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Tempelhof-Schöneberg · Verkehr

Ella-Barowsky-Straße: Erster Abschnitt fertig, Stadtplatz folgt

Der erste Abschnitt der Ella-Barowsky-Straße an der Schöneberger Linse ist umgebaut. Gleich daneben baut der Bezirk bis 2028 den Charlotte-Wolff-Platz – für den letzten Abschnitt fehlt noch das Geld.

Hannes Nagel Veröffentlicht
Neu gepflasterter Gehweg mit Radspur und jungen Bäumen neben einer umzäunten Baustelle vor modernen Wohnhäusern.
Der erste Abschnitt der Ella-Barowsky-Straße ist fertiggestellt, während nebenan die Arbeiten für den Stadtplatz beginnen. (KI-generiertes Symbolbild)
Inhalt (6 Abschnitte)
  1. Was ist an der Ella-Barowsky-Straße jetzt neu?
  2. Wie soll der Charlotte-Wolff-Platz aussehen?
  3. Was die Pressemitteilung nicht sagt
  4. Wie es weitergeht
  5. Häufige Fragen
  6. Quellen

Der erste Bauabschnitt der Ella-Barowsky-Straße in Schöneberg ist fertig: 250 Meter zwischen Hedwig-Dohm-Straße und Gotenstraße mit barrierefreien Gehwegen, eigener Radspur und neuen Bäumen für rund drei Millionen Euro. Direkt anschließend baut das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg auf 2.360 Quadratmetern den Charlotte-Wolff-Platz, der 2028 fertig sein soll.

Zwei Jahre Baustelle, jetzt ist das erste Stück geschafft. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hat den Umbau der Ella-Barowsky-Straße zwischen Hedwig-Dohm-Straße und Gotenstraße abgeschlossen, wie es in seiner Pressemitteilung vom 5. November 2026 mitteilt. Wo bisher lückenhafte und teils marode Gehwege lagen, gibt es auf rund 250 Metern barrierefreie Gehwege, eine eigene Spur für Radfahrende, neue Straßenlaternen und frisch gepflanzte Straßenbäume. Pause gibt es keine: Mit einem symbolischen Spatenstich begann gleichzeitig der zweite Bauabschnitt, der neue Charlotte-Wolff-Platz an der Ecke zur Gotenstraße.

Die Ella-Barowsky-Straße ist die Hauptachse der Schöneberger Linse, des Neubauquartiers zwischen dem Bahnhof Südkreuz und dem S-Bahnhof Schöneberg. Auf dem früheren Gewerbe- und Bahngelände sind seit 2014 zahlreiche Wohnungen entstanden – ein Platz, an dem sich die Nachbarschaft trifft, fehlte bisher.

Was ist an der Ella-Barowsky-Straße jetzt neu?

Der fertige Abschnitt der Ella-Barowsky-Straße ist eine Stadtstraße, in der Fuß- und Radverkehr eigenen Platz bekommen. Der Radweg liegt nach den Plänen des Bezirks auf Gehwegniveau und ist durch einen kombinierten Park- und Pflanzstreifen von der Fahrbahn getrennt. Gehwege und Kreuzungen wurden nach den Berliner Ausführungsvorschriften für Geh- und Radwege barrierefrei umgebaut. Das hatte das Bezirksamt beim Baustart am 19. November 2024 angekündigt.

Für Radfahrende ist das mehr als Kosmetik. Der Abschnitt ist Teil der Verbindung zwischen Südkreuz und S-Bahnhof Schöneberg – wer zwischen den beiden Ringbahnhöfen pendelt, fährt jetzt ein Stück auf eigener Spur statt zwischen parkenden Autos.

Umbau Ella-Barowsky-Straße und Charlotte-Wolff-Platz im Überblick (Quelle: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg, Stand 5. November 2026)
Bauabschnitt Bereich Stand
1. Bauabschnitt Ella-Barowsky-Straße, rund 250 Meter von Hedwig-Dohm-Straße bis Gotenstraße fertig, Bauzeit November 2024 bis November 2026, rund 3 Millionen Euro
2. Bauabschnitt Charlotte-Wolff-Platz, rund 2.360 Quadratmeter an der Ecke Gotenstraße Baustart November 2026, rund 1,5 Jahre Bauzeit, Fertigstellung 2028 geplant
3. Bauabschnitt Ella-Barowsky-Straße westlich der Gotenstraße keine Finanzierung, kein Termin

Wie soll der Charlotte-Wolff-Platz aussehen?

Der Charlotte-Wolff-Platz entsteht auf einer Dreiecksfläche an der Ecke Ella-Barowsky-Straße und Gotenstraße, die bisher als Lager für die Baustelle diente. Auf rund 2.360 Quadratmetern plant das Bezirksamt einen Stadtplatz für Nachbarschaftsfeste, Marktbetrieb und Außengastronomie, mit Sitzmöglichkeiten und einer Beleuchtung mit wenig Streulicht, die Insekten schonen soll. Acht neue Bäume sollen Schatten spenden, darunter ein großer Einzelbaum mit Rundbank. Laut der Projektseite des Straßen- und Grünflächenamts wird der Platz barrierefrei, ein Trinkwasserbrunnen ist geplant.

