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Berlin

Amphibien in Berlin: Drei Viertel der großen Vorkommen weg

Der neue Berliner Amphibienbericht zeigt: Von 162 Gewässern mit großen Beständen sind nur noch 43 übrig. Die Wechselkröte lebt an vier Standorten, kein FFH-Vorkommen gilt als günstig.

Maik Möhring Veröffentlicht
Ruhiger Parkteich im morgendlichen Dunst mit schwimmenden Seerosenblättern und dichtem Schilf am Ufer.
Viele Berliner Teiche bieten Fröschen und Molchen kaum noch geeignete Bedingungen für die Fortpflanzung. (KI-generiertes Symbolbild)
Inhalt (6 Abschnitte)
  1. Was steht im Berliner Amphibienbericht?
  2. Warum gehen die Bestände in Berlin zurück?
  3. Wo überlebt die Wechselkröte in Berlin?
  4. Was soll jetzt passieren?
  5. Wie es weitergeht
  6. Quellen

Von den 162 Berliner Gewässern, an denen in den 1980er- und 1990er-Jahren mehr als 100 rufende Amphibien lebten, sind heute nur noch 43 übrig. Das ist ein Rückgang von 73,5 Prozent. Der aktuelle Amphibienbericht der Stiftung Naturschutz Berlin wertet über 700 untersuchte Gewässer aus.

Frösche, Kröten und Molche verschwinden aus Berlin schneller, als viele vermuten. Die Stiftung Naturschutz Berlin hat zwischen 2016 und 2023 mehr als 700 Gewässer im gesamten Stadtgebiet untersucht und dabei über 13.000 Amphibiennachweise dokumentiert. Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt stellte die Ergebnisse am 8. Oktober 2026 vor. Von den größeren Vorkommen früherer Jahrzehnte sind demnach rund drei Viertel weg.

  • 162 Gewässer hatten in den 1980er- und 1990er-Jahren Vorkommen mit mehr als 100 rufenden Tieren, 43 davon bestehen noch.
  • Alle FFH-relevanten Amphibienvorkommen in Berlin gelten als ungünstig erhalten, kein einziges wurde als günstig bewertet.
  • Die Wechselkröte lebt nur noch an vier Standorten, 1997 waren es 102 dokumentierte Laichplätze.
  • Am Barssee im Grunewald wurde zuletzt nur noch ein einziges Moorfroschmännchen erfasst.

Was steht im Berliner Amphibienbericht?

Der Amphibienbericht ist eine Bestandsaufnahme der Stiftung Naturschutz Berlin im Auftrag der Umweltverwaltung. Er vergleicht die Erhebungen von 2016 bis 2023 mit den Daten aus den 1980er- und 1990er-Jahren. Betroffen sind nach Angaben der Stiftung nahezu alle Arten, selbst in Schutzgebieten. Susanne Bengsch, Amphibienexpertin und Leiterin der Koordinierungsstelle Fauna der Stiftung, sagt: „Für Berlins Amphibien ist es fünf nach zwölf.“

Es trifft auch Tiere, die viele für selbstverständlich halten. Erdkröte, Teichmolch und Teichfrosch finden die Fachleute seltener in größeren Beständen. Der Bericht dient zugleich als Grundlage für den EU-Bericht des Landes zur Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie.

Ausgewählte Befunde des Amphibienberichts, Stand: 8. Oktober 2026
Befund Früher Heute
Gewässer mit mehr als 100 rufenden Tieren 162 (1980er und 1990er) 43
Laichplätze der Wechselkröte in Berlin 102 (1997) 4 Standorte
Moorfrösche am Barssee im Grunewald mehr als 2.000 erwachsene Tiere (Anfang der 1980er) ein Männchen

Warum gehen die Bestände in Berlin zurück?

Der Bericht nennt mehrere Ursachen, die zusammenwirken. Amphibien brauchen Laichgewässer, intakte Lebensräume an Land und einen funktionierenden Biotopverbund. Gewässerverlust, Versiegelung, Schadstoff- und Nährstoffeinträge, Nutzungsdruck und Entwässerungssysteme setzen den Tieren zu. Hinzu kommen Waschbär und eingeschleppte Krankheiten. Längere Trockenphasen und Hitzesommer verschärfen die Lage.

Rechnerisch bedeutet der Rückgang von 162 auf 43 Gewässer: 119 große Vorkommen sind verschwunden oder auf Reste geschrumpft, das sind 73,5 Prozent. Staatssekretär Andreas Kraus (SenMVKU), Ratsvorsitzender der Stiftung, nennt den Rückgang ein Warnsignal für den ökologischen Zustand der Stadt.

Wo überlebt die Wechselkröte in Berlin?

Die Wechselkröte ist in Berlin fast verschwunden. Sie lebt nur noch an vier Standorten, einer davon ist der Tierpark Berlin. Dort laichen die Tiere in den künstlich angelegten Gewässern rund um die Tiergehege und haben sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich erfolgreich fortgepflanzt.

Was soll jetzt passieren?

Der Bericht empfiehlt, bestehende Gewässer zu pflegen und zu renaturieren, neue Laichgewässer anzulegen und Landlebensräume aufzuwerten. Wanderkorridore sollen gesichert werden, teils sind auch Unterstützungsaufzuchten oder Nachzuchten denkbar. Gefahrenstellen an Straßen und Schächten sowie invasive Arten müssen stärker beachtet werden.

Stefan Richter, Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz Berlin, nennt den Bericht einen Arbeitsauftrag. Mitmachen können auch Berlinerinnen und Berliner: Über die Plattform ArtenFinder Berlin lassen sich Beobachtungen melden, so die Stiftung. Wer an Berliner Seen und in den Parks der Stadt unterwegs ist, kann damit zur Beobachtung beitragen.

Wie es weitergeht

Konkrete Maßnahmen samt Zeitplan nennt die Pressemitteilung vom 8. Oktober 2026 nicht. Die Stiftung betont, dass bei zeitnahem und zielgerichtetem Handeln Hoffnung für Kröten, Frösche, Unken und Molche besteht. Die Stiftung hat den Bericht als Kurzfassung und als vollständige Fassung veröffentlicht, beide stehen unten in den Quellen.

Quellen

Maik Möhring

Verantwortlicher & Chefredakteur

Moin, ich bin Maik – Gründer von BerlinEcho und verantwortlicher Redakteur. Ich baue seit Jahren digitale Medien auf, die ich wirklich für notwendig halte: unabhängig, ohne Konzernlogik im Rücken, mit echten Menschen dahinter. Berlin fasziniert mich als Stadt …

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