Wer heute über den Fehrbelliner Platz Berlin spaziert, blickt auf ein einzigartiges Baudenkmal aus den Jahren 1941 bis 1943, dessen Zukunft gerade neu geschrieben wird. Ende 2014 zog das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf aus dem alten Rathaus Wilmersdorf (Fehrbelliner Platz 4, 10707 Berlin-Wilmersdorf) aus, um jährlich rund drei Millionen Euro Mietkosten zu sparen – eine Entscheidung, die den Bezirk heute schmerzlich einholt. Als politischer Beobachter der Berliner Stadtentwicklung verfolge ich, wie sich dieser markante Verkehrsknotenpunkt mit seiner Mischung aus strenger Verwaltungsarchitektur und buntem Pop-Art-Pavillon stetig wandelt.
Maik Möhring, Chefredakteur: „Ich gehe regelmäßig am Rathaus Wilmersdorf vorbei und sehe die leeren Fensterfronten. Dass ein Bezirk sein historisches Verwaltungsgebäude aufgibt und zehn Jahre später selbst keine Büros mehr findet, ist eine typische Berliner Verwaltungsgeschichte – und kein Einzelfall.“
- Das Rathaus Wilmersdorf (Fehrbelliner Platz 4, 10707 Berlin) wurde 1941–1943 nach Entwürfen von Helmut Remmelmann errichtet.
- Das Bezirksamt zog Ende 2014 aus – Ersparnis: rund 3 Millionen Euro pro Jahr laut Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD).
- Von August 2015 bis November 2017 diente das Gebäude als Notunterkunft für bis zu 1.150 Geflüchtete.
- Bis Ende 2024 nutzte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen das Gebäude als Ausweichquartier.
- Der U-Bahnhof wird von zwei Linien bedient: U3 (seit 12. Oktober 1913) und U7 (seit Januar 1971).
🏢 Der Auszug 2014: Eine teure Fehlkalkulation?
Die Entscheidung fiel bereits im Januar 2012, als das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf beschloss, den Standort aufzugeben. Die BVV bestätigte den Beschluss am 8. März 2012. Im April 2013 zog zunächst die Bezirksverordnetenversammlung ins Rathaus Charlottenburg um, die Verwaltungsbereiche folgten bis Ende 2014. Damals schien der Schritt wirtschaftlich logisch: Laut Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) hatte der Bezirk durch Personalabbau einen deutlichen Überschuss an Büroflächen – rund 20 Quadratmeter pro Mitarbeiter statt der angestrebten 11 Quadratmeter. Die jährliche Ersparnis von rund drei Millionen Euro sollte das Haushaltsdefizit spürbar senken.
Heute zeigt sich rund um den Fehrbelliner Platz Berlin eine bittere Ironie. Der Bezirk, der einst auszog um Kosten zu sparen, sucht längst wieder händeringend nach neuen Büroflächen für seine Mitarbeiter – auf einem inzwischen deutlich teureren Berliner Büromarkt. Ähnlich wie bei der Schließung von Karstadt in der Wilmersdorfer Straße spürt der Bezirk die direkten Folgen langfristiger Immobilienentscheidungen.
🏗️ Architektur und Geschichte: Ein Schlüsselloch aus Backstein
Das Gebäude am Fehrbelliner Platz Berlin ist architektonisch ein Sonderfall. Entworfen von Helmut Remmelmann, der in der Entwurfsabteilung der Deutschen Arbeitsfront (DAF) arbeitete, entstand es 1941 bis 1943 als letzter Bau im Verwaltungskomplex am Platz. Da zu dieser Zeit Beton und Stahl kontingentiert waren, wurde es ganz traditionell als Mauerwerksbau mit Putzfassade errichtet – das einzige Gebäude dieser Art am gesamten Fehrbelliner Platz.
Der Grundriss des Gebäudes ähnelt einem Schlüsselloch: ein runder, von Säulen flankierter Ehrenhof als Kopf und ein größerer Wirtschaftshof dahinter. Die geschwungene Frontseite schließt die halbkreisförmige Bebauung am Hohenzollerndamm ab. Im Innenhof des Rundhofs befinden sich seit 1957 27 von Ludwig Peter Kowalski gestaltete Wappenmosaiken ehemaliger ostdeutscher Länder und Städte. Unterhalb des Wirtschaftshofs liegt zudem ein Tiefbunker mit 1.809 Schutzplätzen aus der Bauzeit.
| Bauwerk / Infrastruktur | Eröffnung / Bauzeit | Besonderheit |
|---|---|---|
| Rathaus Wilmersdorf | 1941–1943 | Schlüsselloch-Grundriss, Mauerwerksbau; Architekt: Helmut Remmelmann |
| U-Bahnhof U3 | 12. Oktober 1913 | Gestaltung: Wilhelm Leitgebel; mit eigener Abstellanlage für Züge |
| U-Bahn-Pavillon U7 | Januar 1971 | Pop-Art-Fassade in Rot und Grün; Berliner Architektur-Ikone |
| Tiefbunker | 1941–1943 (instand gesetzt 1981) | 1.809 Schutzplätze; übergeben als 7. öffentlicher Zivilschutzraum |
🏛 Neue Mieter: Von der Flüchtlingsunterkunft zur Senatsverwaltung
Die Nachnutzungsgeschichte des ehemaligen Rathauses ist vielschichtiger als der Artikel bisher vermittelt. Direkt nach dem Auszug des Bezirksamts Ende 2014 übernahm das Berliner Immobilienmanagement (BIM) das Gebäude als Eigentümervertreterin des Landes. Bereits im Sommer 2015 wurden Pläne bekannt, das Gebäude als Notunterkunft für Geflüchtete zu nutzen. Von August 2015 bis November 2017 beherbergte das ehemalige Rathaus bis zu 1.150 Geflüchtete – eine der größten Notunterkünfte Berlins zu dieser Zeit. Im August 2015 besuchte Bundespräsident Joachim Gauck die Einrichtung persönlich.
