BVV-Wahl Neukölln: Linke mit 32 Prozent klar vorn

Inhalt (7 Abschnitte)
- Wie hat Neukölln bei der BVV-Wahl 2026 abgestimmt?
- Was bedeutet das Ergebnis für die Wahl des Bezirksbürgermeisters?
- Welche Mehrheiten sind in der BVV Neukölln möglich?
- Wer soll Bezirksbürgermeister in Neukölln werden?
- Wie hat Neukölln bei der Abgeordnetenhauswahl gewählt?
- Häufige Fragen zur BVV-Wahl in Neukölln
- Quellen
Bei der BVV-Wahl in Neukölln am 20. September 2026 wurde die Linke mit 32,0 Prozent stärkste Kraft, 17,6 Punkte mehr als 2023. Die CDU kam auf 15,6, die Grünen auf 14,8 und die SPD nur auf 13,5 Prozent. Die Linke hat nach vorläufiger Verteilung 19 der 55 Sitze und braucht für das Bürgermeisteramt Partner. Die Wahlbeteiligung lag bei 64,7 Prozent.
Update vom 2. Oktober 2026: Ergänzt ist der Stand auf Landesebene nach dem ersten Vorgespräch von Linke, Grünen und SPD am 1. Oktober. Einen Termin für die konstituierende Sitzung der neuen BVV und die Wahl des Bezirksamts haben wir auch bis zum 2. Oktober nicht gefunden. Der Artikel wurde am 29. September nach der Wahl vollständig überarbeitet. Am 2. Oktober haben wir zudem die Belege überarbeitet und Zitate sowie Einschätzungen gestrichen, die sich nicht mit frei zugänglichen Quellen belegen lassen.
Neukölln hat bei der Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung (BVV) eine Ära beendet. Die Linke kam laut vorläufigem Ergebnis des Landeswahlleiters für Berlin vom 21. September 2026 auf 45.366 Stimmen und 32,0 Prozent – mehr als doppelt so viel wie die CDU auf Platz zwei. Die SPD, die im Bezirk seit 2001 ohne Unterbrechung den Bezirksbürgermeister stellte (Wikipedia: Bezirk Neukölln), fiel um 10,6 Punkte auf 13,5 Prozent und landete nur auf Platz fünf, 234 Stimmen hinter der AfD. Von 221.105 Wahlberechtigten gaben 143.024 ihre Stimme ab. Die Beteiligung stieg um 12,5 Punkte auf 64,7 Prozent.
Wie hat Neukölln bei der BVV-Wahl 2026 abgestimmt?
Die BVV-Wahl in Neukölln hat die Linke mit fast 16 Prozentpunkten Vorsprung gewonnen. Hinter ihr liegen vier Parteien dicht beieinander: CDU, Grüne, AfD und SPD trennen nur 2,1 Punkte. Die CDU verlor 11,6 Punkte, die AfD legte um 6,1 Punkte zu. Für Sitze in der BVV gilt eine Sperrklausel von 3 Prozent; neu dabei ist das BSW mit 4,2 Prozent. Volt, FDP und Tierschutzpartei blieben darunter.
| Partei | Stimmenanteil | Veränderung | Sitze (von 55) |
|---|---|---|---|
| Die Linke | 32,0 % | +17,6 | 19 |
| CDU | 15,6 % | −11,6 | 9 |
| Grüne | 14,8 % | −2,3 | 9 |
| AfD | 13,6 % | +6,1 | 8 |
| SPD | 13,5 % | −10,6 | 8 |
| BSW | 4,2 % | neu | 2 |
| Tierschutzpartei | 2,1 % | −0,6 | – |
| Volt | 1,6 % | +0,8 | – |
| FDP | 1,6 % | −1,1 | – |
| Die PARTEI | 0,8 % | −0,9 | – |
| AfB | 0,2 % | neu | – |
| Menschliche Welt | 0,1 % | neu | – |
Die Sitzzahlen stammen aus einer Übersicht von t-online und sind vorläufig; eine Nachrechnung von BerlinEcho mit dem d’Hondt-Verfahren kommt auf dieselbe Verteilung. Die Stimmenanteile und Veränderungen entsprechen dem vorläufigen Ergebnis des Landeswahlleiters.
Was bedeutet das Ergebnis für die Wahl des Bezirksbürgermeisters?
