Im Graefekiez in Kreuzberg ist es seit dem Frühjahr 2026 mehrfach zu Schüssen auf offener Straße gekommen. Ermittler sprechen intern vom „Graefekiez-Krieg“; die 7. Mordkommission des Landeskriminalamts führt die Ermittlungen. Belegt sind mehrere Taten zwischen März und August, zuletzt Schüsse auf einen 22-Jährigen vor einem Café. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.
Das Wichtigste in Kürze
- Wo: Graefekiez in Friedrichshain-Kreuzberg, Schwerpunkt Graefestraße und Urbanstraße.
- Seit wann: Die Serie belegter Vorfälle beginnt im März 2026 und reicht bis in den August.
- Ermittlungen: Die 7. Mordkommission des Landeskriminalamts hat im Mai übernommen.
- Bilanz der Sondereinheit Ferrum: bis Mitte Juli 514 Ermittlungsverfahren, 61 Haftbefehle, 56 sichergestellte scharfe Schusswaffen.
- Verletzte: Bei den belegten Taten wurden Menschen zum Teil schwer verletzt, Todesfälle sind nicht bekannt.
- Einordnung: Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung. Eine kollektive Zuschreibung an Familien oder Herkunftsgruppen ist damit nicht verbunden.
- Stand der Angaben: 19. August 2026.
Chronologie der belegten Taten im Graefekiez
| Zeitpunkt | Was passiert ist |
|---|---|
| März 2026 | Zwei Männer schiessen auf dem Gehweg der Graefestraße auf einen 23-Jährigen, der schwer verletzt wird. Die Täter flüchten. |
| Mai 2026 | Ein Unbekannter feuert von einem Motorroller aus auf ein besetztes Auto. Die 7. Mordkommission übernimmt. |
| Mai 2026, kurz darauf | Weitere Schüsse im Bereich der Urbanstraße Richtung Hermannplatz sowie vor einem Lokal in Reinickendorf. |
| 7. August 2026 | Ein Unbekannter schiesst gegen 20.40 Uhr auf einen 22-Jährigen, der vor einem Café an der Ecke Graefestraße/Böckhstraße sitzt. Lebensgefahr bestand nicht. |
Einzelne dieser Taten haben wir bereits ausführlich beschrieben: die Schüsse vom Motorroller im Mai und die Schüsse an der Urbanstraße. Ob alle Vorfälle zusammenhängen, prüfen die Ermittler noch – bestätigt ist das nicht für jede einzelne Tat.
Wer ermittelt und mit welchem Ergebnis
Die Ermittlungen liegen bei der 7. Mordkommission des Landeskriminalamts. Parallel arbeitet die Sondereinheit „Ferrum“, die das LKA im Herbst 2025 gegen Schusswaffengewalt eingerichtet hat. Ihre Zwischenbilanz bis Mitte Juli 2026: 514 eingeleitete Ermittlungsverfahren, 61 Haftbefehle, 263 vorläufige Freiheitsentziehungen sowie 56 sichergestellte scharfe Schusswaffen und 21 Schreckschuss- und Gaspistolen.
Wie sich diese Zahlen bis August entwickelt haben und wie die Staatsanwaltschaft mit der Ermittlungsgruppe „Telum“ daran anschließt, steht in unserem Überblick zur Schusswaffengewalt in Berlin. Den Rahmen liefert das Lagebild zur Clankriminalität.
Was belegt ist – und was nicht
Über diesen Konflikt kursieren derzeit deutlich mehr Behauptungen als bestätigte Fakten. Weil das für die Bewertung entscheidend ist, trennen wir beides ausdrücklich.
- Belegt durch Polizeiangaben und mehrere Redaktionen: die vier oben genannten Taten, die Zuständigkeit der 7. Mordkommission, die Ferrum-Bilanz und der intern verwendete Begriff „Graefekiez-Krieg“.
- Von einzelnen Medien berichtet, nicht unabhängig bestätigt: Angaben zu einem internen Lagepapier des Landeskriminalamts, das vor weiterer Eskalation warnen soll, sowie Schilderungen einzelner Szenen, die sich in den Polizeimeldungen nicht wiederfinden. Wir geben solche Angaben nicht als Tatsachen wieder.
- Nicht bestätigt: dass jede der Taten demselben Konflikt zuzurechnen ist. Die Ermittler prüfen das.
