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Kriminalität

Kriminalität im Graefekiez: Schüsse 2026 und was belegt ist

Vier Tage mit Schüssen, drei Mordkommissionen, vier Festnahmen nach der Tat vom März: was Polizei und Statistik zum Graefekiez belegen – und was nur berichtet wird.

Maik Möhring Veröffentlicht · aktualisiert
Eine verlassene Berliner Wohnstraße mit Altbauten und Bäumen in der Dämmerung, vorn unscharfes rot-weißes Absperrband.
Nach mehreren Schussabgaben im Graefekiez ermittelt die Polizei zu Hintergründen und Zusammenhängen der Taten. (KI-generiertes Symbolbild)
Inhalt (8 Abschnitte)
  1. Welche Schüsse im Graefekiez sind belegt?
  2. Gibt es Festnahmen nach den Schüssen?
  3. Wie hoch ist die Kriminalität im Graefekiez?
  4. Steckt ein Clan-Konflikt hinter den Schüssen?
  5. Was tun Polizei und Justiz gegen Schusswaffengewalt?
  6. Wie es weitergeht
  7. Häufige Fragen zum Graefekiez
  8. Quellen

Im Kreuzberger Graefekiez und an der Urbanstraße fielen 2026 laut Polizei an vier Tagen Schüsse: am 19. März, 21. und 25. Mai sowie am 7. August. Ein 23-Jähriger und ein 22-Jähriger wurden verletzt, Tote gab es nicht. Wegen der Tat vom März vollstreckte die Polizei am 29. Mai Haftbefehle gegen vier 16- bis 18-Jährige.

Die Schüsse dieses Jahres im Graefekiez sind durch Pressemitteilungen der Polizei Berlin belegt, drei Mordkommissionen des Landeskriminalamts ermitteln. Verletzt wurden im März und im August je ein junger Mann, weitere Verletzte meldete die Polizei nicht. Für die Kriminalität im Graefekiez insgesamt gibt es amtliche Zahlen nur für die größere Bezirksregion Tempelhofer Vorstadt: Dort lag die Häufigkeitszahl 2025 laut Kriminalitätsatlas der Polizei rund 16 Prozent über dem Berliner Schnitt, aber unter dem Wert des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg. Eine weitere Polizeimeldung zu Schüssen im Graefekiez nach dem 7. August hat BerlinEcho bis zum 2. Oktober 2026 nicht gefunden. Für alle Tatverdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.

Update vom 2. Oktober 2026: Der Beitrag stützt sich jetzt nur noch auf Polizeimeldungen, Polizeistatistik und frei zugängliche Medienberichte. Korrekturen: Die Tat vom März bearbeitet die 5. Mordkommission, die Tat vom 7. August die 2. Mordkommission – nicht die 7. Mordkommission für alle Fälle. Lebensgefahr bestand für den 23-Jährigen laut Polizei zu keinem Zeitpunkt. Neu sind die Festnahmen vom 29. Mai, die Zahlen des Kriminalitätsatlas 2025 und der Stand der Sondereinheit «Ferrum» vom September.

Welche Schüsse im Graefekiez sind belegt?

Belegt sind vier Tage mit Schüssen zwischen März und August 2026, jeweils durch Pressemitteilungen von Polizei und Staatsanwaltschaft Berlin. Ob alle Taten zusammenhängen, ist nicht bestätigt; nach dem 7. August prüfte die Polizei laut Tagesspiegel «mögliche Zusammenhänge» zu den früheren Schüssen.

