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Friedrichshain-Kreuzberg · Verkehr

Kopfsteinpflaster abschleifen: Diese Berliner Straßen sind glatt

Berlin lässt an mehreren Straßen Kopfsteinpflaster abschleifen, statt es auszutauschen. Welche Straßen schon glatt sind, was das Verfahren bringt und was noch offen ist.

Hannes Nagel Veröffentlicht
Geglättetes Kopfsteinpflaster auf einer ruhigen Berliner Kiezstraße mit einem abgestellten Fahrrad am Bordstein.
Geglättetes Kopfsteinpflaster und ein abgestelltes Fahrrad in einer ruhigen Berliner Wohnstraße am Morgen. (KI-generiertes Symbolbild)
Inhalt (7 Abschnitte)
  1. Wie funktioniert das Abschleifen von Kopfsteinpflaster?
  2. Welche Berliner Straßen sind schon geschliffen?
  3. Was bringt das Schleifen – und wo liegen die Grenzen?
  4. Was noch offen ist
  5. Wie es weitergeht
  6. Häufige Fragen zum Kopfsteinpflaster-Schleifen
  7. Quellen

Berlin hat seit März 2025 an mindestens vier Straßen Kopfsteinpflaster abgeschliffen: Priesterweg, Lynarstraße, Hufelandstraße und Herrfurthplatz. Das Verfahren macht die Fahrbahn eben und griffig und senkt die Rollgeräusche um vier bis fünf Dezibel. Fugenbild und Versickerung bleiben erhalten. Auf Mosaikpflaster funktioniert es nicht.

Wer in Berlin mit dem Rad über Kopfsteinpflaster fährt, kennt das Gefühl in den Handgelenken. Genau dort setzen Bezirke und die landeseigene infraVelo GmbH an: Sie lassen das historische Pflaster nicht austauschen, sondern mit einer schweren Fräse abschleifen. Der Priesterweg in Tempelhof-Schöneberg war im März 2025 der erste Berliner Test. Inzwischen sind weitere Straßen in Prenzlauer Berg, Wedding und Neukölln dazugekommen.

  • Priesterweg: 250 Meter, rund 1.200 Quadratmeter, März 2025
  • Hufelandstraße: 622 Meter zwischen Greifswalder Straße und Volkspark Friedrichshain, seit Oktober 2025
  • Wirkung laut Bund: 4 bis 5 Dezibel weniger Rollgeräusch, griffige Rillen
  • Grenzen: Mosaikpflaster ungeeignet, bei großen Höhenunterschieden Handarbeit vorab

Wie funktioniert das Abschleifen von Kopfsteinpflaster?

Beim „Precision Grinding“ arbeiten modifizierte Großfräsen mit Diamantscheiben direkt auf der Straße und ebnen die Oberfläche der Steine ein. Das Verfahren stammt aus dem Forschungsprojekt NUDAFA-Reallabor von TH Wildau, TU Berlin und der Gemeinde Eichwalde. In Eichwalde lief im Juni 2025 der Hauptversuch. Dort kamen laut Projektbeschreibung der Forschungsförderung 3D-Vermessung und eine digitale Schleifsimulation zum Einsatz.

Nach dem Bericht des Mobilitätsforums des Bundes lässt sich eine Straße in wenigen Tagen bearbeiten, ohne umfangreiche Bauarbeiten und lange Sperrungen. Der Regen versickert weiter durch die Fugen, wie das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg für den Priesterweg festhält.

Welche Berliner Straßen sind schon geschliffen?

Geschliffenes Kopfsteinpflaster in Berlin, Stand 30. September 2026
Straße Bezirk Umfang Stand
Priesterweg Tempelhof-Schöneberg 250 Meter, rund 1.200 m² März 2025 gefräst
Lynarstraße Mitte (Wedding) rund 60 Meter Juli 2025 bearbeitet
Corinthstraße Friedrichshain-Kreuzberg 750 m² zwischen Markgrafendamm und Bödikerstraße, nur Fahrbahn 2025 vom Bezirksamt angekündigt
Hufelandstraße Pankow 622 Meter seit Oktober 2025 geschliffen, Markierung läuft
Herrfurthplatz Neukölln 970 m², 152 Meter Fahrradstraße laut infraVelo abgeschlossen

Die Angaben stammen von den Bezirksämtern, von infraVelo zur Hufelandstraße und zum Herrfurthplatz sowie von einem Bericht zur Lynarstraße im Brunnenmagazin. Für die Corinthstraße nennt das Bezirksamt in seiner Mitteilung weder Kosten noch Termine. Zum Herrfurthplatz gibt es bei uns den Beitrag Herrfurthplatz Umbau: Weniger Autos im Schillerkiez.