Die Bezirksbürgermeisterin oder der Bezirksbürgermeister von Neukölln wird von der neuen BVV gewählt, nicht direkt von den Bürgerinnen und Bürgern. Eine Mehrheit in der 55-köpfigen Versammlung beginnt bei 28 Sitzen. Die Linke hat 19 und braucht deshalb Partner in einer Zählgemeinschaft.
Eine Zählgemeinschaft ist ein Bündnis mehrerer Fraktionen für die Wahl des Bezirksamts. Das Vorschlagsrecht für das Bürgermeisteramt hat grundsätzlich die stärkste Fraktion; es kann aber an eine Zählgemeinschaft mit mehr Mandaten übergehen (Wikipedia: Bezirksverordnetenversammlung). Die Posten im Bezirksamt werden nach Stärke der Fraktionen vergeben. Das Bezirksamt besteht aus dem Bürgermeister und fünf Stadträten. Verteilt werden sie nach dem Höchstzahlverfahren nach d’Hondt (§ 35 Abs. 2 Bezirksverwaltungsgesetz). Nach einer Nachrechnung von BerlinEcho auf Basis der vorläufigen Sitze stehen der Linken zwei dieser sechs Posten zu, CDU, Grüne, AfD und SPD je einer.
Welche Mehrheiten sind in der BVV Neukölln möglich?
- Linke und Grüne kämen zusammen auf genau 28 von 55 Sitzen, Linke und SPD auf 27. Linke, Grüne und SPD hätten 36 Sitze.
- Ohne Linke und AfD reicht es nur knapp: CDU, Grüne und SPD kämen auf 26 Sitze, zusammen mit dem BSW auf 28.
- Die Rechnung beruht auf der vorläufigen Sitzverteilung. Verbindlich wird die Verteilung erst mit dem amtlichen Endergebnis und der Wahl in der BVV.
Wer soll Bezirksbürgermeister in Neukölln werden?
Ahmed Abed ist der Kandidat der Linken für das Bürgermeisteramt (t-online, 15. September 2026).
Die Kandidatur ist umstritten. Die Jüdische Allgemeine berichtete im Februar 2026, Abed habe den israelischen Bürgermeister Tzvika Brot im Oktober 2025 bei dessen Besuch im Neuköllner Rathaus als «Völkermörder» bezeichnet; Kritik kam unter anderem vom CDU-Kreisvorsitzenden Falko Liecke und von Bürgermeister Martin Hikel (SPD). CDU, SPD und Grüne hatten vor der Wahl angekündigt, Abed als Bezirksbürgermeister verhindern zu wollen (t-online, 15. September 2026). Der amtierende Bürgermeister Hikel war nicht erneut angetreten; Spitzenkandidatin der SPD war Janine Wolter. Gewählt wird in der konstituierenden Sitzung der neuen BVV, einen Termin dafür haben wir bis zum 2. Oktober 2026 in keiner offiziellen Quelle gefunden.
Wie hat Neukölln bei der Abgeordnetenhauswahl gewählt?
Bei der parallelen Abgeordnetenhauswahl kam die Linke in Neukölln auf 33,0 Prozent der Zweitstimmen, ein Plus von 19,9 Punkten (Landeswahlleiter, vorläufiges Ergebnis). Die CDU erreichte 16,3 Prozent (minus 11,8), die AfD 14,1, die SPD 13,0 und die Grünen 12,4 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 69,4 Prozent.
Die sechs Wahlkreise teilen den Bezirk sichtbar in Nord und Süd. Im Norden gewann die Linke alle drei Direktmandate: Vanessa Emde (Neukölln 1), Philipp-Martin Dehne (Neukölln 2) und Rouzbeh Taheri (Neukölln 3). Im Süden setzte sich die CDU durch mit Christopher Förster (Neukölln 4), Robbin Juhnke (Neukölln 5) und Olaf Schenk (Neukölln 6).
Auf Landesebene trafen sich Linke, Grüne und SPD am 1. Oktober 2026 zu einem ersten Vorgespräch, das laut zdfheute ohne Einigung beim Thema Antisemitismus endete; formelle Sondierungen könnten nach dpa-Angaben frühestens ab der Woche ab dem 5. Oktober beginnen. Laut t-online stand der Kampf gegen Antisemitismus und der Schutz jüdischen Lebens als Grundvoraussetzung am Anfang. Alle zwölf Bezirke im Vergleich zeigt unsere Übersicht der BVV-Ergebnisse in Berlin, wie der Nachbarbezirk gewählt hat, der Artikel zur BVV-Wahl in Treptow-Köpenick. Weitere Meldungen findest du unter Neukölln, den Stand der Regierungsbildung im Liveticker zur Berlin-Wahl.