Schüsse im Graefekiez und an der Urbanstraße 2026 (Quelle: Polizei Berlin, Stand 2. Oktober 2026)
Datum Ort Was laut Polizei geschah Ermittler
19. März Graefestraße Zwei Unbekannte schießen auf einen 23-Jährigen, der mit einem Bekannten auf dem Gehweg steht; Verletzungen an Oberkörper, Bein und Arm, keine Lebensgefahr 5. Mordkommission
21. Mai, gegen 12:40 Uhr Urbanstraße Ein Mitfahrer eines Motorrollers schießt vom Mittelstreifen mehrfach auf ein Auto mit vier Insassen; niemand verletzt 7. Mordkommission
25. Mai, gegen 21:25 Uhr Urbanstraße, Graefestraße Schüsse in Richtung eines Spielplatzes auf einen Mann; danach Schüsse aus einer Gruppe, die aus einem Auto steigt, auf den Flüchtenden; niemand verletzt 7. Mordkommission
7. August, gegen 20:40 Uhr Graefestraße Ecke Böckhstraße Ein Unbekannter schießt auf einen 22-Jährigen im Außenbereich eines Cafés; Notoperation, laut Ärzten keine Lebensgefahr mehr 2. Mordkommission

Gibt es Festnahmen nach den Schüssen?

Festnahmen gibt es bisher nur zur Tat vom 19. März. Am 29. Mai 2026 vollstreckten Polizei und Staatsanwaltschaft Haftbefehle und Durchsuchungsbeschlüsse gegen zwei Jugendliche von 16 und 17 Jahren und zwei 18-Jährige in Kreuzberg und Gesundbrunnen. Dabei wurden Beweismittel und mehrere Schreckschusswaffen beschlagnahmt. Eine Polizeimeldung über Festnahmen zu den Schüssen im Mai und August hat BerlinEcho bis zum 2. Oktober 2026 nicht gefunden; nach dem Schützen vom 7. August wurde zuletzt gefahndet. Ein Gerichtsurteil gibt es in keinem der Fälle.

Wie hoch ist die Kriminalität im Graefekiez?

Die Kriminalität im Graefekiez lässt sich amtlich nur über die Bezirksregion Tempelhofer Vorstadt messen, zu der der Graefekiez laut Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg gehört. Der Kriminalitätsatlas der Polizei Berlin weist für 2025 dort 9.567 Straftaten aus. Das entspricht einer Häufigkeitszahl von 14.911 Fällen je 100.000 Einwohner – 16 Prozent mehr als in ganz Berlin (12.882), aber deutlich weniger als im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg (17.879).

Häufigkeitszahlen (Fälle je 100.000 Einwohner) laut Kriminalitätsatlas Berlin, PKS 2023 bis 2025
Gebiet und Jahr Straftaten insgesamt Gefährliche und schwere Körperverletzung Raub
Tempelhofer Vorstadt 2023 15.973 438 197
Tempelhofer Vorstadt 2024 15.757 533 221
Tempelhofer Vorstadt 2025 14.911 510 218
Friedrichshain-Kreuzberg 2025 17.879 744 309
Berlin 2025 12.882 343 124

Auffällig sind die Gewaltdelikte: Gefährliche und schwere Körperverletzungen lagen in der Tempelhofer Vorstadt 2025 rund 49 Prozent über dem Berliner Wert, Raub rund 77 Prozent. Die Gesamtzahl ist seit 2023 um knapp 7 Prozent gesunken. Methodik: BerlinEcho hat die Datentabelle des Kriminalitätsatlas (PKS 2016 bis 2025) am 2. Oktober 2026 ausgewertet und die Abweichungen selbst berechnet. Kleinere Einheiten als Bezirksregionen veröffentlicht die Polizei nicht; die Schüsse von 2026 sind in den Zahlen noch nicht enthalten.

Steckt ein Clan-Konflikt hinter den Schüssen?

Ob ein Konflikt zwischen kriminellen Gruppen hinter den Schüssen im Graefekiez steckt, haben Polizei und Staatsanwaltschaft bis zum 2. Oktober 2026 nicht bestätigt. Nach den Schüssen vom 25. Mai prüfte die Staatsanwaltschaft laut einer dpa-Meldung im Nordkurier «auch einen Zusammenhang zu Clandelikten»; die Ermittlungen liefen «in alle Richtungen». Der Tagesspiegel berichtete am 7. August, Ermittler sprächen intern vom «Graefekiez-Krieg» zwischen zwei Gruppen aus dem Umfeld. Das ist Berichterstattung, kein Ermittlungsergebnis. BerlinEcho nennt deshalb keine Namen, Familien oder Herkünfte.

