Blackout im Südwesten: Mobilfunkmasten mit nur 30 Minuten Notstrom
Inhalt (7 Abschnitte)
Beim mehrtägigen Stromausfall im Berliner Südwesten im Januar 2026 hatten Mobilfunkmasten nur rund 30 Minuten Batteriepuffer, wie die Expertenkommission des Senats feststellt. Sie empfiehlt mindestens 72 Stunden Notstrom. Der Senat vereinbarte am 11. August 2026 mit vier Netzbetreibern zwölf Maßnahmen. Ein Gutachten im Auftrag eines Funknetzbetreibers verweist auf ein separates Netz.
Wer beim Stromausfall im Berliner Südwesten im Januar sein Handy nutzen wollte, kam nach kurzer Zeit nicht mehr durch. Die Expertenkommission des Senats beziffert den Batteriepuffer der Mobilfunkmasten auf rund 30 Minuten. Das steht in ihrem Resilienzbericht vom Juni 2026. Nun rückt das Thema erneut in den Blick: Ein Gutachten der Beratungsfirma WIK-Consult im Auftrag des Funknetzbetreibers 450 Connect, über das Tagesspiegel Background am 30. September 2026 berichtete, kommt zu einem ähnlichen Befund.
- 3. Januar 2026: Brand an einer Kabelbrücke bei Lichterfelde, rund 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden ohne Strom
- Batteriepuffer der Mobilfunkmasten: rund 30 Minuten (Expertenbericht)
- Empfehlung der Kommission: mindestens 72 Stunden Notstrom für Basisstationen
- 11. August 2026: Senat und vier Netzbetreiber vereinbaren zwölf Maßnahmen
Was ist beim Stromausfall im Südwesten passiert?
Am um 6.13 Uhr beschädigte ein Feuer an einer Kabelbrücke über den Teltowkanal nahe dem Heizkraftwerk Lichterfelde mehrere Hochspannungskabel. Betroffen waren laut der Mitteilung der Wirtschaftsverwaltung Teile von Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde: rund 45.400 Haushalte und 2.200 Gewerbekunden. Der Expertenbericht spricht von mehr als 100.000 betroffenen Menschen und von fünf Tagen ohne Regelversorgung. Die Behörden sprechen von einem Brandanschlag.
Der Ausfall betraf auch die Kommunikation. Mobilfunk und Festnetz fielen in Teilen des Gebiets aus, als Menschen Warnungen, Notrufe und Auskünfte am dringendsten brauchten.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 3. Januar 2026 | Brandanschlag auf die Kabelbrücke bei Lichterfelde, Stromausfall im Südwesten |
| Juni 2026 | Expertenkommission legt Resilienzbericht für den Regierenden Bürgermeister vor |
| 11. August 2026 | Senat stellt zwölf Maßnahmen für resilientere Mobilfunknetze vor |
| 30. September 2026 | Bericht über ein Gutachten von WIK-Consult im Auftrag von 450 Connect |
Was empfiehlt die Expertenkommission für den Mobilfunk?
Die Kommission fordert, dass Mobilfunk-Basisstationen mindestens 72 Stunden lang mit Notstrom laufen; für Einrichtungen mit höchstem Versorgungsbedarf regt sie 168 Stunden an. Außerdem sollen Warnungen über mehrere Wege laufen: Cell Broadcast, die Apps NINA und KATWARN, Sirenen und UKW-Radio. Als Rückfall schlägt sie „Kiezboxen 2.0“ vor, rund 300 Kommunikationsknoten, die unabhängig vom Stromnetz Zwei-Wege-Kommunikation erlauben. Der Bericht stammt von vier Fachleuten im Auftrag des Regierenden Bürgermeisters.
Was plant der Senat mit den Netzbetreibern?
Am 11. August 2026 stellte Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe Franziska Giffey einen Zwölf-Punkte-Plan vor, erarbeitet mit Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 sowie der Berliner Immobilienmanagement und Stromnetz Berlin. Darin stehen unter anderem:
- bessere Alarmketten und die Einbindung der Betreiber in Krisenübungen des Landes,
- Mobilfunknetze als festen Bestandteil des Lagebilds,
- Zufahrtsrechte für Reparaturtrupps und Vorrang bei der Kraftstoffversorgung,
- Tests mit Solaranlagen und Batteriespeichern auf Landesliegenschaften,
- ausgebaute KAT-Leuchttürme mit Lademöglichkeit und Informationen sowie verlässlicher Mobilfunk in ihrer Umgebung.
