Internationale Auszubildende Berlin: Der Senat hat am 15. September 2026 einen Abschlussbericht mit Schutzmaßnahmen gegen unseriöse Vermittlungsagenturen beschlossen. Ab dem 1. Oktober 2026 startet ein Pilotprojekt mit gezielter Beratung für Azubis aus Drittstaaten. Seit Januar 2026 arbeitete eine ressortübergreifende Projektgruppe an den Vorschlägen von Senatorin Cansel Kiziltepe.
Der Berliner Senat hat in seiner Sitzung am 15. September 2026 auf Vorlage von Cansel Kiziltepe (SPD), Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, den Abschlussbericht zur Umsetzung des Abgeordnetenhausbeschlusses „Kontrollierte Rahmenbedingungen für Auszubildende aus Drittstaaten“ beschlossen. Ziel ist es, internationale Auszubildende künftig besser vor unseriösen Vermittlungspraktiken zu schützen und während der Ausbildung gezielter zu unterstützen. Zugleich will sich Berlin auf Bundesebene für verbindliche Qualitätsstandards bei der Anwerbung einsetzen – ein Thema, das auch bei der Migrationspolitik zur Berlin-Wahl immer wieder zur Sprache kommt und eng mit der Debatte um die Ausbildungsplatzabgabe für Berliner Betriebe verknüpft ist.

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Kurz zusammengefasst: Nach einem knappen Jahr Arbeitsgruppen-Arbeit beschließt der Senat konkrete Schutzmaßnahmen für internationale Auszubildende – mehr Beratung, mehr Sprachförderung und ein neues Pilotprojekt ab 1. Oktober 2026. Bei privaten Vermittlungsagenturen bleibt Berlin aber weitgehend auf eine bundesweite Lösung angewiesen, weil die Branche seit 2002 nicht mehr erlaubnispflichtig ist.
📋 Das Wichtigste in Kürze
- Senatsbeschluss vom 15. September 2026: Abschlussbericht „Kontrollierte Rahmenbedingungen für Auszubildende aus Drittstaaten“
- Vorlage: Senatorin Cansel Kiziltepe (SPD), Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung
- Projektgruppe arbeitet seit Januar 2026 mit Bezirken, Kammern, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden, Oberstufenzentren und Ermittlungsbehörden
- Neues Pilotprojekt zur Beratung startet zum 1. Oktober 2026
- Berlin bringt Antrag für bundesweite Qualitätsstandards in die Arbeits- und Sozialministerkonferenz ein
- Private Vermittlungsagenturen sind seit 2002 nicht mehr erlaubnispflichtig – landeseigene Zertifizierung ist laut Senat rechtlich nicht umsetzbar
📖 Inhaltsverzeichnis
🏛️ Was hat der Senat heute beschlossen?
Der Senat hat den Abschlussbericht einer ressortübergreifenden Projektgruppe gebilligt, die seit Januar 2026 unter Federführung der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung gemeinsam mit Bezirken, Kammern, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden, Oberstufenzentren, Beratungsstellen, Ermittlungsbehörden, Bundesinstitutionen, anderen Bundesländern sowie Wissenschaft und Zivilgesellschaft an Verbesserungsvorschlägen gearbeitet hat. Bereits im Zwischenbericht vom 5. Mai 2026 hatte der Senat dubiose Vermittlungsagenturen, hohe Gebührenforderungen im Ausland sowie schwierige Lebensbedingungen als zentrale Probleme benannt.
📋 Internationale Auszubildende Berlin: Welche Risiken bestehen?
Laut Senat eröffnet die Gewinnung von Auszubildenden aus Drittstaaten jungen Menschen berufliche Perspektiven und hilft Berliner Betrieben bei der Fachkräftesicherung. Gleichzeitig bestehen für die Auszubildenden Risiken – etwa durch hohe Vermittlungsgebühren im Herkunftsland, Abhängigkeit von Vermittlungsagenturen, unzureichende Sprachkenntnisse oder fehlende Informationen über Rechte und Pflichten sowie das Leben in Deutschland. Senatorin Kiziltepe erklärte laut Pressemitteilung, man begreife die Berichte über problematische Vermittlungspraktiken „als Auftrag zum Handeln“.
📅 Was ändert sich ab dem 1. Oktober 2026?
Zum 1. Oktober 2026 startet ein neues Pilotprojekt der für Arbeit zuständigen Senatsverwaltung, das Beratung und gezielte Vermittlung an passende Unterstützungsangebote verbessern soll – etwa bei Problemen mit Vermittlungsagenturen, unklaren Aufenthalts- oder Arbeitsrechtsfragen oder Sprachschwierigkeiten. Geplant sind außerdem der Ausbau niedrigschwelliger und mehrsprachiger Beratungsangebote, zusätzliche Sprachförderung und eine engere Vernetzung der beteiligten Stellen. Betriebe sollen zudem stärker dafür sensibilisiert werden, ausschließlich seriöse Vermittlungsagenturen zu beauftragen – ein Anliegen, das auch in unserer Rubrik Gesellschaft immer wieder Thema ist.
| Datum | Schritt |
|---|---|
| Januar 2026 | Start der ressortübergreifenden Projektgruppe |
| 5. Mai 2026 | Zwischenbericht, Probleme benannt |
| 15. September 2026 | Abschlussbericht im Senat beschlossen |
| 1. Oktober 2026 | Start des Beratungs-Pilotprojekts |
🏛️ BERLINECHO-EINORDNUNG
Was die Pressemitteilung nicht erzählt
Hinter den nüchternen Formulierungen „unseriöse Vermittlungspraktiken“ und „schwierige Lebensbedingungen“ steckt ein Fall, über den der Tagesspiegel bereits berichtet hat: An der Brillat-Savarin-Schule im Ortsteil Weißensee ist nach Recherchen der Zeitung rund ein Drittel von etwa 700 vietnamesischen Schülerinnen und Schülern aus dem Schulleben verschwunden.
