Wärmewende: Berlin im Greenpeace-Ranking nur auf Platz 8
Inhalt (7 Abschnitte)
Berlin landet in einem Greenpeace-Ranking zur Wärmewende in 15 europäischen Hauptstädten auf Platz 8 mit 61,2 von 100 Punkten. Stark bewertet werden Planung und Steuerung, etwa der Wärmeplan und die landeseigene BEW. Schwach schneidet Berlin bei den tatsächlichen Emissionen ab, dazu kommen neue Gasanlagen in Charlottenburg und Moabit.
Wie weit ist Berlin beim Abschied vom Heizen mit Gas, Öl und Kohle? Die Umweltorganisation Greenpeace hat dazu am das Ranking «Gas-Free Cities? European Urban Heat Transition Ranking» veröffentlicht. Verfasst hat es der unabhängige Energieberater Mehmet Börühan Bulut im Auftrag von Greenpeace. Verglichen werden 15 europäische Hauptstädte in fünf Kategorien, Stichtag für die Daten war der 24. August 2026. Berlin kommt auf Platz 8 und 61,2 Punkte – Mittelfeld, mit einem auffälligen Gegensatz zwischen guten Plänen und schwachen Ergebnissen.
Wo steht Berlin im europäischen Vergleich?
Berlin steht im Greenpeace-Ranking auf Platz 8 von 15 und gehört zur Gruppe «Uneven transition», also einem ungleichmäßigen Übergang. Die Spitze bilden Stockholm, Paris und Wien. Am Ende liegen Athen, Rom und Bukarest. Sehr eng geht es im Mittelfeld zu: Budapest, Prag, Berlin, Warschau und Brüssel liegen nur 1,5 Punkte auseinander. Die genaue Platzierung sagt dort also weniger aus als die Stärken und Schwächen dahinter.
| Platz | Stadt | Punkte | Warnung wegen neuer fossiler Anlagen |
|---|---|---|---|
| 1 | Stockholm | 91,8 | nein |
| 2 | Paris | 83,5 | nein |
| 3 | Wien | 81,4 | nein |
| 4 | Kopenhagen | 78,9 | Beobachtung |
| 5 | Amsterdam | 71,4 | ja |
| 6 | Budapest | 61,8 | Beobachtung |
| 7 | Prag | 61,4 | ja |
| 8 | Berlin | 61,2 | ja |
| 9 | Warschau | 60,5 | ja |
| 10 | Brüssel | 60,3 | Beobachtung |
| 11 | Madrid | 58,2 | nein |
| 12 | Lissabon | 56,5 | Beobachtung |
| 13 | Athen | 50,7 | Beobachtung |
| 14 | Rom | 49,8 | Beobachtung |
| 15 | Bukarest | 49,0 | ja |
Was macht Berlin gut, was schlecht?
Berlins Stärke liegt laut Studie bei Planung und Steuerung, die Schwäche bei den tatsächlichen Emissionen. Die fünf Kategorienwerte zeigen den Gegensatz deutlich: Bei Governance und Finanzierung erreicht Berlin 84 von 100 Punkten, bei Emissionen und Ergebnissen nur 25.
| Kategorie | Punkte von 100 |
|---|---|
| Politik und Planung | 75 |
| Emissionen und Ergebnisse | 25 |
| Umbau der Heizsysteme | 48 |
| Governance und Finanzierung | 84 |
| Soziale Fairness | 75 |
Positiv bewertet die Studie den Berliner Wärmeplan, das Eigentum des Landes an der Fernwärme-Gesellschaft BEW Berliner Energie und Wärme und deren Investitionsplan: Rund 3,5 Milliarden Euro will die BEW bis 2030 unter anderem in Großwärmepumpen, Power-to-Heat-Anlagen, Wärmespeicher und den Kohleausstieg stecken. Als Beispiel nennt der Bericht einen Wärmespeicher mit 56 Millionen Litern, der zusammen mit einer Power-to-Heat-Anlage bis zu 13 Stunden lang 200 Megawatt Wärme liefern kann.
Auf der Gegenseite stehen die Zahlen: Die Emissionen aus Gebäuden sanken laut den verwendeten EU-Daten (EDGAR, witterungsbereinigt) zwischen 2020 und 2024 nur um 1,3 Prozent. Pro Einwohner verursachte das Heizen mit fossilen Brennstoffen 2024 rund 1,46 Tonnen CO2. Den Anteil der direkten Nutzung fossiler Brennstoffe in Gebäuden beziffert die Studie als Näherungswert für 2024 auf rund 38,8 Prozent, gestützt auf die Energie- und CO2-Bilanz des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg. Außerdem fehle ein konkreter Zeitplan, wann welche Teile des Gasnetzes stillgelegt werden.
Welche Gasanlagen kritisiert Greenpeace in Berlin?
