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Gesellschaft

Anwerbeabkommen mit der Türkei: Berlin erinnert an 65 Jahre

Der Senat hat im Roten Rathaus an das Anwerbeabkommen mit der Türkei von 1961 erinnert. Was damals vereinbart wurde und was die Zahlen für Berlin zeigen.

Ida Nagel Veröffentlicht
Die rot verklinkerte Fassade des Roten Rathauses in Berlin am Abend bei warmer Beleuchtung und leerem Vorplatz.
Im Berliner Roten Rathaus erinnerte der Senat an die Unterzeichnung des deutsch-türkischen Abkommens vor 65 Jahren. (KI-generiertes Symbolbild)
Inhalt (6 Abschnitte)
  1. Was regelte das Anwerbeabkommen von 1961?
  2. Wie viele Menschen mit türkischen Wurzeln leben in Berlin?
  3. Was sagten Wegner und Kiziltepe beim Festakt?
  4. Wo ist die Einwanderungsgeschichte im Berliner Alltag sichtbar?
  5. Wie es weitergeht
  6. Quellen

Berlin hat am 30. Oktober 2026 mit einem Festakt im Roten Rathaus an das deutsch-türkische Anwerbeabkommen erinnert, das beide Staaten am 30. Oktober 1961 unterzeichneten. Bis zum Anwerbestopp 1973 kamen rund 870.000 Arbeitskräfte aus der Türkei. In Berlin lebten Ende 2021 nach Angaben des Amts für Statistik 87.321 türkische Staatsangehörige.

Der Senat hat am Freitag, 30. Oktober 2026, genau 65 Jahre nach der Unterzeichnung des Anwerbeabkommens mit der Türkei im Roten Rathaus gefeiert und erinnert. Rund 250 Gäste waren eingeladen, die Veranstaltung hatte die Senatskanzlei gemeinsam mit türkeibezogenen Migrantenorganisationen und Beratungsstellen vorbereitet. Im Mittelpunkt standen Zeitzeuginnen und Zeitzeugen der ersten Generation, nicht die Rednerliste.

  • Abkommen: unterzeichnet am 30. Oktober 1961 zwischen der Bundesrepublik und der Türkei.
  • Festakt: Rotes Rathaus, 30. Oktober 2026, Beginn des offiziellen Programms um 17 Uhr, rund 250 Gäste.
  • Beteiligt: der Regierende Bürgermeister Kai Wegner, Integrationssenatorin Cansel Kiziltepe und die Integrationsbeauftragte Katarina Niewiedzial.
  • Begleitend: eine Ausstellung des TAM Museums mit Porträts und Zeitzeugenbeiträgen.

Was regelte das Anwerbeabkommen von 1961?

Das Abkommen vom 30. Oktober 1961 regelte die zeitlich befristete Beschäftigung türkischer Arbeitskräfte in der Bundesrepublik. Die Arbeitsverträge liefen zunächst zwei Jahre, danach sollten die Beschäftigten zurückkehren und von anderen ersetzt werden. Viele Betriebe setzten dieses Rotationsprinzip bald aus, weil sie eingearbeitete Leute behalten wollten. Nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung kamen bis 1973 etwa 870.000 Arbeitnehmer, ungefähr eine halbe Million kehrte im selben Zeitraum zurück. Im November 1973 verfügte die Bundesregierung wegen der Ölkrise den Anwerbestopp. Danach zogen bis 1980 mehrere Hunderttausend Familienangehörige nach.

Wie viele Menschen mit türkischen Wurzeln leben in Berlin?

Eine einzige amtliche Zahl gibt es nicht, weil die Statistiken Unterschiedliches zählen. Das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg wies für Ende 2021 in der Bevölkerungsfortschreibung 87.321 türkische Staatsangehörige aus. Die Einwohnerregisterstatistik kam für 2022 auf 101.325, die Ausländerstatistik auf 110.380. Das Amt hält die Fortschreibung für den Vergleich mit der Gesamtbevölkerung am besten geeignet und warnt, dass Ausländerstatistik und Melderegister die Zahl eher zu hoch ansetzen. Wichtig: Gezählt werden nur Menschen mit türkischem Pass. Eingebürgerte und ihre Kinder, die in Berlin geboren wurden, tauchen darin nicht auf. Die Zahlen stammen aus der jüngsten Auswertung des Amts, die uns nach Staatsangehörigkeit vorliegt; neuere Werte lassen sich beim Amt anfragen.

Türkische Staatsangehörige in Berlin nach Statistik, Stand: Auswertung vom 12.05.2023
Statistik Stichtag Personen
Bevölkerungsfortschreibung Ende 2021 87.321
Mikrozensus 2022 88.163
Einwohnerregisterstatistik 2022 101.325
Ausländerstatistik 2022 110.380

Was sagten Wegner und Kiziltepe beim Festakt?

Kai Wegner würdigte nach Angaben der Senatskanzlei die Lebensleistung der ersten und der folgenden Generationen. Cansel Kiziltepe ordnete das Jubiläum persönlich ein: Ihr Vater sei 1961 aus der Türkei gekommen. Sie warb für einen festen Platz der Gastarbeitergeschichte in der Erinnerungskultur und für ein Migrationsmuseum in Berlin. Konkrete Pläne, einen Standort oder einen Zeitplan nannte die Mitteilung der Senatskanzlei nicht. Integrationsbeauftragte Katarina Niewiedzial betonte, die Geschichte werde aus Sicht der Menschen erzählt, die sie selbst erlebt haben.

Die Ausstellung zeigte Arbeiten des Künstlers Cihangir Gümüştürkmen, Porträts der Fotografin Heike Steinweg sowie Video- und Zeitzeugenbeiträge. Zu den Mitveranstaltern zählten unter anderem der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg, der Türkische Frauenverein in Berlin, die Alevitische Gemeinde zu Berlin und das TAM Museum.

Wo ist die Einwanderungsgeschichte im Berliner Alltag sichtbar?

Sie steckt in Betrieben, Kiezen und auf dem Teller. Wie eng sie mit dem Berliner Alltag verknüpft ist, zeigt etwa die Geschichte des Döners in der Stadt, die wir im Beitrag zum Döner-Erfinder Kadir Nurman nachzeichnen. Wer neu in Berlin ist und Deutsch lernen will, findet im Überblick zum Integrationskurs in Berlin Ablauf, Kosten und Anbieter. Weitere Themen aus dem Zusammenleben der Stadt bündelt das Ressort Gesellschaft.

Wie es weitergeht

Ob aus der Forderung nach einem Migrationsmuseum ein Beschluss wird, ist offen: Eine Festlegung, einen Standort oder einen Zeitplan gibt es nach der Mitteilung der Senatskanzlei bisher nicht. Wir halten die Entwicklung im Ressort Gesellschaft nach.

Quellen

Ida Nagel

Redakteurin Gesellschaft & Wohnen

Hallo, ich bin Ida, und bei BerlinEcho bin ich zuständig für Gesellschaft und Wohnen – also für die Themen, die im Alltag meiner Mitmenschen am meisten präsent sind: Wo finde ich eine Wohnung, die ich mir leisten kann? …

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