Was tun Polizei und Justiz gegen Schusswaffengewalt?

Gegen Schusswaffengewalt arbeitet seit Mitte November 2025 die Sondereinheit «Ferrum» beim Landeskriminalamt, bei der Staatsanwaltschaft die Ermittlungsgruppe «Telum». Nach dem 7. August stand die zuständige Mordkommission laut Polizeisprecher im Austausch mit «Ferrum». Bis Mitte Juli hatte die Einheit laut einer Antwort der Senatsinnenverwaltung, über die der Tagesspiegel berichtete, 514 Verfahren eingeleitet, 61 Haftbefehle erwirkt und 56 scharfe Schusswaffen sichergestellt. Bis zum 22. September 2026 stieg die Zahl der Verfahren laut Polizeisprecher auf 680, berichtete dpa (Volksstimme). Am 23. September durchsuchten Einsatzkräfte in sechs Bezirken elf Wohnungen wegen Waffenhandels; sieben Menschen wurden vorläufig festgenommen. Einen Bezug zum Graefekiez nannten die Behörden dabei nicht. Den Überblick über beide Einheiten liefert die BerlinEcho-Bilanz zur Schusswaffengewalt in Berlin.

Wie es weitergeht

Die Ermittlungen zu allen vier Taten dauern an; Stand ist der 2. Oktober 2026. Weitere Meldungen aus dem Bezirk stehen unter Friedrichshain-Kreuzberg.

Zeugenaufruf: Die 7. Mordkommission sucht weiter Zeugen zu den Schüssen vom 21. und 25. Mai, auch Fotos, Videos und Dashcam-Aufnahmen. Hinweise nimmt sie unter (030) 4664-911777, per E-Mail an LKA117@polizei.berlin.de oder über jede Polizeidienststelle und die Internetwache entgegen.

Häufige Fragen zum Graefekiez

Ist im Graefekiez jemand erschossen worden?

Nein. Bei den vier belegten Taten im Jahr 2026 ist nach Angaben der Polizei Berlin niemand gestorben. Verletzt wurden ein 23-Jähriger am 19. März und ein 22-Jähriger am 7. August; für beide bestand laut Polizei keine Lebensgefahr beziehungsweise nach der Operation keine mehr. Bei den Schüssen am 21. und 25. Mai wurde niemand verletzt.

Wer ermittelt zu den Schüssen im Graefekiez?

Drei Mordkommissionen des Landeskriminalamts Berlin: Die 5. Mordkommission bearbeitet die Tat vom 19. März, die 7. Mordkommission die Schüsse vom 21. und 25. Mai und die 2. Mordkommission den Angriff vom 7. August. Die Staatsanwaltschaft Berlin leitet die Ermittlungen. Die Sondereinheit «Ferrum» ist laut Polizei eingebunden.

Ist der Graefekiez gefährlich für Anwohner?

Die Schüsse richteten sich nach Polizeiangaben jeweils gegen einzelne Personen; weitere Verletzte meldete die Polizei nicht. Wer auf belebten Straßen schießt, gefährdet trotzdem Dritte. Die Häufigkeitszahl für Straftaten lag 2025 in der Bezirksregion Tempelhofer Vorstadt, zu der der Graefekiez gehört, 16 Prozent über dem Berliner Durchschnitt und unter dem Wert des Bezirks.

Quellen

Maik Möhring

Verantwortlicher & Chefredakteur

Moin, ich bin Maik – Gründer von BerlinEcho und verantwortlicher Redakteur. Ich baue seit Jahren digitale Medien auf, die ich wirklich für notwendig halte: unabhängig, ohne Konzernlogik im Rücken, mit echten Menschen dahinter. Berlin fasziniert mich als Stadt …

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