Eine feste Notstromdauer für alle Masten steht in den ausgewerteten Angaben nicht. Ob die 72 Stunden der Kommission verbindlich werden, ist damit offen. Wie sich Berlin auf Krisen vorbereitet, zeigt auch der Artikel Bevölkerungsschutz Spandau: WhatsApp-Kanal für Krisenvorsorge.
Was das neue Gutachten zeigt – und wer es bezahlt hat
- Nach dem Bericht von Tagesspiegel Background bauten die Betreiber innerhalb von 24 Stunden eine Grundversorgung auf, die nicht für alle nutzbar war. Die Warnung, beim Wiederanlaufen der Versorgung starke Stromverbraucher abzuschalten, erreichte deshalb nicht alle.
- Die Gutachter sehen ein Problem für Netzbetreiber: Sie müssten beim Wiederanfahren auf Kundenanlagen einwirken und dafür verlässlich kommunizieren. Öffentliche Netze nachzurüsten, etwa mit Batteriespeichern, würde laut Gutachten Milliarden kosten.
- Auftraggeber ist 450 Connect, das ein eigenes Notfall-Funknetz für die Versorgerbranche aufbaut und das 450-MHz-Netz als Lösung nennt. Es gibt also ein wirtschaftliches Eigeninteresse. Das Unternehmen selbst nennt in einer Mitteilung vom Juli 2026 eine bundesweite Abdeckung von über 98 Prozent.
Wie es weitergeht
Der Senat will die zwölf Maßnahmen mit den Betreibern umsetzen. Feste Fristen nennt er in den ausgewerteten Angaben nicht. Offen ist auch, ob Berlin das 450-MHz-Netz für Versorger und Behörden nutzt oder einen eigenen Weg wählt. Für die Menschen in Steglitz-Zehlendorf und den anderen Bezirken ist entscheidend, wie lange ihr Mobilfunknetz beim nächsten Ausfall trägt. Aktuelle Berichte aus dem Bezirk finden sich in der Rubrik Steglitz-Zehlendorf.
Häufige Fragen zum Mobilfunk bei Stromausfall
Wie lange halten Mobilfunkmasten bei einem Stromausfall in Berlin durch?
Nach dem Bericht der Expertenkommission des Senats hatten die Mobilfunkmasten im Südwesten beim Stromausfall im Januar 2026 nur einen Batteriepuffer von rund 30 Minuten. Mobilfunk und Festnetz fielen in Teilen des Gebiets aus, als Warnungen und Notrufe gebraucht wurden. Die Kommission empfiehlt, dass Basisstationen mindestens 72 Stunden lang mit Notstrom laufen. Für Einrichtungen mit höchstem Versorgungsbedarf regt sie sogar 168 Stunden an.
Was sind die KAT-Leuchttürme in Berlin?
KAT-Leuchttürme sind Anlaufstellen des Katastrophenschutzes, an denen Menschen bei einer Krise Informationen erhalten und ihre Geräte laden können. Der Senat will sie ausbauen und in ihrem Umfeld ein verlässliches Mobilfunknetz sicherstellen. Das gehört zu den zwölf Maßnahmen, die er am 11. August 2026 mit den Netzbetreibern Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 sowie der Berliner Immobilienmanagement und Stromnetz Berlin vorgestellt hat.
Quellen
- Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe: Stromausfall im Berliner Südwesten (3. Januar 2026)
- Expertenbericht: Resilienz in Berlin (Juni 2026)
- Senatskanzlei Berlin: Berlin stärkt die Widerstandsfähigkeit seiner Kommunikationsnetze (11. August 2026)
- 450connect: Resilienzbericht für Berlin (Juli 2026, Betreibermitteilung)
- Tagesspiegel Background Energie & Klima, Briefing vom 30. September 2026 (kostenpflichtig)
Maik Möhring
Verantwortlicher & Chefredakteur
Moin, ich bin Maik – Gründer von BerlinEcho und verantwortlicher Redakteur. Ich baue seit Jahren digitale Medien auf, die ich wirklich für notwendig halte: unabhängig, ohne Konzernlogik im Rücken, mit echten Menschen dahinter. Berlin fasziniert mich als Stadt …
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