Zur Konfliktstruktur berichten mehrere Redaktionen übereinstimmend, die Auseinandersetzung werde zwischen einem Zweig einer bekannten Großfamilie und einer Gruppe junger Männer aus einer Siedlung an der Urbanstraße ausgetragen. Auch das ist Berichterstattung, kein Gerichtsurteil. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung, und die Zuordnung einzelner Tatverdächtiger rechtfertigt keine Aussage über eine Familie oder eine Herkunftsgruppe als Ganzes.
Was das für den Kiez bedeutet
Der Graefekiez ist ein dicht bewohntes Wohnquartier mit Cafés, Schulen und Spielplätzen. Schüsse auf offener Straße am frühen Abend treffen deshalb nicht nur die Beteiligten. Anwohnerinnen und Anwohner berichten seit dem Frühjahr von einem veränderten Sicherheitsgefühl, Polizeieinsätze mit Großaufgebot gehören inzwischen zum Bild.
Für die Bewertung hilft ein nüchterner Blick: Die belegten Taten richteten sich gezielt gegen einzelne Personen, nicht gegen Unbeteiligte. Das macht sie nicht harmloser – wer auf einer belebten Straße schiesst, nimmt Dritte in Kauf. Es heißt aber auch, dass das Risiko für Anwohnerinnen und Anwohner ein anderes ist als bei wahllosen Angriffen.
Weitere Meldungen aus dem Bezirk stehen in der Rubrik Kreuzberg, aktuelle Fälle in der Rubrik Kriminalität. Hinweise nimmt die Polizei über jede Dienststelle und die Internetwache entgegen.
Quellen im Überblick
| Angabe | Quelle |
|---|---|
| Einzelne Taten, Einsätze, Ermittlungsstand | Polizeimeldungen Berlin |
| Zuständigkeit der 7. Mordkommission, Konfliktstruktur, Ferrum-Zwischenbilanz | Berichterstattung von Tagesspiegel und weiteren Redaktionen |
| Einordnung von Clankriminalität als Deliktsfeld | Polizei Berlin |
Häufige Fragen zum Konflikt im Graefekiez
Was ist im Graefekiez passiert?
Seit März 2026 ist es dort mehrfach zu Schüssen auf offener Straße gekommen. Belegt sind unter anderem Schüsse auf einen 23-Jährigen im März, Schüsse von einem Motorroller auf ein besetztes Auto im Mai und Schüsse auf einen 22-Jährigen vor einem Café am 7. August. Menschen wurden verletzt, teils schwer.

Wer ermittelt?
Die 7. Mordkommission des Landeskriminalamts hat die Ermittlungen im Mai übernommen. Parallel arbeitet die LKA-Sondereinheit „Ferrum“, die gezielt gegen Schusswaffengewalt eingesetzt wird.
Gibt es Tote?
Nach den bislang öffentlich bestätigten Angaben nicht. Bei mehreren Taten wurden Menschen verletzt, bei der Tat vom 7. August bestand nach Polizeiangaben keine Lebensgefahr.
Sind Unbeteiligte gefährdet?
Die belegten Taten richteten sich gezielt gegen einzelne Personen. Wer allerdings am Abend auf einer belebten Straße schiesst, nimmt Gefahren für Dritte in Kauf. Ein allgemeines Angriffsrisiko für Anwohnerinnen und Anwohner ist daraus nicht abzuleiten.
Warum nennen Ermittler es „Graefekiez-Krieg“?
Der Begriff stammt aus dem internen Sprachgebrauch der Ermittler und beschreibt die Häufung gewaltsamer Auseinandersetzungen im selben Quartier. Es handelt sich nicht um eine juristische Kategorie.
Fazit: Die Faktenlage ist dünner als die Schlagzeilen
Dass es im Graefekiez seit dem Frühjahr wiederholt Schüsse gab, ist belegt und ernst genug. Vieles von dem, was derzeit über den Konflikt zu lesen ist, stützt sich dagegen auf ein internes Papier, das öffentlich nicht vorliegt. Wir berichten weiter über das, was Polizei und Justiz bestätigen – und aktualisieren diesen Beitrag, sobald es neue gesicherte Erkenntnisse gibt.
🗞 Über den Autor: Julian Möhring – Redaktion Kriminalität
Ich trenne in diesem Text ausdrücklich zwischen bestätigten Taten und Angaben aus nicht öffentlichen Papieren. Wo ich nichts prüfen konnte, steht es nicht als Tatsache.
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