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Berlin-Wahl 2026

Kleinparteien Berlin: Zwölf Listen scheitern an fünf Prozent

Zwölf Parteien sind bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 an der Fünfprozenthürde gescheitert, das BSW um rund 5.200 Stimmen. In den Bezirksparlamenten sieht es anders aus. Alle Ergebnisse der kleinen Parteien als Tabelle.

Maik Möhring Veröffentlicht · aktualisiert
Stimmzettel mit vielen Parteien – Kleinparteien Berlin zur Wahl 2026
Stimmzettel mit vielen Parteien – Kleinparteien Berlin zur Wahl 2026 (KI-generiertes Symbolbild) Das Bild wurde mit Kuenstlicher Intelligenz erzeugt, ist keine fotografische Aufnahme und zeigt weder den Ort noch das geschilderte Geschehen.
Inhalt (9 Abschnitte)
  1. Wie haben die Kleinparteien bei der Abgeordnetenhauswahl abgeschnitten?
  2. Wie knapp scheiterte das BSW?
  3. Warum bleibt die FDP draußen?
  4. Wie schnitten Tierschutzpartei, Volt und Die PARTEI ab?
  5. Wo schafften kleine Parteien den Sprung in die Bezirksparlamente?
  6. Was die Stimmen der Kleinparteien für die Mehrheit bedeuten
  7. Wie geht es weiter?
  8. Häufige Fragen zu Kleinparteien bei der Berlin-Wahl
  9. Quellen

Bei der Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 scheiterten in Berlin zwölf Parteien an der Fünfprozenthürde. Am knappsten das BSW mit 4,7 Prozent, dahinter FDP (2,5), Tierschutzpartei (2,1) und Volt (2,1). Zusammen erhielten die kleinen Parteien 235.698 Zweitstimmen, 12,9 Prozent. In mehreren Bezirksparlamenten übersprangen BSW, FDP, Volt und Tierschutzpartei die Drei-Prozent-Hürde.

Update vom 29. September 2026: Der Artikel zeigt jetzt die Ergebnisse aller kleinen Parteien bei der Abgeordnetenhauswahl und den BVV-Wahlen vom 20. September 2026 nach dem vorläufigen Ergebnis des Landeswahlleiters. Die Vorschau auf die Kandidaturen und die offenen Recherchehinweise zur Zulassungsliste sind entfallen.

Fünf Parteien sitzen im neuen Abgeordnetenhaus: Linke, CDU, AfD, Grüne und SPD. Die übrigen zwölf, die am 20. September 2026 mit Landes- oder Bezirkslisten angetreten waren, bleiben draußen. Das zeigt das vorläufige Ergebnis des Landeswahlleiters vom 21. September 2026. Insgesamt standen nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung 17 Parteien zur Wahl. Für die Kleinparteien in Berlin ist die Bilanz gemischt: Im Landesparlament kein einziger Sitz, in den Bezirksparlamenten dagegen teils klar über der Hürde.

Wie haben die Kleinparteien bei der Abgeordnetenhauswahl abgeschnitten?

Die kleinen Parteien kamen bei der Abgeordnetenhauswahl 2026 zusammen auf 235.698 Zweitstimmen, das sind 12,9 Prozent der gültigen Stimmen. Keine erreichte die Fünfprozenthürde. BerlinEcho hat die Zweitstimmen aus den zwölf vorläufigen Bezirksergebnissen addiert; die Summen stimmen mit den berlinweiten Werten des Landeswahlleiters überein. Die Vergleichswerte für 2023 stammen aus dem amtlichen Ergebnis der Wiederholungswahl.

Zweitstimmen der Parteien unter fünf Prozent, Abgeordnetenhauswahl Berlin 20. September 2026 (vorläufiges Ergebnis vom 21.09.2026; Summe der zwölf Bezirke, Auswertung BerlinEcho)
Partei Zweitstimmen 2026 Anteil 2026 Anteil 2023
BSW 86.041 4,7 % nicht angetreten
FDP 46.341 2,5 % 4,6 %
Tierschutzpartei 38.642 2,1 % 2,4 %
Volt 37.880 2,1 % 0,9 %
Die PARTEI 13.536 0,7 % 1,4 %
PdF 5.760 0,3 % nicht angetreten
ÖDP 2.560 0,1 % 0,1 %
DKP 2.070 0,1 % 0,2 %
Die Urbane. 1.551 0,1 % 0,2 %
SGP 716 unter 0,1 % keine Angabe
HEIMAT (nur Bezirkslisten Treptow-Köpenick und Lichtenberg) 521 unter 0,1 % keine Angabe
B* (nur Bezirksliste Friedrichshain-Kreuzberg) 80 unter 0,1 % keine Angabe
Zusammen 235.698 12,9 % –

HEIMAT, die frühere NPD, und B* traten nur mit Bezirkslisten an und standen deshalb nicht in allen Bezirken auf dem Stimmzettel. Einzelbewerber und Parteien, die nur Direktkandidaten aufgestellt hatten, fehlen in der Tabelle, weil sie keine Zweitstimmen bekommen konnten.