Nach dem Ende der Notunterkunft folgte eine weitere Zwischennutzung: Bis Ende 2024 diente das Gebäude als Ausweichquartier für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Ob und welche Behörde das Gebäude ab 2025 dauerhaft oder temporär nutzt, ist derzeit nicht offiziell kommuniziert. Als Nachnutzer waren in der Vergangenheit der Landesrechnungshof und das Landesarbeitsgericht im Gespräch.
🛍 Wochenmarkt und Pop-Art-Pavillon: Das Leben am Platz

Nicht nur die Verwaltungsgeschichte prägt den Fehrbelliner Platz Berlin. Direkt vor dem Haupteingang des ehemaligen Rathauses findet laut Wikipedia dienstags und donnerstags ein kleiner Wochenmarkt statt. Wer Vintage-Kleidung oder Antiquitäten sucht, sollte die konkreten Marktzeiten vorab beim Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf erfragen, da sich Marktzeiten und -angebote ändern können.
Der eigentliche Blickfang des Platzes ist der Eingangspavillon der U-Bahn-Linie U7. Der im Januar 1971 eröffnete Pavillon gilt mit seiner rot-grünen Pop-Art-Fassade als eines der markantesten Beispiele seiner Ära im Berliner U-Bahn-Netz. In starkem Kontrast dazu stehen die monumentalen Verwaltungsgebäude aus der NS-Zeit, die den gesamten Platz prägen – darunter ehemalige Bauten der Deutschen Arbeitsfront, der Nordstern-Lebensversicherungsbank und der NS-Volkswohlfahrt. Heute beherbergen viele dieser Gebäude unter anderem die Deutsche Rentenversicherung.
❓ Häufige Fragen zum Fehrbelliner Platz Berlin
Welche U-Bahn fährt zum Fehrbelliner Platz?
Der Fehrbelliner Platz Berlin wird von zwei Linien bedient. Die U3 (Richtung Krumme Lanke / Warschauer Straße) hält an dem bereits am 12. Oktober 1913 eröffneten Bahnsteig, der von Architekt Wilhelm Leitgebel gestaltet wurde. Die U7 (Richtung Rathaus Spandau / Rudow) nutzt den tiefergelegenen Bahnsteig, der im Januar 1971 zusammen mit dem markanten Pop-Art-Pavillon in Betrieb ging.
Warum zog das Bezirksamt 2014 aus dem Rathaus Wilmersdorf aus?
Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf beschloss im Januar 2012 den Auszug aus wirtschaftlichen Gründen. Durch Personalabbau hatte der Bezirk einen erheblichen Überschuss an Büroflächen – rund 20 m² pro Mitarbeiter statt der Zielgröße von 11 m². Durch den Auszug sollten laut Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) jährlich rund drei Millionen Euro eingespart werden. Die BVV stimmte am 8. März 2012 zu.
Wann wurde das Rathaus Wilmersdorf gebaut?
Das Gebäude entstand 1941 bis 1943 nach Entwürfen des Architekten Helmut Remmelmann, der in der Entwurfsabteilung der Deutschen Arbeitsfront (DAF) tätig war. Es war das letzte Gebäude, das im Rahmen des NS-Verwaltungskomplexes am Fehrbelliner Platz errichtet wurde. Das ursprünglich viergeschossige Gebäude wurde 1958/59 um ein fünftes Geschoss erweitert.
Was ist die genaue Adresse des alten Rathauses Wilmersdorf?
Das ehemalige Rathaus Wilmersdorf befindet sich an der Adresse Fehrbelliner Platz 4, 10707 Berlin-Wilmersdorf, Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und wird heute vom Berliner Immobilienmanagement (BIM) verwaltet.
Wann findet der Markt am Fehrbelliner Platz statt?
Vor dem ehemaligen Rathaus Wilmersdorf findet laut Bezirksamt dienstags und donnerstags ein kleiner Wochenmarkt statt. Aktuelle Zeiten und das genaue Angebot sollten beim Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf erfragt werden, da sich Marktformate ändern können.
🏁 Fazit: Ein Platz zwischen Geschichte und Verwaltungschaos
Der Fehrbelliner Platz Berlin dokumentiert auf engstem Raum die wechselhafte Immobilienpolitik der Hauptstadt. Das 1941 bis 1943 von Helmut Remmelmann errichtete Baudenkmal hat in knapp einem Jahrzehnt Bezirksverwaltung, Flüchtlingsunterkunft und Senatsverwaltung beherbergt – und steht 2026 erneut vor einer ungeklärten Zukunft. Dass der Bezirk, der 2014 auszog um drei Millionen Euro jährlich zu sparen, heute selbst auf der Suche nach bezahlbaren Büros ist, ist die bitterste Ironie dieser Geschichte. Das Gebäude gehört dem Land Berlin, der Bezirk geht leer aus.
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Maik Möhring, Chefredakteur: „Wenn ich am Fehrbelliner Platz vorbeifahre, frage ich mich jedes Mal: Wie viele solcher historischen Verwaltungsgebäude gibt es noch in Berlin, die still vor sich hin stehen, während der Bezirk nebenan teure Büros anmietet? Das ist kein Einzelfall – das ist System.“
🤖 Dieser Artikel entstand mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI). Angaben basieren auf verfügbaren Quellen zum Zeitpunkt der Erstellung (März 2026), insbesondere Wikipedia (Rathaus Wilmersdorf) und Berliner Zeitung/Tagesspiegel-Archiven. Für Korrekturen oder Hinweise: Kontakt zur Redaktion →