Häufige Fragen zur BVV-Wahl in Neukölln
Wer hat die BVV-Wahl in Neukölln gewonnen?
Die Linke hat die BVV-Wahl in Neukölln am 20. September 2026 gewonnen. Nach dem vorläufigen Ergebnis des Landeswahlleiters kam die Partei auf 32,0 Prozent und legte um 17,6 Prozentpunkte zu. Dahinter folgen CDU (15,6 Prozent), Grüne (14,8 Prozent), AfD (13,6 Prozent) und SPD (13,5 Prozent). Die SPD, bisher Partei des Bezirksbürgermeisters, verlor 10,6 Punkte.
Wer wird Bezirksbürgermeister in Neukölln?
Das entscheidet die neue Bezirksverordnetenversammlung, gewählt ist noch niemand. Die Linke schickt ihren Spitzenkandidaten Ahmed Abed ins Rennen. CDU, SPD und Grüne hatten vor der Wahl angekündigt, ihn verhindern zu wollen. Mit 19 von 55 Sitzen braucht die Linke Partner: Mit den Grünen käme sie auf 28 Sitze und damit auf eine knappe Mehrheit.
Wie viele Posten im Bezirksamt bekommt welche Partei in Neukölln?
Das Bezirksamt besteht aus dem Bürgermeister und fünf Stadträten, die sechs Posten werden nach Fraktionsstärke vergeben. Nach dem d’Hondt-Verfahren stehen der Linken zwei zu, CDU, Grüne, AfD und SPD je einer. Ein Vorschlagsrecht ist aber keine Garantie: Jede Kandidatin und jeder Kandidat braucht eine Mehrheit in der BVV.
Warum durften bei der BVV-Wahl mehr Menschen wählen als bei der Abgeordnetenhauswahl?
Bei der BVV-Wahl sind auch Bürgerinnen und Bürger anderer EU-Staaten wahlberechtigt, die seit mindestens drei Monaten in Berlin wohnen, und das Mindestalter liegt bei 16 Jahren. Unter anderem deshalb waren in Neukölln 221.105 Menschen für die BVV wahlberechtigt, für das Abgeordnetenhaus nur 196.296.
Quellen
- Landeswahlleiter für Berlin: BVV-Wahl Neukölln, vorläufiges Ergebnis vom 21. September 2026 (abgerufen am 29.09.2026)
- Landeswahlleiter für Berlin: Abgeordnetenhauswahl 2026, vorläufiges Ergebnis vom 21. September 2026 (abgerufen am 29.09.2026)
- t-online: BVV-Wahl Berlin 2026 – Ergebnisse und Sitze aus allen zwölf Bezirken (Stand 21.09.2026) (abgerufen am 29.09.2026)
- t-online: Berliner Bezirkswahl 2026 – Linke und AfD legen zu (15.09.2026) (abgerufen am 29.09.2026)
- Jüdische Allgemeine: Kritik am Kandidaten (09.02.2026) (abgerufen am 29.09.2026)
- berlin.de, Landeszentrale für politische Bildung: Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen (abgerufen am 29.09.2026)
- Wikipedia: Bezirksverordnetenversammlung (abgerufen am 29.09.2026)
- Handelsblatt/dpa: Berliner Linke, Grüne und SPD sprechen ab Donnerstag (28.09.2026) (abgerufen am 29.09.2026)
- t-online: Linke, Grüne und SPD sprechen ab Donnerstag (28.09.2026) (abgerufen am 29.09.2026)
- zdfheute: Vorgespräch von Linken, Grünen und SPD ohne Ergebnis (01.10.2026) (abgerufen am 02.10.2026)
- Tagesspiegel/dpa: Linke, Grüne und SPD sprechen über heikle Themen (01.10.2026) (abgerufen am 02.10.2026)
- Wikipedia: Bezirk Neukölln (Liste der Bezirksbürgermeister) (abgerufen am 02.10.2026)
- Bezirksverwaltungsgesetz Berlin, § 35 (bereitgestellt vom Bezirksamt Lichtenberg) (abgerufen am 02.10.2026)
Maik Möhring
Verantwortlicher & Chefredakteur
Moin, ich bin Maik – Gründer von BerlinEcho und verantwortlicher Redakteur. Ich baue seit Jahren digitale Medien auf, die ich wirklich für notwendig halte: unabhängig, ohne Konzernlogik im Rücken, mit echten Menschen dahinter. Berlin fasziniert mich als Stadt …
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