Wie knapp scheiterte das BSW?

Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) verpasste bei seiner ersten Berliner Wahl den Einzug ins Abgeordnetenhaus um rund 5.200 Stimmen. Die Fünfprozentmarke lag bei 91.226 Zweitstimmen, das BSW mit den Spitzenkandidaten Alexander King und Michael Lüders kam auf 86.041. Stark war die Partei im Osten der Stadt: 7,3 Prozent in Marzahn-Hellersdorf, 6,9 in Lichtenberg, 6,2 in Treptow-Köpenick. In Steglitz-Zehlendorf waren es nur 2,9 Prozent. Ein Direktmandat hätte die Hürde laut wahlrecht.de ersetzt, doch alle 78 Wahlkreise gingen an Linke, CDU, AfD, Grüne und SPD. Mehr zur Kandidatur steht im Porträt BSW Berlin: Erste Kandidatur zur Abgeordnetenhauswahl.

Warum bleibt die FDP draußen?

Die FDP ist nach dem vorläufigen Ergebnis mit 2,5 Prozent zum zweiten Mal in Folge nicht im Abgeordnetenhaus vertreten; schon bei der Wiederholungswahl 2023 lag sie mit 4,6 Prozent unter der Hürde. Diesmal verlor sie weitere 2,1 Punkte. Am besten schnitt sie in Charlottenburg-Wilmersdorf mit 3,9 und in Steglitz-Zehlendorf mit 3,8 Prozent ab, am schwächsten in Friedrichshain-Kreuzberg mit 1,6. Was die Liberalen vorhatten, steht im Überblick zum FDP-Wahlprogramm für Berlin.

Wie schnitten Tierschutzpartei, Volt und Die PARTEI ab?

Volt hat sein Berliner Ergebnis mehr als verdoppelt: von 0,9 Prozent 2023 auf 2,1 Prozent und 37.880 Zweitstimmen. Die besten Werte holte Volt in Pankow mit 2,8 Prozent, in Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg mit je 2,5. Die Tierschutzpartei kam mit 2,1 Prozent auf fast dasselbe Ergebnis, verlor aber gegenüber 2023 (2,4). Sie ist in den Außenbezirken stärker, mit 3,3 Prozent in Marzahn-Hellersdorf und 3,1 in Spandau.

Die Satirepartei Die PARTEI halbierte sich fast, von 1,4 auf 0,7 Prozent. Ihr bester Bezirk war Treptow-Köpenick mit 1,0 Prozent. Neu auf dem Stimmzettel stand die PdF, die berlinweit 0,3 Prozent erreichte, mit 0,5 Prozent in Marzahn-Hellersdorf als bestem Wert.

Wo schafften kleine Parteien den Sprung in die Bezirksparlamente?

In den Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) gilt in Berlin eine Drei-Prozent-Hürde, jede BVV hat 55 Verordnete, erklärt die Landeszentrale für politische Bildung. Nach den vorläufigen Ergebnissen übersprang das BSW die Hürde in elf von zwölf Bezirken, Volt in vier, FDP und Tierschutzpartei in je drei. Knapp wird es bei Volt in Charlottenburg-Wilmersdorf (3,02 Prozent) und bei der FDP in Reinickendorf (3,04 Prozent); hier könnte das amtliche Ergebnis noch entscheiden.

Kleine Parteien über drei Prozent bei den BVV-Wahlen am 20. September 2026 (vorläufige Bezirksergebnisse vom 21.09.2026)
Bezirk Parteien über der Drei-Prozent-Hürde
Mitte BSW 4,0 %, Volt 3,1 %
Friedrichshain-Kreuzberg Volt 3,3 %, BSW 3,3 %
Pankow BSW 4,9 %, Volt 3,5 %
Charlottenburg-Wilmersdorf FDP 4,1 %, BSW 3,2 %, Volt 3,0 %
Spandau BSW 4,2 %, Tierschutzpartei 3,2 %
Steglitz-Zehlendorf FDP 4,1 % (BSW 2,9 % knapp darunter)
Tempelhof-Schöneberg BSW 3,8 %
Neukölln BSW 4,2 %
Treptow-Köpenick BSW 5,8 %
Marzahn-Hellersdorf BSW 7,1 %, Tierschutzpartei 3,2 %
Lichtenberg BSW 7,0 %, Tierschutzpartei 3,2 %
Reinickendorf BSW 3,9 %, FDP 3,0 %

Andere lokale Listen blieben unter der Hürde, etwa «Jan Mihm: Bester Mann» mit 0,8 Prozent in Friedrichshain-Kreuzberg, «Berlin Retten» mit 0,6 Prozent in Treptow-Köpenick und die FREIEN WÄHLER mit 0,7 Prozent in Marzahn-Hellersdorf. Die Lage in zwei Innenstadtbezirken vor der Wahl beschreiben unsere Artikel zur BVV-Wahl in Mitte und zur BVV-Wahl in Friedrichshain-Kreuzberg.