Greenpeace kritisiert vor allem neue gasbefeuerte Anlagen der BEW in Charlottenburg und Moabit und versieht Berlin deshalb mit einer «Major Fossil Investment Flag». Für das Heizkraftwerk Charlottenburg hat das Land Berlin im Februar 2026 drei neue Gasturbinen mit 340 Megawatt Wärmeleistung genehmigt, in Moabit eine gasbefeuerte Heißwasseranlage mit 126 Megawatt Feuerungsleistung. Auch Klingenberg in Lichtenberg nennt die Studie als Standort neuer gasfähiger Kapazität.
Die Anlagen ersetzen laut Studie Kohle und ältere Technik und gelten als wasserstofffähig. Weil es aber keine verbindliche Pflicht mit Datum gebe, auf nicht-fossile Brennstoffe umzustellen, sieht der Bericht das Risiko, die Gasabhängigkeit der Fernwärme zu verlängern. Die Warnung fließt nach Angaben der Autoren nicht direkt in die Punktzahl ein. Ähnliche Warnungen bekommen Amsterdam, Prag, Warschau und Bukarest.
BerlinEcho-Einordnung
- Das Ranking ist eine Bewertung einer Umweltorganisation mit eigenen Kriterien, kein amtlicher Vergleich. Die Emissionswerte stammen aus einem EU-Modell (EDGAR) für den Stadtraum, nicht aus Berlins eigener CO2-Bilanz.
- Der Kern der Kritik betrifft die Fernwärme: Sie versorgt in Berlin einen großen Teil der Wohnungen, wird aber noch überwiegend mit Gas erzeugt. Wie sich das auf deine Rechnung auswirkt, erklärt unser Beitrag Heizkosten in Berlin 2026/27.
- Wer welche Energie in Berlin liefert – BEW, GASAG, Vattenfall, Stadtwerke –, steht in der Übersicht der Berliner Energieversorger.
Was empfiehlt Greenpeace für Berlin?
Greenpeace empfiehlt Berlin, den Kohleausstieg bis 2030 umzusetzen und einen klaren Fahrplan für das Ende des Gasnetzes festzulegen. Wärmepumpen, Power-to-Heat, Speicher und Gebäudesanierung sollen schneller wachsen, die Abhängigkeit von künftigem Wasserstoff soll sinken. Ob und wie der Senat reagiert, ist offen; nach der Abgeordnetenhauswahl vom 20. September 2026 laufen die Gespräche über eine neue Regierung. Weitere Meldungen findest du im Ressort Wohnen.
Häufige Fragen
Welchen Platz belegt Berlin im Greenpeace-Ranking zur Wärmewende?
Berlin belegt im Ranking «Gas-Free Cities?» Platz 8 von 15 europäischen Hauptstädten. Mit 61,2 von 100 Punkten liegt die Stadt im Mittelfeld der Gruppe «ungleichmäßiger Übergang». Vorn liegen Stockholm mit 91,8, Paris mit 83,5 und Wien mit 81,4 Punkten. Die Plätze 6 bis 10 trennen nur 1,5 Punkte.
Warum bekommt Berlin eine Warnung wegen neuer Gasanlagen?
Die Studie vergibt Berlin eine sogenannte Major Fossil Investment Flag. Grund sind neue gasbefeuerte Anlagen der landeseigenen BEW: In Charlottenburg genehmigte das Land im Februar 2026 drei Gasturbinen mit 340 Megawatt Wärmeleistung, in Moabit eine Heißwasseranlage mit 126 Megawatt Feuerungsleistung. Die Anlagen gelten als wasserstofffähig, eine verbindliche Umstellungspflicht mit Datum sieht die Studie aber nicht.
Was bedeutet das Ranking für Berliner Mieter?
Unmittelbare Folgen für Mieter hat das Ranking nicht, es ist eine Bewertung der Umweltorganisation und kein Beschluss. Für die Heizkosten entscheidend bleiben die Preise von Gas und Fernwärme sowie der CO2-Preis. Bei Sozialem gibt die Studie Berlin 75 von 100 Punkten.
Quellen
- Greenpeace: Gas-Free Cities? European Urban Heat Transition Ranking (PDF, Autor Mehmet Börühan Bulut) (Oktober 2026, abgerufen 6. Oktober 2026)
- Gas-Free Cities: Projektseite (abgerufen 6. Oktober 2026)
- Greenpeace Österreich: Presseaussendung zum Ranking (6. Oktober 2026)
- Abgeordnetenhaus Berlin: Schriftliche Anfrage 19/26754 zur Fernwärme (2026)
Ida Nagel
Redakteurin Gesellschaft & Wohnen
Hallo, ich bin Ida, und bei BerlinEcho bin ich zuständig für Gesellschaft und Wohnen – also für die Themen, die im Alltag meiner Mitmenschen am meisten präsent sind: Wo finde ich eine Wohnung, die ich mir leisten kann? …
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