Was bringt das Schleifen – und wo liegen die Grenzen?

Der Nutzen liegt im Fahrkomfort: Die Oberfläche wird ebener, die Rollgeräusche sinken laut Mobilitätsforum um vier bis fünf Dezibel. Nach Einschätzung des TH-Wildau-Professors Christian Rudolph, wiedergegeben von Tagesspiegel Background, profitieren auch Rollstuhlfahrende und Eltern mit Kinderwagen von der glatteren Fläche. Das Straßenbild bleibt erhalten, was in Kiezen mit historischem Pflaster zählt.

Die Grenzen nennt derselbe Bericht ebenfalls: Das Verfahren funktioniert am besten auf relativ ebenem Großsteinpflaster, Mosaikpflaster ist ungeeignet. Bei größeren Höhenunterschieden ist Handarbeit vorab nötig, Schachtdeckel brauchen Vor- und Nachbearbeitung.

Was noch offen ist

  • Kosten: Öffentliche Kostenangaben der Bezirke fehlen. Tagesspiegel Background nennt für die Hufelandstraße rund 600.000 Euro und zitiert den TH-Wildau-Professor Christian Rudolph, mit Entwässerung und Planung sei eine Asphaltierung teurer. Das ist eine einzelne Quelle und nicht amtlich bestätigt.
  • Messwerte: infraVelo untersucht in der Hufelandstraße Lärm, Griffigkeit und Vibrationen. Ergebnisse liegen öffentlich noch nicht vor.
  • Reaktionen: In der Hufelandstraße waren Anwohnerinnen und Anwohner geteilter Meinung, einige kritisierten die späte Information.
  • Umfang: Laut Tagesspiegel Background sind grob geschätzt zehn Prozent der Berliner Straßen noch gepflastert, bei 5.350 Kilometern Netz wären das rund 530 Kilometer. Genaue Zahlen fehlen.

Wie es weitergeht

In der Hufelandstraße läuft nach Angaben von infraVelo mit Stand 28. September 2026 die Markierung und Beschilderung zur Fahrradstraße, teils mit zeitweiligen Halteverboten. Für weitere Berliner Straßen liegen uns keine bestätigten Pläne vor. Welche Straßen folgen, entscheiden die Bezirke. Aktuelle Verkehrsmeldungen findest du im Ressort Verkehr.

Häufige Fragen zum Kopfsteinpflaster-Schleifen

Wird geschliffenes Kopfsteinpflaster rutschig?

Nach den Angaben des Mobilitätsforums des Bundes entsteht beim Schleifen eine feine, griffige Rillenstruktur, die den Halt für Reifen verbessern soll. Wie sich Griffigkeit, Lärm und Vibrationen in der Hufelandstraße tatsächlich verändern, untersucht derzeit infraVelo. Belastbare Messwerte für Berlin liegen nach unseren Recherchen noch nicht öffentlich vor. Die 4 bis 5 Dezibel weniger Rollgeräusch stammen aus der bundesweiten Auswertung der Pilotstrecken.

Passt das Verfahren zum Denkmalschutz?

Das Mobilitätsforum des Bundes beschreibt das Schleifen als vergleichsweise material- und ortsbildschonend, weil Material, Fugenbild und Charakter der Straße weitgehend erhalten bleiben. Für Flächendenkmäler ist das aber nicht abschließend geklärt: Nach Angaben des Forschungsteams steht die Abstimmung mit den Denkmalämtern noch aus. Ob und wo Berlin das Verfahren auf geschützten Straßen einsetzt, entscheiden die Bezirke.

Quellen

Hannes Nagel

Redakteur Wirtschaft & Verkehr

Ich bin Hannes, und ich schreibe bei BerlinEcho über Wirtschaft und Verkehr – zwei Themen, die in Berlin enger zusammenhängen, als man denkt. Wer in einer Stadt wohnt, in der die BVG täglich ausläuft und gleichzeitig das teuerste …

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