Was die Stimmen der Kleinparteien für die Mehrheit bedeuten

  • 12,9 Prozent der Zweitstimmen fallen bei der Sitzverteilung weg. Die 158 Sitze verteilen sich auf die fünf Parteien, die zusammen 87,1 Prozent erreicht haben.
  • Dadurch reichen 52,05 Prozent der Stimmen für Linke, Grüne und SPD für 95 Sitze, das sind 60 Prozent des Parlaments. Welche Bündnisse rechnerisch möglich sind, zeigt unser Überblick zur Koalition in Berlin 2026.
  • Allein die Stimmen für BSW und FDP, zusammen 7,3 Prozent, hätten gereicht, um einer weiteren Partei den Einzug zu sichern – verteilt auf zwei Listen blieben beide draußen.

Wie geht es weiter?

Alle Zahlen sind vorläufig. Die Bezirkswahlausschüsse tagen vom 29. September bis 2. Oktober 2026, das amtliche Endergebnis soll der Landeswahlausschuss am 12. Oktober 2026 feststellen. Erst dann steht fest, ob die knappen Ergebnisse von Volt und FDP in einzelnen Bezirken für BVV-Mandate reichen. Bis dahin gelten alle Werte in diesem Artikel unter Vorbehalt.

Häufige Fragen zu Kleinparteien bei der Berlin-Wahl

Ist eine kleine Partei ins Berliner Abgeordnetenhaus eingezogen?

Nein. Nach dem vorläufigen Ergebnis vom 21. September 2026 sitzen nur fünf Parteien im neuen Abgeordnetenhaus: Linke, CDU, AfD, Grüne und SPD. Alle anderen blieben unter fünf Prozent der Zweitstimmen und holten auch kein Direktmandat, das die Hürde hätte ersetzen können. Alle 78 Wahlkreise gingen an die fünf Parlamentsparteien. Am nächsten kam das BSW mit 4,7 Prozent. Die FDP ist nach 2023 erneut nicht im Landesparlament vertreten.

Wie viele Stimmen fehlten dem BSW zur Fünfprozenthürde?

Dem BSW fehlten bei der Berlin-Wahl 2026 rund 5.200 Zweitstimmen. Bei 1.824.514 gültigen Zweitstimmen lag die Fünfprozentmarke bei 91.226 Stimmen, das BSW kam auf 86.041. Das entspricht 4,7 Prozent. In drei Bezirken lag das BSW über fünf Prozent: Marzahn-Hellersdorf 7,3, Lichtenberg 6,9 und Treptow-Köpenick 6,2 Prozent. Für den Einzug zählt aber allein das berlinweite Ergebnis.

Gilt in den Berliner Bezirken auch die Fünfprozenthürde?

Nein. Für die zwölf Bezirksverordnetenversammlungen gilt in Berlin eine Drei-Prozent-Hürde. Parteien und Wählergemeinschaften müssen im Bezirk mindestens drei Prozent der Stimmen erreichen, um in die BVV mit ihren 55 Verordneten einzuziehen. Deshalb schafften am 20. September 2026 kleine Parteien dort, was im Abgeordnetenhaus nicht gelang: Das BSW übersprang die Hürde nach dem vorläufigen Ergebnis in elf Bezirken, Volt in vier, FDP und Tierschutzpartei in je drei.

Wie viele Parteien standen 2026 in Berlin zur Wahl?

Zur Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 traten nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung 17 Parteien mit Landes- oder Bezirkslisten an. Fünf davon zogen ins Parlament ein, zwölf scheiterten. Dazu kamen bei den Erststimmen Einzelbewerberinnen und Einzelbewerber sowie Parteien, die nur Wahlkreiskandidaten aufgestellt hatten, etwa die MIETERPARTEI und MERA25. Bei den BVV-Wahlen standen in einigen Bezirken zusätzliche lokale Listen auf dem Stimmzettel.

Quellen

Maik Möhring

Verantwortlicher & Chefredakteur

Moin, ich bin Maik – Gründer von BerlinEcho und verantwortlicher Redakteur. Ich baue seit Jahren digitale Medien auf, die ich wirklich für notwendig halte: unabhängig, ohne Konzernlogik im Rücken, mit echten Menschen dahinter. Berlin fasziniert mich als Stadt …

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