kiezumfrage Alt-Treptow 2024 hatten sich 1.047 Personen beteiligt.
Wie groß ist der Parkdruck in Alt-Treptow?
Der Parkdruck in Alt-Treptow ist messbar hoch: Eine Machbarkeitsstudie (Erhebung September 2025, Bericht vom 19. Dezember 2025) ermittelte werktags eine durchschnittliche Auslastung von 98 Prozent, südlich der Elsenstraße sogar 102 Prozent. Als Schwelle für Handlungsbedarf gelten 90 bis 95 Prozent. Die Zone umfasst 2.174 öffentliche Stellplätze im Straßenraum.
Die Zahlen hinter dem Streit
- 34 wegfallende Parkplätze am Schmollerplatz entsprechen rund 1,6 Prozent der 2.174 Stellplätze der Zone.
- Gebietsfremde Langzeitparker, überwiegend Berufspendler, belegen werktags rund 10 Prozent der Plätze, also etwa 220. Die Studie führt das auch auf die bereits bewirtschafteten Zonen in Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg zurück.
- Die Parkraumbewirtschaftung war der Punkt, auf den sich beide Lager einigen konnten: 20 Nennungen, aus beiden Positionen.
Was bedeutet die neue Parkzone für Anwohner?
Die Parkzone Alt-Treptow wird nach dem Beschluss des Bezirksamts vom August 2026 mehr als 2.000 Stellplätze umfassen. Geplant ist eine Bewirtschaftung montags bis freitags von 9 bis 20 Uhr, am Wochenende nicht. Wer dort wohnt, kann einen Bewohnerparkausweis beantragen und ist dann von der Parkgebühr befreit; auch Gewerbetreibende und weitere Gruppen können Ausnahmegenehmigungen beantragen. Eine Arbeitsgruppe aus Straßen- und Grünflächenamt und Ordnungsamt bereitet die Einführung vor, das Bürgeramt ist eingebunden. Einen Starttermin gibt es noch nicht. Wie Parkzonen in anderen Bezirken funktionieren, zeigt unsere Übersicht der Berliner Parkzonen.
Für den Ortsteil Plänterwald sieht dieselbe Untersuchung ebenfalls Handlungsbedarf, allerdings erst mit der Eröffnung des Spreeparks. Rund um den Treptower Park reichen die Stellplätze laut Studie aus.
Was kommt auf den Platz?
Die geplante Ausstattung des Schmollerplatzes stieß überwiegend auf Zustimmung, zwei Drittel aller Wortmeldungen waren positiv. Vorgesehen sind Sitzmauern mit Aufstehhilfe, Holzpodeste, Liegebänke, Bänke mit und ohne Armlehnen, barrierefreie Hochbeete, Fahrradbügel sowie Wiesen-, Stauden- und Gehölzflächen. Einzige klare Ausnahme ist die Tischtennisplatte: Hier überwog die Ablehnung, sie wird erneut abgewogen. Anwohner wünschten außerdem Lade- und Kurzzeitplätze für Pflege- und Handwerksdienste und einen vom Fußweg getrennten Radweg über den Platz.
Wie geht es weiter?
Die Hinweise aus der Beteiligung fließen jetzt in die Entwurfsplanung. Das Bezirksamt hat zugesagt, offenzulegen, welche Anregungen es übernimmt und welche nicht, jeweils mit Begründung. Informiert wird erneut, sobald die überarbeitete Planung vorliegt; einen Bautermin nennt die Auswertung nicht. Bezirksstadträtin Claudia Leistner, zuständig für Stadtentwicklung, Straßen, Grünflächen und Umwelt, dankte den Beteiligten: Die Beiträge zeigten, wie wichtig der Schmollerplatz den Menschen als grüner Treffpunkt sei. Ein offener Punkt bleibt die Reihenfolge – mehrere Anwohner wollen erst die Parkzone und dann den Umbau. Die Auswertung selbst hält fest: Der Wegfall der Stellplätze kommt mit dem Bau, die Entlastung erst mit der Bewirtschaftung. Weitere Meldungen aus dem Bezirk bündeln wir unter Treptow-Köpenick.
Quellen
- Bezirksamt Treptow-Köpenick: Freiraumkonzept Schmollerplatz – Ergebnisse der Beteiligung sind online (Pressemitteilung vom 28.09.2026)
- Auswertung zur Beteiligung Freiraumkonzept Schmollerplatz, September 2026 (PDF, mein.berlin.de)
- Bezirksamt Treptow-Köpenick: Parkraumbewirtschaftung in Alt-Treptow beschlossen (Pressemitteilung vom 26.08.2026)
- Bezirksamt Treptow-Köpenick: Abschluss der Untersuchung zur Parkraumbewirtschaftung in Plänterwald und Alt-Treptow (Pressemitteilung vom 26.06.2026)
Hannes Nagel
Redakteur Wirtschaft & Verkehr
Ich bin Hannes, und ich schreibe bei BerlinEcho über Wirtschaft und Verkehr – zwei Themen, die in Berlin enger zusammenhängen, als man denkt. Wer in einer Stadt wohnt, in der die BVG täglich ausläuft und gleichzeitig das teuerste …
- Berliner Wirtschaft
- Startups
- Immobilienmarkt
- BVG & Mobilität
- Stadtentwicklung
- Haushaltspolitik
- Arbeit & Soziales
239 BeiträgeAlle Beiträge →