Pankow: Antisemitische Sachbeschädigung am ehemaligen Waisenhaus
Inhalt (4 Abschnitte)
Am Donnerstag, 22. Oktober 2026, gegen 15 Uhr hat ein Unbekannter in Pankow die Plexiglasscheibe einer Informationstafel am Eingang einer Bibliothek in der Berliner Straße zerkratzt und sich dabei antisemitisch geäußert. Das Gebäude ist das ehemalige Jüdische Waisenhaus von 1913. Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamts ermittelt, die Anzeige erfolgte am Freitag, 23. Oktober.
Die Polizei Berlin ermittelt nach einer Sachbeschädigung mit antisemitischem Hintergrund in Pankow. Nach ihren bisherigen Erkenntnissen zerkratzte ein Unbekannter am Donnerstagnachmittag mit einer zerbrochenen Bierflasche die Scheibe einer Informationstafel am Eingang einer Bibliothek und äußerte sich dabei antisemitisch. Eine Besucherin informierte eine Mitarbeiterin. Zur Anzeige kam der Vorfall erst am Freitagvormittag. Der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamts hat die Ermittlungen übernommen.
Was ist am ehemaligen Jüdischen Waisenhaus in Pankow passiert?
Die Tat ereignete sich nach Angaben der Polizei am Eingang der Bibliothek in der Berliner Straße im Ortsteil Pankow. Das Haus ist das ehemalige Jüdische Waisenhaus. Personen kamen nicht zu Schaden. Zur Person des Täters nennt die Polizei bislang nichts, sie spricht von einem Unbekannten. Auch zum Wortlaut der Äußerung macht die Pressemeldung keine Angaben. Wie hoch der Sachschaden ist, teilte sie nicht mit.
Welche Geschichte hat das Gebäude?
Das Jüdische Waisenhaus in Pankow wurde vom Baumeister der Jüdischen Gemeinde, Alexander Beer, entworfen und 1913 eröffnet. Bei den Novemberpogromen 1938 verwüsteten die Nationalsozialisten mehrere Räume. Die Kinder konnten teils mit Kindertransporten oder durch Auswanderung nach Palästina gerettet werden, die übrigen zogen ins Waisenhaus in der Schönhauser Allee 162 und wurden von dort deportiert. Im Dezember 1942 beschlagnahmte das Reichssicherheitshauptamt das Haus.
Nach 1945 saßen hier zeitweise Botschaften, zunächst die polnische, von 1971 bis 1991 die kubanische. 1999 erwarb die Cajewitz-Stiftung das verfallene Gebäude. Heute nutzen es die Stadtbezirksbibliothek und eine Gemeinschaftsschule. Eine Dauerausstellung im ersten Stock dokumentiert die Hausgeschichte, im Eingangsbereich erinnert eine Gedenkwand an die jüdischen Opfer Pankows.
Wie geht es mit den Ermittlungen weiter?
Der Staatsschutz prüft den Fall. Die Polizei bittet um Hinweise: Wer am Donnerstag, 22. Oktober 2026, gegen 15 Uhr etwas an der Berliner Straße beobachtet hat, kann sich über den Notruf 110 oder bei jeder Polizeidienststelle melden. Für den Tatverdächtigen gilt die Unschuldsvermutung, solange niemand gefasst und verurteilt ist.
Antisemitische Vorfälle kannst du auch bei der Polizei Berlin anzeigen. Weitere Meldungen aus dem Bezirk findest du in der Rubrik Pankow und im Ressort Kriminalität.
Quellen
Maik Möhring
Verantwortlicher & Chefredakteur
Moin, ich bin Maik – Gründer von BerlinEcho und verantwortlicher Redakteur. Ich baue seit Jahren digitale Medien auf, die ich wirklich für notwendig halte: unabhängig, ohne Konzernlogik im Rücken, mit echten Menschen dahinter. Berlin fasziniert mich als Stadt …
- Berliner Landespolitik
- Stadtentwicklung
- Digitaler Journalismus
- SEO & Content-Strategie
- Medienrecht
225 BeiträgeXLinkedInInstagramAlle Beiträge →