1. Die Zahlen hinter dem Bericht
Laut Tagesspiegel absolvieren knapp 2.000 Vietnamesinnen und Vietnamesen eine Ausbildung in Berlin, bundesweit sind es rund 16.000 – allein 2024 kamen etwa 4.000 neu hinzu. Diese Größenordnung erklärt, warum der Senat das Thema zur Chefsache in gleich zwei Senatssitzungen gemacht hat.
2. Vermittlungsgebühren als Schuldenfalle
Nach Angaben der Zeitung verlangen private Vermittlungsagenturen im Herkunftsland teils hohe Summen für Verträge, Sprachnachweise und Visa – was junge Menschen in Verschuldung und Abhängigkeit treiben kann. Eine Gewerkschaft bezeichnete die Praktiken laut Tagesspiegel als „modernen Menschenhandel“.
3. Warum Berlin allein wenig ausrichten kann
Private Vermittlungsagenturen sind seit 2002 nicht mehr erlaubnispflichtig. Eine eigene Zertifizierung aller Anbieter ist laut Senat rechtlich und organisatorisch nicht umsetzbar – deshalb bringt Berlin einen Antrag für bundesweit verbindliche Standards in die Arbeits- und Sozialministerkonferenz ein, statt allein zu handeln.
📌 EHRLICHE EINORDNUNG:
Das Pilotprojekt ab Oktober hilft Betroffenen, die bereits in Berlin sind – gegen unseriöse Anwerbung im Ausland kann das Land ohne bundesweite Regeln aber kaum vorgehen. Ob die Arbeits- und Sozialministerkonferenz liefert, entscheidet sich erst im weiteren Verlauf.
Maik Möhring · Chefredakteur
Solche Senatsbeschlüsse klingen bürokratisch, betreffen aber ganz konkret junge Menschen, die oft schon verschuldet nach Berlin kommen – das verdient mehr als eine Randnotiz.
| Aspekt | Details | Quelle |
|---|---|---|
| Was | Abschlussbericht Schutzmaßnahmen Auszubildende Drittstaaten | Senatskanzlei Berlin |
| Wann | Senatsbeschluss 15. September 2026, Pilotprojekt ab 1. Oktober 2026 | Senatskanzlei Berlin |
| Hintergrund | Verschwundene vietnamesische Auszubildende, Brillat-Savarin-Schule Weißensee | Tagesspiegel |
❓ Häufige Fragen zu internationalen Auszubildenden in Berlin
Was hat der Berliner Senat am 15. September 2026 beschlossen?
Der Senat hat auf Vorlage von Senatorin Cansel Kiziltepe den Abschlussbericht zur Umsetzung des Beschlusses „Kontrollierte Rahmenbedingungen für Auszubildende aus Drittstaaten“ gebilligt. Der Bericht enthält Maßnahmen, mit denen internationale Auszubildende besser vor unseriösen Vermittlungspraktiken geschützt und während ihrer Ausbildung gezielter unterstützt werden sollen. Eine ressortübergreifende Projektgruppe hatte seit Januar 2026 daran gearbeitet.
Was ist das neue Pilotprojekt für internationale Auszubildende?
Ab dem 1. Oktober 2026 startet ein Pilotprojekt der für Arbeit zuständigen Senatsverwaltung, das Beratung und gezielte Vermittlung an Unterstützungsangebote verbessern soll. Es richtet sich an Auszubildende aus Drittstaaten mit Problemen bei Vermittlungsagenturen, unklaren Aufenthalts- oder Arbeitsrechtsfragen oder Sprachschwierigkeiten.
Warum kann Berlin private Vermittlungsagenturen nicht direkt kontrollieren?
Private Arbeitsvermittlung ist in Deutschland seit 2002 nicht mehr erlaubnispflichtig, wie der Senat in seiner Mitteilung erläutert. Eine landeseigene Zertifizierung aller Anbieter ist laut Senat rechtlich und organisatorisch nicht umsetzbar. Berlin setzt deshalb auf einen Antrag für bundesweit verbindliche Qualitätsstandards in der Arbeits- und Sozialministerkonferenz.
Wie viele internationale Auszubildende sind in Berlin betroffen?
Genaue Gesamtzahlen zu allen internationalen Auszubildenden in Berlin nennt der Senatsbeschluss nicht. Für die am häufigsten diskutierte Gruppe, Auszubildende aus Vietnam, berichtete der Tagesspiegel von knapp 2.000 Personen in Berlin und rund 16.000 bundesweit, mit einem Zugang von etwa 4.000 im Jahr 2024.
🏁 Fazit: Mehr Beratung, aber die Kontrolle bleibt Bundessache
Internationale Auszubildende Berlin: Beim Schutz vor unseriöser Vermittlung bleiben zwei Geschwindigkeiten sichtbar. Mit dem Abschlussbericht vom 15. September 2026 und dem Pilotprojekt ab 1. Oktober 2026 reagiert der Senat auf ein Problem, das seit Monaten dokumentiert ist – zuletzt mit rund 700 betroffenen Schülerinnen und Schülern allein an einer Weißenseer Berufsschule. Ob sich an den eigentlichen Vermittlungspraktiken im Ausland etwas ändert, hängt aber von der für 2026 angestrebten bundesweiten Regelung ab, nicht allein von Berliner Maßnahmen.
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