Der Platz folgt dem Prinzip der Schwammstadt: Regenwasser soll nicht in den Kanal laufen, sondern vor Ort versickern. Dafür sind drei Bereiche vorgesehen – eine Rasenfläche in der Mitte, ein Beet mit Stauden und Bodendeckern und die große Baumscheibe des Einzelbaums. Eine offene Mulde entlang der Gotenstraße nutzt das natürliche Gefälle. Die Pläne hatte das Bezirksamt bei einem Informationsabend am vorgestellt; die Präsentation steht auf der Projektseite zum Download.

Benannt ist der Platz nach der Ärztin und Sexualwissenschaftlerin Charlotte Wolff (1897–1986), die in Berlin praktizierte, als Jüdin emigrieren musste und grundlegende Werke zur weiblichen Homosexualität schrieb. Das Bezirksamt spricht vom «zukünftig benannten» Platz.

Was die Pressemitteilung nicht sagt

  • Der Platz stand im Frühjahr auf der Kippe. Im März 2026 teilte das Bezirksamt mit, die Finanzierung des zweiten Bauabschnitts sei «zwischenzeitlich nicht gesichert» gewesen; erst danach sagte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Förderung für 2026 wieder zu.
  • Das Fördergebiet läuft aus. Die Senatsverwaltung zählt Ella-Barowsky-Straße und Charlotte-Wolff-Platz zu den letzten großen Vorhaben im Gebiet Schöneberg-Südkreuz, für das seit 2005 insgesamt 42,5 Millionen Euro bewilligt wurden (Stand Februar 2026). Für den dritten Abschnitt der Straße fehlt das Geld bisher.
  • Die Baustelle wandert nur um die Ecke. Wer an der Gotenstraße wohnt, hat bis voraussichtlich 2028 weiter Bagger vor der Tür.

Wie es weitergeht

Die Arbeiten am Charlotte-Wolff-Platz haben mit dem Spatenstich Anfang November 2026 begonnen und sollen nach Angaben von Bezirksstadträtin Saskia Ellenbeck rund anderthalb Jahre dauern; die Projektseite nennt 2028 als Ziel. Zuständig sind Ellenbeck als Bezirksstadträtin für Ordnung, Straßen, Grünflächen, Umwelt und Naturschutz und Eva Majewski Sparacino als Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung. Wann der Rest der Ella-Barowsky-Straße westlich der Gotenstraße drankommt, ist offen. Was sich rund um den Bahnhof sonst tut, steht in unserem Überblick zum Bahnhof Südkreuz; weitere Nachrichten aus dem Bezirk unter Tempelhof-Schöneberg.

Häufige Fragen

Wer war Charlotte Wolff?

Charlotte Wolff war Ärztin, Sexualwissenschaftlerin und Schriftstellerin. Sie wurde am 30. September 1897 im westpreußischen Riesenburg geboren, arbeitete in der Weimarer Republik als Ärztin in Berlin und musste Deutschland als Jüdin verlassen. Über Paris kam sie 1936 nach London, wo sie am 12. September 1986 starb. Bekannt wurde sie mit grundlegenden Werken zur weiblichen Homosexualität. In Schöneberg erinnert bereits ein Gedenkstein auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof an der Großgörschenstraße an sie.

Wer bezahlt den Umbau der Ella-Barowsky-Straße?

Der erste Bauabschnitt kostete für Planung und Bau rund drei Millionen Euro. 2,85 Millionen Euro kamen nach Angaben des Bezirksamts aus dem Bund-Länder-Programm «Nachhaltige Erneuerung», das die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen vergibt. Das sind 95 Prozent. Die restlichen 150.000 Euro zahlt der Bezirk Tempelhof-Schöneberg aus eigenen Mitteln. Auch der Charlotte-Wolff-Platz wird aus diesem Programm und mit Bezirksgeld finanziert.

Wann wird der Rest der Ella-Barowsky-Straße umgebaut?

Ein Termin für den dritten Bauabschnitt westlich der Gotenstraße steht nicht fest. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg schreibt in seiner Pressemitteilung vom 5. November 2026, dass für diesen Abschnitt noch keine Finanzierung vorliegt. Schon beim Baustart im November 2024 hieß es, dort stünden noch grundlegende Entscheidungen im Gesamtkonzept für die Schöneberger Linse aus.

Quellen

Hannes Nagel

Redakteur Wirtschaft & Verkehr

Ich bin Hannes, und ich schreibe bei BerlinEcho über Wirtschaft und Verkehr – zwei Themen, die in Berlin enger zusammenhängen, als man denkt. Wer in einer Stadt wohnt, in der die BVG täglich ausläuft und gleichzeitig das teuerste …

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